«Drum prüfe, wer sich ewig bindet»: Österreichische Kabarettisten bringen Flawil während Eheseminar zum Lachen

Die beiden österreichischen Kabarettisten Stefan Vögel und Maria Neubauer alias Günther und Irene Batlogg haben am Sonntag in der Spurbar zum Eheseminar eingeladen – mit Folgen für die Lachmuskeln.

Christine Gregorin
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Stefan Vögel und Maria Neubauer alias Günther und Irene Batlogg laufen während zweier Stunden immer mehr zur Bestform auf. (Bild: Christine Gregorin)

Stefan Vögel und Maria Neubauer alias Günther und Irene Batlogg laufen während zweier Stunden immer mehr zur Bestform auf. (Bild: Christine Gregorin)

Dramatisch zog das bestens bekannte Orgelintro mit viel sakralem Hall die Aufmerksamkeit der Zuschaurinnen und Zuschauer auf die leere Bühne. Eine Stimme aus dem Off erklärte Sinn und Zweck der anspruchsvollen Weiterbildung an diesem Sonntagabend in der Spurbar in Flawil.

Die beiden Kursleiter, Irene und Günter Batlogg, gespielt vom österreichischen Kabarettisten-Geschwisterpaar Stefan Vögel und Maria Neu­schmid, sollen gemäss Vorgaben der katholischen Kirche Vorarlberg angehenden Brautleuten die Realität einer Ehe nahebringen. Sozusagen ein praxisorientiertes Bild der Ehe vermitteln, ehe der folgenreiche Bund fürs Leben vor Gott und der Welt geschlossen wird. Das Ehepaar Batlogg hat unter einer Bedingung zugesagt: Sie müssen kein Blatt vor den Mund nehmen und dürfen reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist.

Szenen einer normalen Ehe

Aus dem Leben gegriffene Sprüche wie «Die Ehe ist kein Zuckerschlecken», «Negativ und realistisch liegen meist nahe beisammen», «Immer Himmel kann auch die Hölle sein» oder «Wenn mein Mann krank ist» zeigten in der Folge die gesamte Bandbreite des Ehelebens auf und liessen so sarkastisch wie humorvoll, aber dennoch tragisch erkennen, wie es laufen kann.

Festgefahrene Rollenbilder, Sparen bis zum Geht-nicht-mehr, Kommunikation als eheliche Dauerklippe, Auswahl und Betreuung der Haustiere, Aufteilung der Kompetenzbereiche, Logik gegen Logik oder männlich gegen weiblich – das seien lediglich einige von vielen Herausforderungen einer Ehe. Zu den grossen Zerreissproben gehörten insbesondere die Kinder. «Du hast mich ja gewollt», lautet deren stärkstes Argument im Zweifelsfall, selbstverständlich stets zu deren Bestem und Gunsten angewendet.

An der Summe der Kleinigkeiten scheitern

In diesem Zusammenhang gelte es, den erstaunlichen Verdrängungsmechanismus des weiblichen Gehirns zu erwähnen. Unmittelbar nach den schier unerträglichen Geburtsschmerzen scheine mit dem ersten Anblick des Babys alles vergessen, und die Planungsphase für weitere beginnt. Beim ersten Kind sei man noch Eltern, beim zweiten werde man zum Schiedsrichter und ab dem dritten Zirkusdirektor, wusste Günther Batlogg aus eigener Erfahrung.

«Frauen meinen, sie haben die Deutungshoheit über alle Gefühle», betonte er und leitete damit die nächste Runde von «Chifle» in Reinkultur ein. Einer seiner Freunde – selbst gefangen in einer unglücklichen Ehe, die erste Frau sei davongelaufen und die zweite leider geblieben – sei Automechaniker und habe es in Bezug auf die Sexualität einst treffend auf den Punkt gebracht. Männer sind Benziner und Frauen Dieselmotoren, die mit Hilfe von Romantik und Zärtlichkeit vorgeglüht werden müssen.

Irene Batlogg sorgt ihrerseits mit einem inbrünstig in Trappatoni-Manier vorgetragenen Votum, wie richtige Männer sein sollten, für anerkennende Begeisterung des weiblichen Publikumsanteils. Abschliessend konstatieren die beiden Protagonisten: «Eine Ehe scheitert nie an den grossen Themen, vielmehr an der Summe der Kleinigkeiten.» Nichtsdestotrotz löste sich das Ganze am Ende in Wohlgefallen und einem veritablen Happy End auf.

Positives Feedback aus dem Publikum

«Wir wollten die beiden unbedingt haben», sagte Pastoralassistent Hans Brändle stellvertretend für die Organisatoren, welche die beiden Kabarettisten nach Flawil geholt haben. Bei der Terminplanung habe sich der Muttertag als einzige Option herauskristallisiert. Das Wagnis sei indes belohnt worden. Ein fast ausverkaufter Saal und ausschliesslich schmunzelnde Gesichter liessen das Engagement des Geschwisterpaars letztlich erneut zum Erfolg werden.