Ehrgeiz ja – aber nicht nur

KUNSTTURNEN. Sandro Brändle gewann an der Schweizer Meisterschaft die Goldmedaille. Trotz seines unbestrittenen Könnens setzt der Kunstturner nicht nur auf den Sport. Für ihn gibt es noch andere wichtige Dinge im Leben, so unter anderem auch der bevorstehende Einstieg in die Berufslehre.

Urs Nobel
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Die Goldmedaille von Sandro Brändle ist seine erst zweite Medaille überhaupt. Der junge Turner geniesst mit seinen Eltern den Erfolg. (Bild: uno)

Die Goldmedaille von Sandro Brändle ist seine erst zweite Medaille überhaupt. Der junge Turner geniesst mit seinen Eltern den Erfolg. (Bild: uno)

Sandro Brändle aus Niederuzwil geniesst den Nachmittag. Es ist schulfrei. Der Schüler von der 3. Oberstufe in Uzwil spielt ein bisschen Klavier, freut sich aber am meisten über das schöne Wetter und, dass seine Eltern ebenfalls zu Hause sind. So sitzen sie denn gemeinsam auf dem grosszügigen Balkon und diskutieren über dieses und jenes. Andere Kunstturner in Brändles Alter und mit seinem Können trainieren zur selben Zeit im RLZ in Wil. Sie möchten möglichst schnell möglichst grosse Fortschritte erzielen.

Nicht etwa herumhängen

Sandro Brändle ist keineswegs trainingsfaul. Und er ist auch ehrgeizig. Trotzdem hat er sich aus freien Stücken entschieden, keine Karriere im Kunstturnen anzustreben. «Ich trainiere aber immer noch dreimal rund drei Stunden in der Woche.» Der junge Mann will aber mehr. Er möchte auch mit seinen Kollegen zusammen sein und mit diesen von Zeit zu Zeit etwas unternehmen. Nicht etwa herumhängen. «Meist sind wir bei einem von uns zu Hause, hören Musik oder <gamen>. Und jetzt bei diesem Wetter sind wir natürlich so oft wie möglich in der Badi anzutreffen.» Seine Mutter bestätigt die sinnvolle Freizeitgestaltung und akzeptiert den Entscheid ihres Sohnes: «Sandro darf auf jeden Fall zu Hause immer noch sagen, wo er gewesen ist und was er gemacht hat.»

Fussball sagt ihm nicht viel

Sandro Brändle hat mit sechs Jahren mit Kunstturnen begonnen. Zehn Jahre später gewinnt er seine erste Goldmedaille an nationalen Titelkämpfen. «Mit dem Team habe ich in der Kategorie P3 meine bisher einzige Medaille gewonnen, eine bronzene.» Seine Lieblingsgeräte bezeichnet er mit Sprung und Boden. Nebst Kunstturnen findet er auch noch Freude am Tennisspielen, Basket- oder Volleyball. Fussball sagt ihm hingegen nicht viel.

Firma Bühler ist grosszügig

Nach den Sommerferien wird er bei der Firma Bühler AG in Uzwil eine Lehre als Polymechaniker mit BMS-Abschluss beginnen. So wie sein 21jähriger Bruder Simon. Er hofft, dass er trotz der Lehre den Trainings-Rhythmus von drei Trainings pro Woche fortführen darf. «Die Firma Bühler ist in der Regel in diesen Belangen grosszügig», weiss der angehende Lehrling. Wichtig wird für Sandro Brändle sein, dass er sich gut organisiert, dass er Beruf, Schule und Aufgaben mit dem Kunstturnen in Einklang bringt. «Diesbezüglich hat er in der Zeit beim TZ Fürstenland viel gelernt», sagt sein Vater.

Vorbildfunktion übernehmen

Das TZ Fürstenland achtet darauf, dass Sandro Brändle weiterhin professionell trainieren kann. Dank Trainer Daniel Eisenring tritt der junge Kunstturner den Amateuren, den Breitensportlern bei und wird vom TZ Fürstenland weiter gefördert. Danebst wird er aber eine Vorbildfunktion im Verein übernehmen und wahrscheinlich auch Hilfeleistungen im Training für jene jungen Kunstturner anbieten, die ihre Karriere so starten, wie er einmal vor fast zehn Jahren.

Gelernt, sich durchzubeissen

Obwohl Sandro Brändle nicht mit Kunstturnen aufhören wird, kann er einen Rückblick machen. Er hat in der Zeit, als die Turnhalle und die Wettkampfplätze sein Leben waren, gelernt, sich durchzubeissen, nie aufzugeben und sich zielgerichtet für etwas einzusetzen. Kunstturnen hat ihm etwas fürs Leben gegeben. Um seiner Leidenschaft zu frönen, benötigte er viel Disziplin und Respekt. «Ich möchte die Zeit nicht missen. Ich bin überzeugt, dass sich der Aufwand, den ich betrieben habe, gelohnt hat und sich irgendwann einmal auszahlen wird.»