Dummheit ist doch strafbar

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Münchwilen «Dummheiten können reizend sein, Dummheit nicht.» Mit dem Zitat des italienischen Schriftstellers Alberto Moravia eröffnete der Staatsanwalt sein Plädoyer. Tatsächlich war es nicht ein Schwerverbrecher, der vor dem Bezirksgericht Münchwilen stand. Und genau genommen stand der 47-jährige Schweizer auch gar nicht in Münchwilen. Der Prozess fand in Abwesenheit des Angeklagten statt. 2013 war ihm der Führerausweis entzogen worden – für immer. Gross zu kümmern schien ihn das allerdings nie. Wiederholt war er seither mit dem Auto einer Bekannten unterwegs.

Vorwurf: Autos geklaut, weil er zu faul zum Laufen war

Einmal nutzte er gar den Umstand, dass das geliehene Fahrzeug, ein Volvo Kombi, für ein ziviles Polizeifahrzeug gehalten werden kann: Auf einer Autobahn im Zürcher Oberland lotste er einen deutschen Lastwagenchauffeur mittels Warnblinker und Handzeichen auf einen Parkplatz. Obwohl mit Badelatschen und Jogginghose bekleidet, gelang es dem Beschuldigten, dem Chauffeur wegen «schlecht gesicherter Ladung» eine «Busse» von 20 Euro abzuknöpfen.

Ungleich grösser war der finanzielle Schaden bei den wei- teren Delikten, weshalb der Staatsanwalt in der Summe eine unbedingte Freiheitsstrafe von 26 Monaten forderte, nicht zuletzt mit Blick auf zwei einschlägige Vorstrafen. 2015 klaute der Angeklagte drei Autos. «Weil er zu faul war, die öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen oder zu Fuss zu gehen», sagte der Staatsanwalt. Die erste Beute war ein Kundenauto einer Wängemer Garage. Der Schlüssel habe ­ gesteckt, so der Beschuldigte. Staatsanwalt und Garagist widersprachen. Den VW fuhr der Angeklagte zu Schrott. Drei Monate später musste erneut ein fahrbarer Untersatz her. Nachdem er in Wängi fünf Bier getrunken hatte, machte sich der Mann zu Fuss auf den Heimweg. Auf einem Hof traf er auf einen Honda, dessen Zündschlüssel steckte.

Trotz Verfahren wieder ein Auto geklaut

Sechs Wochen kurvte er damit durch die Gegend, bis er schliesslich in eine Polizeikontrolle geriet. Das dadurch ausgelöste Verfahren kümmerte ihn kaum, entwendete er doch nach weiteren drei Monaten bereits das nächste Auto. Mit diesem Jeep fuhr er ins Zürcher Oberland, wo er in einer Beiz einen Freund traf – und der Kellnerin das Serviceportemonnaie klaute. Auch letzteres bestritt er, weshalb sein Verteidiger zwölf Monate Haft beantragte. Das Bezirksgericht Münchwilen wird sein Urteil schriftlich bekanntgeben. (kuo)