Ein Gemeinderat ganz ohne Parteien

In Wilen kommt es am 13. Februar zu einer Kampfwahl. Fünf Personen bewerben sich um vier Gemeinderatssitze. Dennoch wurde das Wahl-Podium vom Dienstagabend alles andere als kämpferisch, sondern spielerisch geführt.

Christof Lampart
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Treten am 13. Februar zu den Gemeinderatswahlen in Wilen an: Hans Jörg Debrunner, Philipp Granwehr, Othmar Häne, Alois Holenstein, Ursula Burtscher und Gemeindeammann Kurt Enderli. (von links). (Bild: art.)

Treten am 13. Februar zu den Gemeinderatswahlen in Wilen an: Hans Jörg Debrunner, Philipp Granwehr, Othmar Häne, Alois Holenstein, Ursula Burtscher und Gemeindeammann Kurt Enderli. (von links). (Bild: art.)

Wilen. Dass die Veranstaltung in Minne verlief, lag zu einem guten Teil auch an Reto Marty, dem Geschäftsführer des «Verbands Thurgauer Gemeinden». Als Aussenstehender konnte er der Kandidatin und den Kandidaten problemlos auf den Zahn fühlen, ohne sich dabei fürchten zu müssen, in ein Fettnäpfchen zu treten. Zuerst wurden die Bisherigen, Gemeindeammann Kurt Enderli sowie die Gemeinderäte Alois Holenstein und Hans Jörg Debrunner, befragt. Danach kamen die drei neu Kandidierenden – Ursula Burtscher, Philipp Granwehr und Othmar Häne – an die Reihe. Das hatte den Vorteil, dass man die «Alten» vor allem über ihre bisherigen Erfolge im Dienste der Gemeinde befragte, und die Neuen über ihre generelle politische Einstellung, ihre Wünsche und Sorgen. Hierbei waren nicht Sachfragen, sondern das persönliche Kennenlernen gefragt.

«Persönlichkeit unterordnen»

Kurt Enderli erklärte, dass man als Gemeindeammann oft seine Persönlichkeit dem Amt unterordnen müsse. Das sei nicht immer leicht, vor allem, wenn man das Gute wolle, zum anderen aber von Menschen enttäuscht werde. Doch er arbeite gerne für Wilen und sei nicht jemand, der sich in den Vordergrund drängen müsse. «Im Zentrum unserer Arbeit als Gemeinderäte und Gemeindeammann sollte stehen, dass wir Rahmenbedingungen schaffen, die dazu beitragen, dass sich die Leute im Dorf engagieren», so Kurt Enderli. Er selbst strebe jedoch kein politisches Amt ausserhalb der Gemeinde an, erklärte der Gemeindeammann.

Kein politischen Grabenkämpfe

Generell scheint in Wilen die Zugehörigkeit zu einer Partei und somit auch zu einem konkreten politischen Weltbild nicht sehr ausgeprägt zu sein, gehört doch keiner der sechs Kandidaten einer Partei an. «Ich denke, das ist nicht schlimm, sondern vielmehr eine Qualität von unserem Gemeinderat. Wir haben alle viele Facetten und ergänzen uns dabei gut in der Sacharbeit und erschöpfen uns nicht in politischen Grabenkämpfen», wusste Hans Jörg Debrunner zu erzählen. Damit lag er ganz auf der Linie von Alois Holenstein, der nach eigenem Bekenntnis «lieber liefert statt lafert.»

Eigenen Charakter eingeschätzt

Die Neuen gaben sich ebenso entkrampft. Gefragt, wie er sich charakterisieren würde, antwortete Granwehr selbstkritisch: «Ich habe eine gute Allgemeinbildung, bin aber nicht immer diplomatisch.» Häne sieht sich als «loyal sowie vertrauenswürdig.» Burtscher betonte, dass er teamfähig sei. Politisch ordneten sich Häne und Granwehr «eher rechts von der Mitte» ein. Burtscher entzog sich einer Einordnung: «Ich nehme mir von jeder Partei das Beste und schaffe so meine eigene Meinung.» Gefragt, warum sie sich ein Gemeinderatsmandat «antun» würden, erklärte Häne, dass er dazu beitragen wolle, dass die Generation 60 plus sich politisch vertreten fühle. Burtscher würde gerne das Dorf mitgestalten und Granwehr mit den Steuergeldern sorgsam umgehen, denn «jeder Steuerfranken ist ein Franken, den die Wilener sich hart verdient haben.» Auch für Häne ist der Umgang mit dem Geld wichtig: «Ich würde ein Auge auf eine sparsame Gemeindeverwaltung werfen», sagte er. Burtscher hält nichts von einer möglichen Fusion mit einer Nachbargemeinde: «Ich möchte, dass Wilen Wilen bleibt – und dazu gehören auch eine eigene Post und Einkaufsmöglichkeiten», sagte Burtscher.