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«Ein abgekartetes Spiel»: In Flawil soll eine geschützte Blutbuche Mehrfamilienhäusern weichen

Geht es nach dem Gemeinderat, kann die unter Schutz stehende Blutbuche an der Wilerstrasse 82 gefällt werden. Mit dem Sondernutzungsplan hat er auch die nötige Änderung der Schutzverordnung genehmigt.
Andrea Häusler
Die Visiere sind gestellt. Hier sollen zwei Mehrfamilienhäuser mit Tiefgarage gebaut werden. Die rund 150-jährige geschützte Blutbuche steht im Aushubbereich und soll deshalb geschlagen werden. (Bild: Andrea Häusler)

Die Visiere sind gestellt. Hier sollen zwei Mehrfamilienhäuser mit Tiefgarage gebaut werden. Die rund 150-jährige geschützte Blutbuche steht im Aushubbereich und soll deshalb geschlagen werden. (Bild: Andrea Häusler)

Silja Marano ist enttäuscht. Die Präsidentin des Naturschutzvereins Flawil und Umgebung ist eine von drei Protagonisten, die sich – im öffentlichen Mitwirkungsverfahren zum Sondernutzungsplan Wilerstrasse 82 – gegen die Entlassung der rund 150-jährigen Blutbuche aus der kommunalen Schutzverordnung gewehrt hatte. Der Parkbaum soll weichen, weil das knapp 4200 Quadratmeter grosse Grundstück mit zwei Mehrfamilienhäusern und einer Tiefgarage überbaut werden soll und die Buche der Erschliessung des Areals im Weg steht.

Trotz der Ernüchterung überrascht sie der Entscheid des Gemeinderats nicht:

«Wir hatten faktisch nie eine Chance.»

Silja Marano spricht von einem «abgekarteten Spiel», in dem der Baum zum vornherein als Verlierer festgestanden habe. «Wir sind auch viel zu spät in die Diskussion einbezogen worden.»

Klare Voraussetzungen für Baulandkauf

Rückblende: Vor acht Jahren wurde die Parzelle auf Beschluss der Bürgerversammlung von der Katholischen Kirchgemeinde Flawil an die Livum GmbH, Gossau, verkauft. Der Kaufpreis: 2,04 Millionen Franken. Die Veräusserung erfolgte allerdings unter Vorbehalten. Einerseits setzte die Verbindlichkeit des Kaufvertrags die Rechtsgültigkeit der Umzonung des Areals von der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen in die Bauzone (WG3) voraus, anderseits die Beseitigung der Blutbuche beziehungsweise deren Entlassung aus der Schutzverordnung.

Während die Bau- und Umweltkommission der Gemeinde das Fällen der Blutbuche bei Vorliegen einer Bewilligung für die Bauten auf dem Grundstück Nr. 231 bereits im Frühjahr 2010 zugesichert hatte, zog sich die Klärung der Zonenfrage hin. Nach einem langwierigen, für die Rekurrenten schliesslich erfolglosen Rechtsmittelverfahren wurde die Liegenschaft im Frühjahr 2016 grundbuchamtlich verschrieben. Heute gehört das Areal der Häusle & Koller AG, Gossau.

Der inneren Verdichtung geopfert

Das Schicksal der Blutbuche wurde folglich bereits vor Jahren besiegelt. Und dies ganz legal. Der Gemeinderat ist gemäss Schutzverordnung legitimiert, Massnahmen zu bewilligen, welche eine Beseitigung von Schutzgegenständen zur Folge haben. Nicht aber, «wenn sich ein gewichtiges, das Interesse an der Erhaltung überwiegendes Bedürfnis nachweisen lässt».

Ein solches ist das Gebot zur inneren Verdichtung, verbunden mit der Tatsache, dass die Blutbuche laut René Bruderer, Geschäftsleiter Bau und Infrastruktur, «im Aushubbereich der geplanten Mehrfamilienhäuser steht und es keine alternativen Erschliessungsmöglichkeiten für das Grundstück gibt». In diesem Kontext sieht der Naturschutzverein das durchgeführte Mitwirkungsverfahren – zumindest was den Erhalt des Baums betrifft – eigentlich als Farce.

Drei Ersatzpflanzungen und ein Freiraumkonzept

Dass der Parkbaum mit seinem dunkelroten Blattkleid noch zu retten ist, glaubt inzwischen niemand mehr. Immerhin, sagt Silja Marano, habe sich der Gemeinderat aufgrund der Intervention des Vereins dazu durchgerungen, eine naturnahe Umgebungsgestaltung der Neubauanlage zu verlangen. Die Bauherrschaft habe hinsichtlich des Baubewilligungsverfahrens den Nachweis zu erbringen, dass das Freiraumkonzept naturnah und ökologisch wertvoll ist.

Ein weiterer Teilerfolg ist laut Marano auf Initiative der Grünen Flawil erzielt worden. Neu sind als Ersatz für die geschützte Blutbuche drei grosskronige Jungbäume zu pflanzen. Wobei Silja Marano einräumt: «Wenn diese durch regelmässigen Rückschnitt kleingehalten werden, wie dies im urbanen Raum zunehmend üblich ist, können auch drei Bäume den ökologischen Wert der wegfallenden Blutbuche nicht ersetzen.»

Die denkmalgeschützte Liegenschaft Wilerstrasse 82 mit der geschützten Linde (links) und der bedrohten Blutbuche (rechts). (Bild: Andrea Häusler)

Die denkmalgeschützte Liegenschaft Wilerstrasse 82 mit der geschützten Linde (links) und der bedrohten Blutbuche (rechts). (Bild: Andrea Häusler)

Keine Opposition seitens des Naturschutzvereins

Der Gemeinderat hat den Sondernutzungsplatz Wilerstrasse 82 mit den zusätzlichen Auflagen ergänzt und zusammen mit der Änderung der Schutzverordnung öffentlich aufgelegt. Die Frist dauert bis zum 28. Juni.

Der Baum ist zwar faktisch zum Fällen freigegeben, die Schutzordnung aber noch nicht geändert. Der Naturschutzverein wird in dieser Sache nichts mehr unternehmen. Die Situation sei schwierig, und auf Biegen und Brechen wolle man das Ganze nicht durchziehen, sagt Silja Marano: «Gegen die Änderung der Schutzverordnung werden wir keine Einsprache erheben.»

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