Ein Areal voller Risikopersonen: Strukturen und Schutz für Menschen mit besonderen Bedürfnissen

Die Heimstätten Wil müssen in der Coronakrise ihr Klientel besonders schützen.

Vera Minder
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Die Gebäude der Heimstätten Wil werden konsequent von möglichen Coronaüberträgern abgeschottet.

Die Gebäude der Heimstätten Wil werden konsequent von möglichen Coronaüberträgern abgeschottet.

Bild: Hans Suter

An der Zürcherstrasse in Wil liegt das Areal der Heimstätten Wil. Keine Besucherinnen und Besucher sind zurzeit in den Häusern erlaubt. Zwischen Spaziergängern gehört zwei Meter Abstand. Die Institution wird konsequent von möglichen Coronaüberträgern abgeschottet. Denn die Bewohnerinnen und Bewohner der Heimstätten gehören zur Risikogruppe.

Menschen mit psychischer oder kognitiver Beeinträchtigung finden in den Heimstätten Wil Wohnmöglichkeiten und eine Tagesstruktur. 400 Klientinnen und Klienten sind auf dem Areal beschäftigt, davon leben rund 80 in den Wohnhäusern. Weitere 170 Fachpersonen betreuen die Klientel.

Einschränkungen sind wichtig für den Schutz

Paul Schmid, CEO Heimstätten Wil.

Paul Schmid, CEO Heimstätten Wil.

Bild: PD

Das Coronavirus hat das Leben in den Heimstätten stark verändert. Das Besuchsverbot habe es so noch nie gegeben, sagt CEO Paul Schmid. «Es ist, als wären wir eine geschlossene Institution wie vor 100 Jahren.» Doch auch wenn die Sicherheitsmassnahmen eine grosse Einschränkung bedeuten, würden sie sehr genau umgesetzt werden. «Es geht schliesslich um den Schutz der Klientinnen und Klienten.» Die meisten der Menschen mit einer Beeinträchtigung sind aufgrund des Alters oder Vorerkrankungen besonders gefährdet.

Auf die Betreuung kann trotz der Umstände nicht verzichtet werden. Mit den Klientinnen und Klienten, die nicht auf dem Areal wohnen, wird über Telefon Kontakt gehalten. Paul Schmid sagt:

«Das Miteinanderarbeiten ist sehr wichtig. In dieser Situation fällt es aber weg.»

Deshalb sei es umso wichtiger, dass die Beziehung zwischen Klienten und Begleitung nicht abgebrochen wird. Auf dem Areal tragen die Mitarbeitenden Schutzmasken, besonders für das Pflegepersonal im Wohnbereich ist das unerlässlich. Folge der Abschottung ist jedoch, dass keine Neuaufnahmen gemacht werden können. Zudem sind die Arbeitsstrukturen sehr beschränkt, viele der Mitarbeitenden müssen zu Hause bleiben. Nur die Gärtnerei laufe richtig gut, sie habe fast mehr Bestellungen, als sie bearbeiten könnten, sagt der CEO.

Auch das Klientel hält sich an den Massnahmen

Als Gesundheitsinstitution war in den Heimstätten eine spezielle Sensibilisierung vorhanden, als sich die Coronakrise anbahnte. «Am Anfang war es natürlich ein Chaos», sagt Schmid. Das Verständnis sei aber mittlerweile von allen Seiten da. Auch die Klientinnen und Klienten würden sich an die Massnahmen halten. Bei ihnen sei eine grosse Unsicherheit zu spüren. «Die Situation fordert sie sehr. Sie werden plötzlich mit existenziellen Ängsten konfrontiert und wissen oft nicht, wie sie damit umgehen sollen. Wir stecken in einer Krisensituation», stellt Schmid klar. Entsprechend würde auch das Personal reagieren.

Menschen, die zur Risikogruppe gehören, arbeiten von Zuhause aus, so auch grosse Teile des Bürobereichs. Auf Sitzungen würde verzichtet werden. Damit die Heimstätten Wil eine Verschlimmerung der Lage aushält, würden die Fachkräfte stark auf sich selber schauen. Um sicher gesund zu bleiben, sind Minusstunden erwünscht.

«Es ist essenziell, dass wir noch nicht am Anschlag angekommen sind, bevor der Höhepunkt der Krise überhaupt eingetreten ist.»

Um das Gesundheitssystem zu schützen, würden Kranke nicht einfach ins Spital gebracht. Doch wie würde ein Isolierfall in einer Wohngruppe von zwölf Personen dann genau ablaufen? Das müsse noch geplant und das Personal und die Klientel entsprechend geschult werden, sagt Schmid.

Tagesstruktur mittels Videokonferenz

Auch weitere organisatorische Mittel müssen erst noch entwickelt werden. Um mit dem Klientel zu Hause eine Videokonferenz halten zu können, kann sich die Betreuung aus Datenschutzgründen nicht auf das bestehende System verlassen. Eine Gruppe von IT-Bewanderten prüft gegenwärtig externe Zusammenarbeitsformen, damit auch für Menschen mit einer Beeinträchtigung, die zu Hause isoliert sind, eine Tagesstruktur möglich ist.