Dorfleben und Energien fördern

Die Dorfkorporation Bichwil verkauft ihre Elektrizitätsversorgung den St. Gallisch-Appenzellischen Kraftwerken SAK. Der Verkaufserlös von rund 2,4 Millionen Franken soll einerseits in einen Fonds fliessen. Anderseits in eine Stiftung, welche die Entwicklung des Dorfs zum Ziel hat.

Philipp Stutz
Drucken
Teilen
Beat Kägi, Präsident der Dorfkorporation, informierte über den Verkauf der Elektrizitätsversorgung.

Beat Kägi, Präsident der Dorfkorporation, informierte über den Verkauf der Elektrizitätsversorgung.

Bichwil. Beat Kägi, Präsident der Dorfkorporation Bichwil, durfte viele Interessierte zur Orientierungsversammlung begrüssen. Die Dorfkorporation hat ihr Stromverteilnetz der SAK verkauft (die Wiler Zeitung hat berichtet). Die Zustimmung der Bürgerschaft vorausgesetzt, wird das Eigentum auf den 1. Juli 2011 an die SAK übertragen.

Position der Stärke

Über die Gründe, die zum Verkauf führten, haben wir an dieser Stelle wiederholt berichtet. Da sind einmal die zu kleine Betriebsgrösse und das zu geringe Umsatzvolumen der Elektrizitätsversorgung Bichwil (EVB), um künftig in einem liberalisierten Energiemarkt bestehen zu können. Anderseits fehlt die Bereitschaft zur Mitarbeit innerhalb der Bevölkerung. «Unser Stromnetz befindet sich in einem ausgezeichneten Zustand», sagte Silvan Brun, Mitglied der Dorfkorporation. Es gelte nun, das Zeitfenster für einen Verkauf aus der Position der Stärke zu nutzen. Und mit den SAK habe man einen Käufer gefunden, der Garant für Kontinuität biete und als kompetenter Stromdienstleister bekannt sei.

2,4 Millionen Verkaufserlös

Die Dorfkorporation erhält für den Verkauf rund 2,4 Millionen Franken. Dieser Betrag ist zahlbar über zehn Jahre und wird mit 4,5 Prozent verzinst. Zumindest im laufenden Jahr könne der Bichwiler Stromkunde mit tendenziell tieferen Strompreisen rechnen, sagte Brun. Und es bestehe die Möglichkeit des Anschlusses ans Glasfasernetz der SAK. «Würde die EVB nicht verkauft, müssten die Strompreise auf 1. April erhöht werden», betonte Beat Kägi. Das Grundstück der Messstation geht in den Besitz der Politischen Gemeinde Oberuzwil über. Hinzu kommt eine jährliche Abgabe «SAK-Zuweisung an die Vertragsgemeinden» von rund 17 000 Franken.

Fonds Energieeffizienz

Der Dorfverwaltungsrat schlägt vor, einen Fonds «Erneuerbare Energien und Energieeffizienz» zu gründen und diesen mit 500 000 Franken zu speisen. Der Betrag geht an die Politische Gemeinde über. Diese hat ein Fondsreglement zu erlassen. Die Fondsgelder sind für alle Bürger der Politischen Gemeinde zugänglich. Die jährliche «SAK-Zuweisung an die Vertragsgemeinden» aus dem Gebiet Bichwil fliesst ebenfalls in diesen Fonds. Und die Politische Gemeinde ist frei, weitere Mittel in diesen Fonds einzuschiessen. Die Gemeinde ihrerseits hat den Fonds und die Stiftung zu verwalten und für die Versorgungssicherheit besorgt zu sein. Auch hat sie Grundbuchamtkosten, die aus dem Verkauf entstehen, zu übernehmen.

Im Weiteren soll eine Stiftung mit einem Kapital von 2,382 Millionen Franken gegründet werden. Ziel des Dorfverwaltungsrates ist es, diese Mittel in Bichwil zu halten. Der Fonds hat zum Zweck, erneuerbare Energien und Energieeffizienz zu fördern. Zugang haben nur Liegenschaftsbesitzer aus dem ehemaligen Versorgungsgebiet der Elektrizitätsversorgung Bichwil. Weiter sollen diese Mittel dazu dienen, die Entwicklung des Dorfes Bichwil nachhaltig zu fördern. Zur Debatte steht etwa der Umbau/Sanierung des Feuerwehrdepots/Dorfarchivs zu einem «Dorftreffpunkt». Auch sollen Beiträge an Dorfvereine für nachhaltige Aktivitäten fliessen und allenfalls ein vorgezogener Anschluss ans Glasfasernetz der SAK erfolgen.

Reglement ausarbeiten

Als nächstes soll nun ein Stiftungsreglement ausgearbeitet werden. Ebenso wird ein Gutachten zum Verkauf des EW Bichwil ausgearbeitet, über das an der Bürgerversammlung vom 25. März entschieden wird. Geplant sind auch Gespräche mit der Politischen Gemeinde und der Wasserkorporation Oberuzwil über eine Inkorporation. Am 31. Dezember 2012 soll die Dorfkorporation Bichwil aufgelöst werden. Wie Gemeindepräsident Cornel Egger sagte, stehe der Gemeinderat voll hinter den Plänen der Dorfkorporation Bichwil.

Aktuelle Nachrichten