Ein Duo für die Kunst – Eine Doppelausstellung in Uzwil

Am Samstag stellen Linda Ludolini und Tanja Strausak gemeinsam in der Galerie am Gleis in Uzwil aus.

Tobias Söldi
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«Es passt, künstlerisch und menschlich»: Linda Luduolini (links) und Tanja Strausak.

«Es passt, künstlerisch und menschlich»: Linda Luduolini (links) und Tanja Strausak.

Bild: Tobias Söldi

Ihre Kunst könnte gegensätzlicher kaum sein – zumindest auf den ersten Blick. Hier die expressiven, ausdrucksvollen und grossformatigen Porträts von Tanja Strausak, da die filigranen Vasen, Schalen und Figuren aus Porzellan von Linda Ludolini. Dennoch harmonieren die Bilder und Objekte miteinander. Farben, Formen und Muster ergänzen sich, und gerade das Nebeneinander der Gegensätze übt einen besonderen Reiz aus. Davon kann man sich demnächst in der Galerie am Gleis in Uzwil überzeugen. Die Ausstellung, die am Samstag, 29.Februar, Vernissage feiert (siehe Hinweis), zeigt rund 20 Gemälde von Strausak und 45 Objekte von Ludolini.

Es ist nicht das erste Mal, dass die beiden Frauen gemeinsame Sachen machen. Kennen gelernt haben sie sich vor zweieinhalb Jahren über eine gemeinsame Freundin – es klickte, auf einer freundschaftlichen Ebene, aber auch künstlerisch. Die erste Doppelausstellung liess nicht lange auf sich warten, weitere folgten bald. In der Galerie am Gleis präsentieren sie sich zum mittlerweile fünften Mal gemeinsam. «Wir geben Gas», sagt Ludolini. Und Strausak ergänzt:

«Es wird sicher nicht die letzte Doppelausstellung sein.»

Bereits haben sie Pläne für Ausstellungen in Werdenberg und in Zürich.

Aus der Not zum Malen gekommen

So unterschiedlich ihre Kunst, so unterschiedlich ist auch der Entstehungsprozess ihrer Arbeiten. Strausak, 52-jährig, malt schnell und mit kräftigen Acryl-Farben, bezeichnet sich als ungeduldig. Die gebürtige Moskauerin, die seit 1995 in der Schweiz lebt, hat vor sieben Jahren als Autodidaktin mit dem Malen begonnen. Aus einem ganz pragmatischen Grund: Das Bild, das sie fürs Wohnzimmer wollte, sei schlicht zu teuer gewesen. Ihr Mann habe ihr kurzerhand Leinwand und Farben geschenkt, erinnert sie sich mit einem Lachen. Schon mit ihrem ersten Werk fand die Russischlehrerin und Dolmetscherin zu dem Thema, das ihre künstlerische Arbeit bis heute bestimmt: Gesichter, vor allem solche von Frauen. «Der Ausdruck in den Gesichtern fasziniert mich einfach», sagt sie.

Ludolinis Arbeiten hingegen brauchen Zeit. Die 60-Jährige fertigt ihre Porzellanobjekte in der Jahrhunderte alten japanischen Technik Nerikomi, über die sie vor zwei Jahren per Zufall gestolpert ist. Das Besondere dabei: Die Farben werden ins Porzellan eingeknetet. Bis eine Schale fertig ist, dauere es gut und gerne einen Monat, erklärt Ludolini. Und weil der Prozess so viele Schritte beinhaltet – Formen, Trocknen, Schleifen, Brennen, Lasieren –, ist auch jedes Stück ein Unikat. «Ich kann nicht zwei genau gleiche Schalen machen.»

Gross sei der Aufwand auch beim Transport, müssen die Kunstwerke doch alle sorgfältig eingepackt werden, damit sie nicht zerbrechen. «Im nächsten Leben werde ich stricken. Da ist das Verpacken und Transportieren einfacher», sagt sie mit einem Lachen.

«Ich mache mein Ding, du deines»

Trotz gemeinsamer Ausstellungen – ihre Werke entstehen unabhängig voneinander. Strausak malt in Eschlikon, Ludolini modelliert in Bronschhofen. Natürlich kriege man mit, woran die andere jeweils arbeite, aber Absprachen gebe es nicht, erklären die beiden. «Es wäre ja langweilig, wenn ich ähnliche Muster und Linien malen würde», sagt Strausak. Ludolini: «Ich mache mein Ding, du deines.» Erst im Ausstellungsraum finden die Arbeiten dann zusammen. Zuerst hängt Strausak jeweils ihre Bilder auf, danach platziert Ludolini ihre Objekte.

Trotzdem: Ganz ohne gegenseitigen Einfluss bleibt die künstlerische Partnerschaft nicht. Strausak erzählt, wie eine Farbkombination auf einer Vase Ludolinis in einem ihrer Porträts wieder aufgetaucht ist. Wie zum Beweis nimmt diese eine bunt gefleckte Schale aus dem Regal in ihrem Atelier und hält sie vor ein neues Gemälde von Strausak. «Schau mal, wie die Farben und das Bild harmonieren», sagt sie begeistert.

«Wir finden immer etwas, was zusammenpasst.»

Vernissage am 29.Februar, 16 Uhr, mit Laudatio und musikalischer Umrahmung. Weitere Infos: www.galerieamgleis.ch