Ein Gartentor spaltet Nachbarn

UZWIL. An der Grenze Uzwil-Oberuzwil hat das Baukonsortium Amselweg ein Gartentor zum benachbarten Grundstück am Parkweg errichtet. Zu Unrecht, sagen die Hausbesitzer dort. Sie wollen keinen Zutritt und fordern einen Zaun.

Urs Bänziger
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Erich Keller am Gartentor, das den Bewohnern der Überbauung Amselweg den Zutritt zu seinem Haus und dem seiner Nachbarn verschafft. (Bild: Urs Bänziger)

Erich Keller am Gartentor, das den Bewohnern der Überbauung Amselweg den Zutritt zu seinem Haus und dem seiner Nachbarn verschafft. (Bild: Urs Bänziger)

Eigentlich müsste ein Gartentor den Weg frei machen für eine freundschaftliche Beziehung unter Nachbarn. Aber das Gartentor zwischen den Liegenschaften am Parkweg und Amselweg an der Gemeindegrenze zwischen Uzwil und Oberuzwil ist ein Tor des Anstosses. Vor allem Erich und Susanne Keller stören sich am Gartentor.

«Das Tor wurde unrechtmässig erstellt, es stört unsere Privatsphäre und ist eine Wertverminderung für unser Haus», sagen die Kellers. Auf dem benachbarten Grundstück hat das Baukonsortium Amselweg eine Überbauung mit Eigentumswohnungen erstellt. Das Konsortium habe im Internet die neuen Wohneinheiten missbräuchlich mit einem Fusswegrecht über die Privatparzelle seiner Liegenschaft und der anderen Hausbesitzer am Parkweg zum Verkauf angeboten, sagt Keller. «Trotz schriftlichem Eingeständnis, dass es sich bei unserem Grundstück um eine Privatparzelle ohne Zutrittsrecht handelt, wurde als Verkaufsargument ein kurzer Weg zum Bahnhof und ins Uzwiler Zentrum angepriesen.»

Vereinbarung missachtet

Die Eigentümer am Parkweg 4a-4c setzten sich zur Wehr und arbeiteten mit Hilfe eines Anwalts eine Vereinbarung aus, die vom Baukonsortium Amselweg verlangte, dass vor Baubeginn die Grenze zwischen den beiden Grundstücken geschlossen wird. Das Konsortium habe diese Vereinbarung unterzeichnet, sagt Keller. Zuerst sei die Vereinbarung aber ignoriert worden. Erst nach erneuter Intervention sei dann der geforderte 1, 2 Meter hohe Maschendrahtzaun erstellt worden. Zur grossen Überraschung der Kellers und ihrer Mitstreiter ist der Zaun aber nach Abschluss der Bauarbeiten wieder entfernt und durch ein Gartentor ersetzt worden.

«Dies geschah in einer Nacht-und Nebelaktion und ohne uns darüber zu informieren», erzählt Keller. Sie fühlen sich vom Baukonsortium verschaukelt. Trotz grundbuchamtlichem Eintrag, dass kein Zutrittsrecht bestehe, und der schriftlichen Vereinbarung sei das Gartentor bis heute nicht wieder entfernt worden.

Respektlos behandelt

«Der Durchgang zu unserer Privatparzelle wird nun durch die neuen Nachbarn und weitere Anwohner rege benützt. Für sie ist es unverständlich, dass wir sie konsequent darauf hinweisen, dass das widerrechtlich ist», sagt Keller. Er und seine Gattin würden jetzt als Sündenböcke dargestellt und seien deswegen auch schon diffamiert worden. «Aber so respektlos lassen wir uns nicht behandeln. Wir pochen auf unser Recht und verlangen, dass die Vereinbarung eingehalten, das Gartentor wieder demontiert und durch einen Zaun ersetzt wird.»

Ein Gegenrecht von früher

Jürg Walter Roth ist Mitglied des Baukonsortiums Amselweg. Auf dem Grundstück seiner Eltern wurde die Überbauung erstellt. Er kann die Haltung seines ehemaligen Kameraden aus der Schulzeit in Uzwil nicht verstehen. «Erich Keller wird sich auch noch daran erinnern, dass schon zu unseren Jugendjahren ein Fussweg vom Amsel- zum Parkweg führte. Damals standen noch keine Häuser da, mein Vater unterhielt den Kiesweg, der durch eine Wiese führte», erzählt Roth. Die mit den Bewohnern vom Parkweg getroffene Vereinbarung sei nicht definitiv, sondern sei eine Abmachung während der Bauphase gewesen. Deshalb sei nach Abschluss der Arbeiten das Gartentor montiert worden – in der Meinung, dass das seit Jahrzehnten bestehende Gegenrecht weiter Gültigkeit habe. Roth: «Es ist doch für alle Bewohner am Amsel- und Parkweg von Vorteil, wenn sie den Fussweg auf beiden Grundstücken benützen können.»

Schlüssel für alle Berechtigten

Die mehrmals geführten Gespräche mit Kellers und ihren Mitstreitern hätten zu nichts geführt. Es sei auch im Interesse des Baukonsortiums, dass der Fussweg kein öffentlicher Durchgang sei, sondern lediglich von den Bewohnern dort benützt werde. «Deshalb haben wir am Gartentor ein Schloss angebracht. Ich verteile allen, die ein Recht dazu haben, gratis einen Schlüssel, wenn dies zu einer gütlichen Einigung beiträgt», sagt Roth. Vielleicht ist es dafür zu spät, denn Kellers und ihre Mitstreiter spielen mit dem Gedanken, auf ihrem Grund und Boden einen Zaun zum Nachbargrundstück zu erstellen.