Eclat im Leistungszentrum Ost

Den erfolgreichen Trainerinnen Marianne Steinemann und Christine Frauenknecht ist durch den Vorstand des Regionalen Leistungszentrums Ostschweiz (RLZO) in Wil auf Ende Juli 2014 gekündigt worden.

Urs Huwyler
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Viele Medaillen an Meisterschaften sprechen für das Können der Turnerinnen, aber auch für die Ausbildung durch die Trainerinnen oder Trainer. (Bild: pd)

Viele Medaillen an Meisterschaften sprechen für das Können der Turnerinnen, aber auch für die Ausbildung durch die Trainerinnen oder Trainer. (Bild: pd)

KUNSTTURNEN. In einem von Willi Aurich (Präsident) und Markus Meli (Finanzchef) unterzeichneten Schreiben sind die Eltern der RLZO-Turnerinnen informiert worden, dass der Vorstand in der Besetzung Aurich, Meli, Bruno Strub, Alex Brochier, Roland Munz, Rolf Fankhauser, Walter Epprecht, Peter Weibel und Isabel Steiner an der Sitzung am 31. März entschieden habe, den Vertrag mit Marianne Steinemann und Christine Frauenknecht auf Ende Juli 2014 aufzulösen. «Wir danken den Trainerinnen für ihr RLZO-Engagement. Wir anerkennen die Fähigkeiten und Stärken der beiden Trainerinnen in aller Form», sind die üblichen Floskeln zu lesen. In den nächsten Tagen wird entschieden, wer künftig Cheftrainer im RLZO wird. Zwei Kandidaten stehen zur Auswahl, beide wollen mit ihrem eigenen Team arbeiten. Also nicht mehr mit Marianne Steinemann und Christine Frauenknecht.

Glücksfälle?

Im Schreiben an die Eltern und involvierten Gremien heisst es: «Als RLZO wollen wir sportlichen Erfolg. Diese Ambitionen wollen wir mit einem schlagkräftigen und vorbildlichen RLZO-Trainerteam, motivierten Athleten und Athletinnen sowie einem unterstützenden Umfeld umsetzen», ist zu lesen. Der Umkehrschluss lässt vermuten, dem sei aus Sicht der Sportpolitiker bisher nicht so gewesen.

Zumal im zweiten Absatz steht: «Der RLZO-Vorstand hat im Dezember 2013 über seine Absicht informiert, den Bereich RLZO-Frauen mit einem starken Trainerteam weiterzuentwickeln.» Christine Frauenknecht ist Chefkampfrichterin und Marianne Steinemann zur Nachwuchstrainerin des Jahres erkoren worden. Beiden wird überregional attestiert, sie seien Glücksfälle für das Frauenkunstturnen.

Rücktritt von Brochier

Der Vorstand hebt damit die Baustelle nicht auf, sondern führt sie weiter und eröffnet zugleich die nächste, denn quer durch die Szene wird der Entscheid nicht einfach kopfnickend zur Kenntnis genommen. Eltern von Turnerinnen, die wohl nicht bereit sind, weiter unter dem jetzigen Cheftrainer Athanasios (Sakis) Banousis zu trainieren, haben sich gestern Abend beratend über das weitere Vorgehen besprochen. Eine Rückkehr vom RLZO ins TZ Fürstenland könnte zur Option werden.

Beim Schweizerischen Turnverband STV fragten sich die zuständigen Gremien ebenfalls, was in der Ostschweiz ablaufe, und sie wollten unter anderem wissen, weshalb Alex Brochier (Präsident TZ Fürstenland) an der Vorstandssitzung mit sofortiger Wirkung zurückgetreten sei. Dass er die Demontage von Marianne Steinemann und Christine Frauenknecht nicht mitträgt, lässt sich erahnen. Über die Gründe möchte er wie die direkt betroffenen Trainerinnen nicht, noch nicht sprechen.

Der bisherige Geschäftsführer Jürg Litscher, RLZO und Chef Spitzensport im St. Galler Turnverband, löst sein Arbeitsverhältnis auf Ende Juli auf, weil seine Arbeitsbelastung ein Ausmass angenommen habe, das mit seinen weiteren beruflichen Verpflichtungen nicht mehr vereinbar sei. Litscher stand aber auch vermehrt von Amtes wegen zwischen den Fronten (Vorstand, Trainerinnen, Cheftrainer, Turnerinnen).

Art und Weise des Umgangs

Auch Lehrerinnen und Lehrer an der Sportschule Lindenhof werden die Problematik und neue Entwicklung nochmals aufgreifen müssen, nachdem sie von den Schülerinnen und deren Eltern wie Präsident Willi Aurich (und andere Vorstandsmitglieder) schon früher über Vorkommnisse informiert wurden. Nicht die verlangte sportliche Härte an sich, sondern die Art und Weise, wie mit den Teenagern umgegangen wird, soll schriftlich und in Gesprächen schon vor Wochen auf allen Stufen ohne irgendwelche Veränderungen deponiert worden sein. Dem «i» dürfte bisher das Pünktchen gefehlt haben. Mit den Kündigungen scheint es nun gesetzt. Ein Teil der nicht jammernden, sondern sich unverstanden fühlenden mutigen Turnerinnen hat gestern auf das Training verzichtet.