EC Wil leitet Umbruch ein: «Wir wollen jungen Spielern eine Plattform bieten»

Das Kader der ersten Wiler Mannschaft für die neue Saison steht. Unter dem neuen Trainerduo Kevin Schüepp/Ivo Frischknecht wagt der EC Wil den Neustart. Zwölf Spieler wurden verpflichtet, elf haben den Verein verlassen. 

Tim Frei
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Der neue Headcoach Kevin Schüepp will beim EC Wil mit jungen Spielern Erfolg haben.

Der neue Headcoach Kevin Schüepp will beim EC Wil mit jungen Spielern Erfolg haben.

Bild: Ralph Ribi (St. Gallen, 5. Oktober 2016)

Lange war es ruhig um den EC Wil. Im Gegensatz zu anderen 1.-Liga-Clubs, die ihre Transfers vermeldeten. Am Mittwochabend hat auch Wil sein Team für die neue Saison präsentiert. Doch der Verein hat weit mehr bekannt gegeben als das Kader. Er hat über seine neue Philosophie informiert – konsequent auf junge Spieler zu setzen.

Bereits in der vergangenen Saison stellten die Wiler das jüngste Team der 1. Liga. Nun aber wurde das Durchschnittsalter nochmals um ein Jahr auf 21 Jahre gesenkt. 16 aller 24 Spieler sind jünger als 22. Das neue Trainerduo Kevin Schüepp/Ivo Frischknecht bringt die neue Vision des EC Wil auf einen einfachen Nenner:

«Wir wollen mit gesunden finanziellen Mitteln und einer jungen Mannschaft gutes Eishockey spielen.»
Assistenztrainer Ivo Frischknecht (links), Präsident Roger Dietschweiler und Headcoach Kevin Schüepp.

Assistenztrainer Ivo Frischknecht (links), Präsident Roger Dietschweiler und Headcoach Kevin Schüepp. 

Tim Frei

Sparmassnahmen wirken sich auf Kaderplanung aus

Das Bekenntnis zu jungen Spielern gründet nicht nur, aber zu einem erheblichen Teil auf finanziellen Motiven. Schon länger ist bekannt, dass der Verein sparen muss. Der Vertrag des früheren Trainer Andreas Ritsch sowie jene einiger Spieler wurde deswegen nicht verlängert.

Bei den Spielern habe es aber auch andere Gründe gegeben, sagt Präsident Roger Dietschweiler: Einige hätten sich mit dem Konzept nicht identifizieren können, andere hätten nicht in dieses gepasst, wollten nicht mehr 1. Liga oder in der Nähe ihres Wohnortes spielen.

Das Team soll über allem stehen

Der Verein musste laut Mitteilung Budgetkürzungen im sechsstelligen Bereich  machen, grösstenteils auch bei der ersten Mannschaft – ein erheblicher Betrag. «Aus dieser Not ist diese Vision entstanden, jungen Spielern eine Plattform zu bieten», sagt Schüepp.  Dietschweiler betont, dass man sich bereits vor dem Ausbruch der Coronaepidemie dazu entschieden habe.

Ein weiterer Aspekt der neuen Vision ist: Ab sofort soll das Team über allem stehen und der Name nicht mehr zählen. Man habe sich konsequent für jene Spieler entschieden, die sich damit identifizieren können, sagt Frischknecht: «Nur so haben wir in dieser Liga eine Chance. Von den Spielern erwarten wir zudem Kampf, Einsatzwillen und dass sie das Trikot des EC Wil mit Stolz tragen.»

Führungsspieler helfen den Jungen

Die Wiler Verantwortlichen sind sich bewusst, dass es auch erfahrene Spieler braucht, die die jüngeren Spielern stützen. Diese Führungsspieler sind etwa Matteo Schärer, Captain Lars-Kevin Spillmann, Rico Hungerbühler, Simon Steiner und das Goalieduo Daniel Schenkel/Oliver Etter. «Sie sollen den Jungen helfen, sich zu entwickeln und Schritt um Schritt in der 1. Liga Fuss zu fassen».

Zudem wurden auch ehemalige Spieler aus dem Nachwuchsverbund Wil-Herisau verpflichtet wie etwa Alec Jäppinen oder Lucas Hohlbaum. «Wir erhoffen uns dadurch auch mehr Identifikation bei unseren Anhängern und damit letztlich wieder mehr Zuschauer», sagt Dietschweiler.

Die Entwicklung der Mannschaft ist das oberste Ziel

Ziel des EC Wil ist es, aus diesem Mix aus jungen Spielern, erfahrenen und solchen aus der Region einen Kern zu schaffen. «Das ist ein längerer Prozess, der sicher drei Jahre dauert», sagt Assistenztrainer Frischknecht und ergänzt:

«Uns muss es gelingen, einen stabilen Lebensbaum zu bauen, bei dem oben immer mal wieder Spieler gehen und unten neue dazu kommen, die es dann wieder zu entwickeln gilt.»

Wil hat nicht nur zwölf Spieler verpflichtet, sondern auch elf abgegeben. Ein grosser Umbruch, ein Neustart steht also bevor. Unter den Abgängen sind viele starke Skorer, einen Qualitätsverlust kann man nicht wegdiskutieren. Doch die Wiler sehen dies als Chance. «Wir werden eine klare Struktur im Team schaffen und den Spielern unterschiedliche Rollen zuteilen. Oberstes Ziel ist es, die Mannschaft zu entwickeln. Sollten wir es zudem auch noch ins Playoff schaffen, wäre das schön, aber kein Muss», sagt Schüepp.