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Drei Gemeindepräsidenten und dreissig leere Sessel

Letzte Informationsveranstaltung des Zweckverbands Sonnmatt Uzwil über den Ausbau des Seniorenzentrums
Andrea Häusler

Es geht um 46,55 Millionen Franken. Soviel wollen die zweckverbandlich zusammengeschlossenen Gemeinden Uzwil, Oberuzwil und Oberbüren in den Ausbau der Alterspflege am Standort Sonnmatt in Niederuzwil investieren. 35 Millionen kostet der Anbau mit 78 Pflegeplätzen und Spitex-Stützpunkt, mit 2,9 Millionen Franken sind Anpassungsarbeiten veranschlagt und 8,64 Millionen will der Zweckverband Sonnmatt für den Kauf von 21600 Quadratmetern Land aus dem Besitz der Gemeinde Uzwil aufwenden.

Die Summe ist stattlich, auch wenn der beabsichtigte Landkauf ausgenommen wird. Dafür hätte Uzwil zwei neue Gemeindehäuser und Oberbüren sechs Mehrzweckgebäude nach Niederwiler Muster bauen können. In Oberuzwil schliesslich wäre eine sechsmalige Sanierung des Hallenbads möglich gewesen. Projekte, die breite öffentliche Diskussionen ausgelöst hatten. Die 46,55 Millionen Franken teure Heimerweiterung, über welche die Stimmberechtigten von Uzwil, Oberuzwil und Oberbüren befinden, tut dies nicht. «Es ist tatsächlich erstaunlich ruhig», bestätigt Oberbürens Gemeindepräsident Alexander Bommeli. Werten will er die Feststellung nicht: «Das kann ein gutes oder schlechtes Omen sein.» Er steht hinter dem Bauvorhaben, dies verhehlt er nicht. Das tun auch seine Amtskollegen aus Uzwil und Oberuzwil. Um die Notwendigkeit des Neubauprojekts zu begründen, dessen Vorzüge zu benennen und die Kosten zu legitimieren hatten sie auf Dienstag nochmals zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung eingeladen.

Ruhig bleibt es auch an dieser. Von den rund vierzig Stühlen in der «Sonnmatt»-Cafeteria sind dreissig leer geblieben. Das spärliche Publikum teilt sich die hinterste Sitzreihe. Es sind mehrheitlich ältere Personen, die gekommen sind – aus allgemeinem, aber auch persönlichem Interesse. Wie es denn mit Zweierzimmern stehe, will ein Besucher nach der Projektpräsentation wissen. «Wir kämen ja zusammen», ergänzt er mit Blick zu seiner Frau. Von Heimleiter Kurt Marti erfährt er, dass im Neubau nur Einerzimmer geplant sind. Paaren stünden jedoch im Gebäude B Appartements zur Verfügung. Einem nächsten Interessierten versichert Marti, dass eigene Möbel mitgebracht werden dürfen. «Nur das Bett und der Nachttisch werden vom Heim gestellt.»

Dessen Auslastung war stets gut: 97 Prozent in den vergangenen zehn Jahren. Sollte dies nach Umsetzung der Erweiterung ändern, würde – so Lucas Keel, Präsident der Standortgemeinde und des Zweckverbands auf eine entsprechende Frage – der Personalbestand reduziert. «Eine Auslastung unter 95 Prozent wäre problematisch», macht er klar. Reaktionsspielraum bliebe dem Zweckverband dennoch. «Da wir über Bauten aus verschiedenen Epochen verfügen, könnte einer langfristigen Unterbelegung mit einer Umnutzung des Seniorenzentrums Marienfried oder einem Abbruch des Hauses A begegnet werden», sagt Keel.

Weniger Sorgen als einem anwesenden Bürger bereitet Lucas Keel das Parkplatzproblem der Badi-Besucher. Dieses bestehe wenige Tage im Jahr und die Badiwiese stehe weiterhin als Puffer zur Verfügung. «Und wenn diese voll ist, dann ist sie halt voll», sagt er. Der Heimparkplatz dürfte, aufgrund der neuen Lage, für Badigäste weniger attraktiv sein als der heutige. Dieser soll laut Keel auch bewirtschaftet werden.

«Warum müssen wir überhaupt abstimmen? Das Ganze kostet die Gemeinde ja nichts.» Mit dieser Frage konfrontiert, verweist Lucas Keel auf die Verbandesstatuten, die eine starke Einbindung der Bevölkerung vorsehen. Die breite Abstützung des Vorhabens ist ihm ohnehin wichtig. «Wir wissen alle nicht, welche neuen gesetzlichen Vorgaben die Alterspflege in Zukunft beeinflussen werden.» Die Finanzierung der «Sonnmatt»-Erweiterung ist ein Nullsummenspiel, belastet die Steuerzahler nicht. Denkbar, dass das Projekt deshalb öffentlich kaum Diskussionen ausgelöst hat, mutmasst auch Lucas Keel, macht aber ebenfalls klar: das Ergebnis der Abstimmungen ist offen.

Andrea Häusler

andrea.haeusler@wilerzeitung.ch

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