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Ein Flawiler will sich nach oben spielen

Bauleiter, Fussballer – Schauspieler. Im Theaterstück Krabat spielt Nicola Graf den Müllersburschen. Um dort zu landen wo er jetzt ist, ging er Risiken und Kompromisse ein
Annina Quast
Nicola Graf bei den Proben für das Theaterstück «Krabat»: Er blendet alles andere aus. (Bild: PD)

Nicola Graf bei den Proben für das Theaterstück «Krabat»: Er blendet alles andere aus. (Bild: PD)

Zurückhaltend, korrekt, bedacht und ein wenig überfordert – die Rolle des Müllerburschen Michal im Theaterstück Krabat passt vor allem in einer Hinsicht wie die Faust aufs Auge zu Nicola Graf. Wenn etwas gemacht wird, wird es sauber und korrekt erledigt, es wird nicht gehudelt und Halbpatzigkeit geht gar nicht.

Überfordert hingegen wirkt der 31-Jährige Schauspieler aus Flawil ganz und gar nicht. Sein Werdegang vom Hochbauzeichner zum Schauspielschüler war zwar turbulent, doch verfolgte Graf stets ein Ziel: Um glücklich zu sein, gilt es, Risiken auf sich zu nehmen. Aus diesem Grund begann Graf vergangenen Sommer die European Film Actor School (EFAS) in Zürich. Sein grosses Hobby Fussball in der 1. Mannschaft des FC Flawil musste nun seiner ersten Priorität weichen: der Schauspielerei.

Von Los Angeles nach Zürich

Mit ausschweifender Handbewegung und weitblickenden Augen zeigt Nicola Graf, wie schwierig es für ihn anfangs war, den imaginären See in der Ferne anzuschauen und nicht in das Publikum zu blicken. «Bei meinen ersten paar Erfahrungen auf der Bühne war das eine Herausforderung, mittlerweile gelingt es mir aber sehr gut, mich in die verlangte Szene rein zuversetzten und alles andere auszublenden», sagt Graf. Noch am Anfang seiner Schauspielkarriere stehend, hat er auch mit dem Text seiner Rollen wenig Mühe: «Ein völliges Blackout hatte ich noch nie. Wenn ein Schauspieler vergisst, eine Textpassage zu sagen, darf er es sich einfach nicht anmerken lassen, das Publikum merkt es dann oft gar nicht.» Das bisschen Stolz ist nur ganz leise aus seiner Stimme herauszuhören – er ist eben zurückhaltend.

Durch die Schauspielschule konnte Nicola Graf aber nicht nur sein Lampenfieber besser kennen und kontrollieren lernen – hier entstand auch der Kontakt für die Rolle des Müllerburschen im Theaterstück Krabat. «Es ist wie in der Kunst: Ein gewisses Netzwerk ist fast so wichtig wie das eigene Talent», sagt Graf. Wie man sich ein solches Netzwerk aufbaut, lernte Nicola Graf unter anderem in Los Angeles. In der Filmmetropole fiel auch seine Entscheidung, sich vertieft mit der Schauspielerei zu beschäftigen. Ein Sprachaufenthalt, kombiniert mit einem «Film Making» -Workshop, war der Auslöser.

Beruf und Hobby vereinen

«In meinen jüngeren Jahren habe ich sehr schweizerisch gedacht. Das Sicherheitsdenken sagte mir, eine Lehre sei das beste für meine Zukunft», sagt Graf nachdenklich. Um nach der Lehre zum Hochbauzeichner nicht nur im Büro zu sitzen, entschied er, sich als Bauleiter zu versuchen. «Aber schon bald merkte ich, dass mich auch dieser Job nicht ganz erfüllt.» Bedacht, wie Nicola Graf eben ist, stellte er den Verdienst in den Hintergrund und nahm sich eine Auszeit – die ihn nach Los Angeles führte.

Wer sich nun Nicolas Grafs blonden Lockenschopf im trendigen Hollywood vorstellt, teilt Grafs geheime Wünsche. Der leidenschaftliche Surfer hängt nämlich nicht an seiner Heimat: «Mein Traum wäre schon, international im Filmbusiness zu arbeiten. Dafür kann ich mir auch vorstellen, auszuwandern. Nur schon in Deutschland bei einer Produktion mitzumachen, wäre grossartig.»

Aus Nicola Grafs lebhafter Erzählweise, sobald es um das Schauspiel geht, lässt sich schnell schliessen, dass er auf dem besten Wege ist, etwas zu erreichen, wovon so viele andere träumen. Bei der Frage, ob er die Ausübung seiner Leidenschaft als Hobby oder als Beruf sehe, muss Graf lange überlegen und kommt schliesslich zum Fazit: «Das kann ich nicht sagen. Es ist beides.»

Prioritäten setzen

Vor zwei Jahren zog Graf von Flawil, wo ihn vor allem die Freunde und das Fussball hielten, nach St. Gallen. An zwei Nachmittagen pro Woche arbeitet er weiterhin bei der Bauer und Partner AG als Bauleiter. Der Rest der Woche geht für die Schule in Zürich und die Krabatproben drauf. Dabei stand die definitive Teilnahme an dem Theaterstück für eine Zeit auf wackligen Beinen: Bei einem Fussballmatch kurz vor Saisonende brach sich der ehrgeizige Spieler die Rippe und erlitt dadurch einen Lungenriss.

Doch auch nach fünf Tagen im Krankenhaus, war für Nicola Graf klar, dass er bei dem Stück dabei sein will. Das Fussballtraining musste er aus Genesungs- sowie Zeitgründen hintanstellen. «Es war der Zeitpunkt wo ich die Entscheidung treffen musste, dass die Schauspielerei für mich an absolut erster Stelle steht.»

Ehrgeiz, viele Interessen und keine halben Sachen – Um all dies vereinen zu können, muss man neben Risiken eben auch Kompromisse eingehen.

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