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Drehscheibe für 1500 Artikel: Das Aldi-Verteilzentrum in Schwarzenbach beliefert 68 Filialen

Vom frühen Morgen bis spät in die Nacht wird im Aldi-Verteilzentrum gearbeitet. Nur einmal am Tag kehrt etwas Ruhe ein. Ein günstiger Zeitpunkt für einen Blick hinter die Kulissen des Detailhandelsunternehmens.
Daniela Huijser
Kritische Blicke: Geschäftsführer Oliver Wulkan mit Warenkontrolleur Behar Daki. (Bild: PD)

Kritische Blicke: Geschäftsführer Oliver Wulkan mit Warenkontrolleur Behar Daki. (Bild: PD)

Seit sechs Uhr morgens wurden im Verteilzentrum Waren entgegengenommen und im Lager verteilt. Nun, nachmittags um halb drei Uhr, wird es ruhiger. Eine Mitarbeiterin fährt eine Putzmaschine durch die schier endlosen Gänge; ein paar Frauen laden Weinkisten auf Paletten, die später zu den Filialen transportiert werden. Jetzt ist die Zeit günstig für eine Besichtigung des eindrücklichen Betriebs am Ortsrand von Schwarzenbach, denn nun steht man Niemandem im Weg. Nur wenige der 130 Mitarbeitenden sind anwesend. Erst um 16 Uhr wird die emsige Betriebsamkeit wieder zulegen, wenn die regionalen Frischprodukte angeliefert werden.

Gegen 16 Uhr treffen die ersten regionalen Frischprodukte in Schwarzenbach ein. (Bilder: Daniela Huijser)

Gegen 16 Uhr treffen die ersten regionalen Frischprodukte in Schwarzenbach ein. (Bilder: Daniela Huijser)

Oliver Wulkan, Geschäftsführer für die Region Ostschweiz und Zürich, zeigt zuerst den oberen Stock. Hier, in einem Teil des sogenannten Trockenlagers, sind Waschmittel, Kosmetika und Reinigungsprodukte in Kartons gestapelt. Eine Etage tiefer lagern Getränke, Snacks, Süsswaren und viele andere haltbare Produkte auf Paletten. Wobei «lagern» einen falschen Eindruck erwecken könnte: Kaum etwas bleibt länger als einige Tage in Schwarzenbach. In seltenen Fällen bleibt ein Produkt wie etwa Wein höchstens 30 Tage im Verteilzentrum. Denn was hier angeliefert wird, geht möglichst rasch wieder raus zu den 68 Filialen in der Ostschweiz und im Kanton Zürich.

Platz für zehn Fussbalfelder

Während Oliver Wulkan erzählt, geht er in Richtung Kühlbereich, wo Frischprodukte wie Milch, Käse und Fleisch gestapelt sind. Stolz nennt er die Flächenzahlen:

«Die Vorkühlzone und die normale Kühlzone umfassen 6200 Quadratmeter. Hier liegt die Temperatur konstant zwischen null und zwei Grad. In unserem Tiefkühlbereich, der 2400 Quadratmeter gross ist, haben wir minus 20 Grad.»

Zusammen mit der Fläche des Trockenlagers von 46000 Quadratmetern sowie den Büroräumlichkeiten kommt man auf die stattliche Fläche von zehn Fussballfeldern, die im zweistöckigen Gebäude Platz hätten.

Beim Gang durch die Kühlzone fällt auf, dass ein Grossteil der Produkte auf dem Etikett eine Schweizer Flagge haben. «Wir führen rund 1500 Artikel für den täglichen Bedarf und die Mehrheit wird aus der Schweiz generiert», sagt Wulkan und zeigt auf Kartons voller Hüttenkäsebechern der Firma Züger. Ganz hinten im Kühllager fährt unterdessen ein Mitarbeiter mit dem Stapler hin und her und verschiebt Kartons in den Obst- und Gemüse-Bereich.

Die Frischprodukte von Züger aus Oberbüren haben einen besonders kurzen Anlieferweg.

Die Frischprodukte von Züger aus Oberbüren haben einen besonders kurzen Anlieferweg.

Jede Nacht sind 30 Lastwagen unterwegs

Später am Abend wird alles bereitgestellt für die Filialen, die ihre Bestellungen jeweils bis morgens um 8.30 Uhr durchgeben. «Ab 23 Uhr fahren die Lastwagen dann los – jener mit dem weitesten Weg zuerst. Der fährt nach Samedan. Und erst am frühen Morgen macht sich der LKW nach Rickenbach auf den Weg», erklärt Oliver Wulkan. «Jeder Chauffeur hat übrigens Zugang zu den Lagerräumen der Filiale, sodass er mitten in der Nacht seine Lieferung deponieren kann.»

Rund 30 LKW seien so jede Nacht unterwegs – ausser samstags, da die Filialen am Sonntag geschlossen sind. Damit die Rückfahrten nicht leer erfolgen, nehmen die Chauffeure jeweils Gebinde und Recyclingmaterial zurück nach Schwarzenbach. Im vorderen Bereich des Trockenlagers stapeln sich rosa, grüne und graue Kunststoffkisten von drei verschiedenen Grossbäckereien. «Die Chauffeure nehmen am Abend alles wieder mit, nachdem sie die Backwaren entladen haben.»

Organisiert und kontrolliert

Bis zu 50 LKW liefern täglich Waren an. Sie fahren zur Ostseite des Gebäudes und entladen an einer der 26 Rampen. Ausser jene Lastwagen mit den Frischprodukten. Diese entladen an einer der 19 Rampen an der Südseite, wo Gemüse, Obst, Beeren und Blumen direkt in den oder nahe zum Kühlbereich gestellt werden. Gerade fährt der erste Gemüselieferant vor; es ist ein LKW vom Feldhof aus dem Rheintal, einem der regionalen Grosslieferanten von Aldi Suisse. Der Chauffeur lädt Stapel um Stapel aus: verschiedene Salate, Zwiebeln, Kartoffeln. Alles abgefüllt in Kartonbehälter oder in die auberginefarbenen Mehrwegkisten, die Aldi bereitstellt. Sechsmal pro Woche bestellt der Grossverteiler durchschnittlich 150 Kisten Salat; gelegentlich können es auch bis zu 180 Kisten sein. Die genaue Menge erfährt der Lieferant bis 9 Uhr morgens.

Während der Chauffeur seinen Camion entlädt, prüft Behar Daki von der Wareneingangskontrolle die Salate stichprobenweise. «Er gibt das Okay, wenn die Produkte ohne Vorbehalt angenommen werden können. Es kann gelegentlich vorkommen, dass er einen Vorbehalt anbringt. Wenn er zum Beispiel sieht, dass Beeren überreif oder Salate welk sind und von der Kundschaft nicht angenommen werden», erklärt Oliver Wulkan, während er Behar Daki beim Kontrollieren über die Schulter blickt.

Schnelldreher sind bereit

Hat Behar Daki sein Okay gegeben, fährt ein Mitarbeiter des Verteilzentrums mit dem Hubstapler die Kisten zu den vorbestimmten Plätzen im Kühllager. «Dort wird später alles kommissioniert», sagt Oliver Wulkan. Kommissionieren heisst, alle Produkte genau nach Bestellung auf Palette stapeln und an jene Rampe stellen, bei der die Nummer der entsprechenden Filiale steht. Einige kommissionierte Paletten sind bereits fertig. «Hier handelt es sich um sogenannte Schnelldreher, das sind Artikel aus unserem Sonderangebot», erklärt der Geschäftsführer.

Mitarbeiterin Adissa Gbane stellt Waren nach Bestellung bereit.

Mitarbeiterin Adissa Gbane stellt Waren nach Bestellung bereit.

Den Überblick über alle Produkte behalten die Mitarbeiter in zwei «Inseln». In der einen wird die Administration rund um die eingehenden Waren abgewickelt: Es werden die Anlieferung kontrolliert und relevante Daten an die Zollabteilung von Aldi Suisse weitergeleitet. In weiteren Büros auf der anderen Seite der Halle hingegen erfolgt die Administration des Kommissionierungsbereichs und der Distribution, dazu gehört etwa die Koordination der Camions sowie die Pflege von Schicht- und Rüstplänen.

Ein nachhaltiges Gebäude

Bei den Anliefer-Rampen sind mittlerweile weitere Camions vorgefahren, weitere Chauffeure beginnen mit dem Entladen und weitere Stapelfahrer kümmern sich um die Ware. Zeit, den Rundgang zu beenden und dem geschäftigen Treiben nicht im Weg zu stehen. Während Oliver Wulkan Richtung Ausgang geht, zeigt er zu den grossen Fenstern, die an allen Seiten des Trockenlagers angebracht sind. «So brauchen wir relativ wenig Kunstlicht.» Auch auf andere Besonderheiten des Baus ist der Geschäftsführer stolz: «Von den 1800 Pfählen, auf denen das Gebäude steht, sind 600 sogenannte Energiepfähle, mit denen die Räume beheizt werden können. So erhalten wir 60 Prozent unserer Heizungsenergie.»

Beim Verlassen des Lagers erwähnt Oliver Wulkan noch die beiden Notstromaggregate, die bei einem Stromausfall den Betrieb aufrechterhalten würden. Für sie steht ein 40000 Liter Dieseltank bereit. Zwei Dieseltanks á 100000 Liter Fassungsvermögen gibt es für die hauseigene Tankstelle. Man merkt: Nicht nur drinnen, auch drumherum wurde beim Verteilzentrum grosszügig geplant und umgesetzt.

Eins von dreien

Die Aldi Suisse AG hat ihren Hauptsitz in Schwarzenbach und gehört zur Unternehmensgruppe Aldi Süd. Aldi besitzt zwei weitere Verteilzentren: in Domdidier im Kanton Fribourg und in Perlen im Kanton Luzern. Das Verteilzentrum in Schwarzenbach wurde 2012 in Betrieb genommen. Es beliefert derzeit 68 Filialen, ist aber konzipiert für 100 Filialen. Die Umgebung ist mit Blumenrasen und Blumenwiesen umweltfreundlich gestaltet; beim Haupteingang steht ein firmeneigenes Bienenhaus mit fünf Völkern. (dh)

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