Eigene Klangwelt mit viel Energie

Der KulturPunkt Flawil hatte am Samstagabend mit der Jazzband Ikarus ein aussergewöhnliches Juwel in seinem Programm. Ihre speziell kreierte Klangwelt beschreiben sie als Contemporary Evocation Music.

Jonas Lüdi
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Ikarus bot den Zuhörern ein ausserordentliches Hörerlebnis, das einen wie eine Klangglocke zudeckte. (Bild: Jonas Lüdi)

Ikarus bot den Zuhörern ein ausserordentliches Hörerlebnis, das einen wie eine Klangglocke zudeckte. (Bild: Jonas Lüdi)

FLAWIL. Die Band trat mit langen, dunklen Designerkleidern auf die Bühne im KulturPunkt. Als sie zu spielen begann, wurde man gleich ganz in die Welt der Energie und des Klangs gezogen. Die Sängerin Stefanie Suhner und der Sänger Andreas Lareida fügten ihre Stimmen als ein weiteres Instrument in die Musik ein. Einmal legten sie nur eine sanfte Melodie in einem Kanon über das Klangbild, und im nächsten Moment wechselten sie schlagartig auf einen Scat, bei dem rhythmisch Silben aneinandergereiht werden. Schlagzeuger Ramon Oliveras hat die komplex arrangierten Stücke für die Band durchkomponiert und setzte live die Klangfarben wunderschön um. Das rhythmische Fundament bildete er gemeinsam mit dem Bassisten Mo Meyer. Der Kontrabass erfüllte den KulturPunkt mit seinem satten, tiefen Klang und trug wahlweise gezupft oder gestrichen zum Gesamtbild bei. Das letzte Puzzlestück im Bild von Ikarus stellt der Pianist Lucca Fries dar, der dem Rhodes mit einem Effektgerät die letzten Feinheiten entlockte.

Klangglocke überstülpen

Ikarus stand wirklich als Einheit vor dem Publikum. Die Band zog mit ihrer Musik an einem Strang, was man auch an der Energie erkannte, welche sie ausstrahlte. «Wir wollen euch eine Art Klangglocke überstülpen. Unsere Klangwelt ist etwas ganz eigenes, und ihr dürft euch darauf einlassen. Ihr könnt dazu tanzen oder einfach die Augen schliessen und den Sound geniessen», erklärte Andreas Lareida. Ikarus eröffnete den Abend mit dem Stück «Sanctuary» von ihrem neuen Album «Echo», das bereits verschiedene Facetten aufwies. Die meisten Stücke folgten keinen herkömmlichen Taktarten, und trotzdem brachte die Band die Akzente stets gemeinsam perfekt auf einen Punkt.

Riesiges Spektrum

Mit dem Stück «Loss of Fire» spielte Ikarus auch ein Stück, das sich noch nicht einmal auf der neuen Platte befindet. Trotzdem passten Klang und Energie exakt ins Set, das die Band am Samstagabend spielte. Alle Stücke enthielten auch experimentelle Seiten. Ramon Olivera integrierte am Schlagzeug verschiedene Sounds, indem er Gongs und Becken auf den Trommeln oder Cymbals mit einem Bogen anspielte. Die beiden Sänger zeigten das ganze Spektrum ihrer Stimmen, das von leisen Melodiegeflechten über Obertöne bis hin zu einer Art Beatboxing reichte. Als die Band dann ihr letztes Stück ankündigte, wollte man als Zuhörer nur ungern wieder aus ihrer Welt des Klangs heraustreten.

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