«Wir könnten bereits zum Jahresende schuldenfrei sein» – der EHC Uzwil ist wieder eine ehrenwerte Adresse

Der EHC Uzwil hat seine Schulden in weniger als einem Jahr von über 300 000 auf unter 100 000 Franken reduziert. Präsident Philipp Herzog blickt auf die schwierige Zeit zurück und erklärt, was die Ziele für die Zukunft sind.

Tim Frei
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Die Uzwiler können auch in der 3.Liga auf den Rückhalt der Zuschauer zählen.

Die Uzwiler können auch in der 3.Liga auf den Rückhalt der Zuschauer zählen.

Bild: Tim Frei
  • Ein Erfolgsfaktor des Schuldenabbaus ist laut dem Präsidenten Philipp Herzog, dass das Vertrauen schnell zurückgewonnen werden konnte. 
  • Weitere zentrale Punkte: Der Rückzug der 1.-Liga-Mannschaft, Ausbildungsentschädigungen, Sponsoringeinnahmen und die aussergerichtliche Einigung mit dem früheren Präsidenten.
  • Erstes Ziel nach dem kompletten Schuldenabbau ist die Nachwuchsförderung.
  • Ein Aufstieg in die 2. Liga ist mittelfristig auch ein Thema. Aber nur wenn der EHC Uzwil ihn finanziell verkraften kann.
  • Der nächste wichtige Tag für den Verein ist der 17. Mai. Dann stimmt Uzwil über die Sanierung der Gebäudehülle der Uzehalle ab.

Unterschiedlicher könnte die Ausgangslage nicht sein: Noch im April 2019 war der EHC Uzwil mit über 300 000 Franken verschuldet und musste deswegen auch seine erste Mannschaft vom 1.-Liga-Betrieb zurückziehen. Fast ein Jahr später, Ende Februar, haben sich die Schulden um über zwei Drittel auf unter 100 000 Franken reduziert. Dass sich die Lage so schnell zum Guten verändert hat, ist erstaunlich. Auch Präsident Philipp Herzog ist überrascht:

«Wir rechneten mit vier Jahren, um schuldenfrei zu werden. Nun könnten wir dies bereits zum Jahresende oder spätestens zum Abschluss der nächsten Saison im April erreichen.»

Einen entscheidenden Erfolgsfaktor sieht Herzog darin, dass der Verein das Vertrauen bei Gönnern, Sponsoren, Mitgliedern, Spielern, dem Gewerbe und der Bevölkerung schnell zurückgewinnen konnte. «Und dies, obwohl wir uns aus der 1. Liga zurückziehen mussten. Das gab uns viel Kraft und Zuversicht.»

Nachwuchseinnahmen nicht für Schuldenabbau verwendet

Mit einem konsequenten Sparkurs schufen die Uzwiler die Basis zum Schuldenabbau. Eine wesentliche Rolle spielte dabei die Auflösung der 1.-Liga-Mannschaft. Wichtig waren auch die Einnahmen aus den Ausbildungsentschädigungen. Vereine werden für ihre Eigengewächse, die bei anderen Clubs spielen, pro Saison entschädigt.

Zudem trug das Sponsoring zum positiven Ergebnis bei. Herzog betont aber, dass Einnahmen für den Nachwuchs, wie etwa der Rundenlauf im November, vollumfänglich für den Juniorenbereich verwendet wurden. Die aussergerichtliche Einigung mit dem früheren Präsidenten Ugur Uzdemir ergab 100 000 Franken zu Gunsten des EHC Uzwil.

Vorsaison war «ein grosses Chaos»

Der jetzige Vorstand ist seit Sommer 2018 im Amt. Er blickt auf eine schwierige Zeit zurück. «Die Saison 2018/2019 war ein grosses Chaos», sagt Herzog. Es sei schwer gewesen, einen Überblick über die Finanzen zu erhalten, da täglich neue Rechnungen aufgetaucht seien.

Hinzu kam, dass man den Spielern der ersten Mannschaft irgendwann keine Spesenentschädigungen mehr zahlen konnte und ihnen mitteilen musste, wie die finanzielle Lage ist. «Das waren schwierige Momente», sagt Herzog und gesteht: «Ich habe täglich ans Aufgeben gedacht. So war es wohl auch bei meinen Vorstandskollegen.»

Versammlung 2019 als Wendepunkt

Als Wendepunkt sieht Herzog die Hauptversammlung im Sommer 2019: «Wir konnten den Mitgliedern und Gläubigern offen und ehrlich mitteilen, wie hoch die Verschuldung ist und wie wir aus dieser Situation hinausfinden wollen. Das hat uns viel Druck genommen.»

Zwei Wochen später habe eine Aufbruchstimmung geherrscht, da es immer mehr positive News und kaum noch negative gegeben habe. Dass bis Ende 2019 ein grosser Teil der Schulden abgebaut wurde, habe einen weiteren positiven Schub gegeben. Herzog sagt:

«Wir konnten so gegenüber Gläubigern und Mitgliedern zeigen, dass unsere Voten an der Versammlung keine leeren Versprechungen waren.»

Er ist überzeugt, dass dies entscheidend war für das zurückgewonnene Vertrauen. Der Rückhalt zeigte sich auch in der Uzehalle – durchschnittlich kamen fast 170 Zuschauer pro Heimspiel.

«Niemand von uns will sich profilieren»

Was hat Herzog und seine Kollegen trotz täglicher Zweifel angetrieben, nicht aufzugeben? Bei dieser Frage muss Herzog, dessen Sohn in der U11 spielt, nicht lange überlegen: «Unser Nachwuchs. Unsere Kinder tragen den Habicht mit so viel Stolz auf der Brust. Wir wollten nicht akzeptieren, dass dies plötzlich vorbei sein sollte.»

Von Vorteil sei, dass alle im Vorstand mit dem Verein irgendwie verbunden seien. «Niemand von uns will sich profilieren, jeder macht es für den Club, seine Kinder und die Region. Mit dieser neuen Kultur können sich offenbar viele Mitglieder identifizieren.»

Zuerst der Nachwuchs, dann der Aufstieg?

Sobald der Verein schuldenfrei ist, will er sich noch mehr auf den Nachwuchs fokussieren. «Er ist unser Fundament. In der Vergangenheit wurde er vernachlässigt, das wollen wir ändern», sagt Herzog. Erste positive Schritte sind mit der Zusammenarbeit mit Wil und Herisau bereits getan.

Ein weiteres Thema ist der Aufstieg in die 2. Liga, zumal Uzwil diese Saison Qualifikationssieger in der 3. Liga wurde. Dazu Herzog: «Oberste Priorität geniesst die Nachwuchsförderung, doch mittelfristig ist der Aufstieg auch ein Ziel. Wir gehen diesen Schritt aber nur, wenn wir ihn finanziell verkraften.»

Ein wichtiger Termin steht für den Verein am 17. Mai an. Dann wird die Gemeinde Uzwil über die Sanierung der Gebäudehülle der Uzehalle abstimmen. «Wir würden uns über ein positives Ergebnis sehr freuen», sagt Herzog.