Ein bitterböser Abend, der Spass machte

Blond, beredt und böse. Zumindest, wenn es denn sein muss. Und das «musste» es am Samstagabend beim brillanten Chällertheater-Gastspiel von Sarah Hakenberg des Öfteren sein. Sehr zur Freude des Publikums.

Christof Lampart
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Sarah Hakenberg setzte mit ihrem Auftritt einen glänzenden Schlusspunkt hinter die Chällertheater-Spielzeit 2013/14. (Bild: Christof Lampart)

Sarah Hakenberg setzte mit ihrem Auftritt einen glänzenden Schlusspunkt hinter die Chällertheater-Spielzeit 2013/14. (Bild: Christof Lampart)

WIL. Was sich jeder Kulturveranstalter wünscht – nämlich mit einem Höhepunkt in die Spielzeitpause zu gehen – gelang dem Chällertheater am Samstag. Denn die deutsche Kabarettistin Sarah Hakenberg vermochte mit einer Mischung aus Charme und Chuzpe, aus Intellektualität und Schnoddrigkeit und eben ganz viel schwarzen Nebengeräuschen das Publikum im Nu für sich einzunehmen.

Boshaft und heiter

Sarah Hakenberg ist in Deutschland wahrlich keine Unbekannte mehr und auch in der Schweiz hatte die Entertainerin, deren unverwechselbares Markenzeichen ein präzises Gespür für sprachliche Finessen, ein treffsicherer und nicht selten boshafter Witz sowie eine heitere Musikalität ist, schon viel umjubelte Auftritte – beispielsweise auch in der Satiresendung Giaccobbo/Müller. Und dennoch schafft es die Münchnerin, mit einer Frische und Unbekümmertheit aufzutreten, welche das Publikum (fast) glauben macht, dass dies nicht der hundertste, sondern der erste Auftritt mit ebendiesem Programm, dem «Fleischhauerball», ist. Wenn man Sarah Hakenberg so sieht, meinte man, sie könnte kein Wässerchen trüben. Nach dem Programm ist man sich nicht mehr so sicher, denn die Blondine hat es faustdick hinter den Ohren. Egal, ob sie es nun zu Chansonklängen in Erwägung zieht, den fremdgehenden, nun aber gefesselten und geknebelten Freund mit einer Säge zu zersägen oder dem Ex schlagerschnulzig beibringt, dass das Baby von «Moppelmaus» wohl gar nicht von ihm sein könnte – die Münchnerin erweist sich in jeder Sekunde ihres Programms als Meisterin ihres Fachs. Sie sagt was und wie sie es am liebsten tun würde und – lässt es meistens dabei. Vorerst.

Leise droht das Weib

Doch das gilt nicht für alle(s). Im Georg Kreislers «Tauben vergiften im Park» nachempfundenen «Hündchenlynchen in München» geht es den Kläffern aller Couleur ans Fell. Hakenberg spielt kunstvoll damit, dass sie in ihren Liedern immer mehr als nur zarte Andeutungen macht, sich, dem Opfer und dem Publikum aber immer noch eine andere Lösung des Problems offen lässt. Dass sie ihren Freund am Ende doch nicht zu zersägen erwägt, scheint klar. Doch der letzte Satz ist klar eine Drohung: «Und wenn ich es nicht tue, dann denke daran, dass ich es jederzeit nachholen kann!» Eine Drohung vom Feinsten.

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