Dorffest für Flawiler Schwingerkönig

FLAWIL/NASSEN. Die NZZ bezeichnete Michael Rhyners Titel am Nordostschweizerischen Schwingfest im zürcherischen Wald als Sensation. Für den 30jährigen Flawiler ist es der Lohn für jahrelanges diszipliniertes Training. Am Montag wurde der Sägemehl-König zu Hause mit einem Volksfest empfangen.

Andrea Häusler
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Der Sieger des 120. NOS Schwingfests, Michael Rhyner, liess sich am Empfang vom Montagabend in Nassen gebührend feiern. (Bilder: Andrea Häusler)

Der Sieger des 120. NOS Schwingfests, Michael Rhyner, liess sich am Empfang vom Montagabend in Nassen gebührend feiern. (Bilder: Andrea Häusler)

Er wohnt in Flawil, der «Böse» mit den strahlend blauen Augen und dem ruhigen Gebaren. Dort, im Keller der Botsbergturnhalle, trainiert er auch: sich selbst und die Jungschwinger des Schwingclubs Flawil. Dennoch lässt er sich und den ersten Kranzfestsieg seiner Schwingerkarriere in Nassen feiern. Im Neckertal ist er aufgewachsen, da wohnen seine Eltern und einer seiner beiden Brüder. Aber nicht nur.

Auf der Wiese gegenüber der «Traube», wo sich am Montagabend die Festgemeinde musikalisch begleitet zum Empfang bei Grilladen, Bier und Wein versammelt hat, wurde vor 20 Jahren der Grundstein seiner Karriere gelegt. «Michi war 10jährig, als hier das Toggenburger Schwingfest durchgeführt wurde», erzählt der Präsident des Toggenburger Schwingerverbands, Christian Tschumper. «Es hat ihn derart gepackt, dass er bereits in der folgenden Woche in Flawil im Schwingkeller stand und die Hose umschnallte.» Fünf Jahre später habe er das Clubschwingen der Jungschwinger gewonnen, 2002 am St. Galler Kantonalen den ersten Kranz.

In 3:39 Minuten zum Sieg

Am Wochenende ist nun dem heute 30-Jährigen der ganz grosse Durchbruch gelungen. Als Überraschungssieger, als den ihn die Medien bezeichnet hatten, sieht Tschumper den Flawiler, der in Wald fünf von sechs Kämpfen gewonnen und dafür stets die Höchstnote erhalten hatte, allerdings mitnichten. Dreimal schon habe Michael Rhyner dieses Jahr im Schlussgang gestanden, zweimal sei er an Dani Bösch gescheitert: «Am Toggenburger Verbandsschwingfest in Degersheim mit einer Niederlage, am St. Galler Kantonalschwingfest in Walenstadt mit einem Gestellten.» Dass er aus dem drei Minuten und 39 Sekunden langen Duell gegen den Appenzeller Marcel Kuster als Sieger hervorgegangen ist, wertet er ganz einfach als «verdienten Triumph».

Kurzärmlig am Engadiner

«Unglaublich, ihn auf einer Liste mit Legenden wie Bösch, Forrer, Abderhalden oder Sempach zu sehen», sagt der noch immer überwältigte Flawiler Schwingclub-Präsident Werner Gähler. «Dein Name wird nun einen festen Platz im NOS-Festführer haben.» Gähler attestiert dem aktuellen Aushängeschild seines Clubs extremen Trainingsfleiss: «Er ist sich nicht zu schade, auch den Sonntagmorgen im Schwingkeller zu verbringen», sagt er und ergänzt, dass Michi noch manch anderes gut könne. «Er hat die beiden Jassturniere gewonnen, ist schnell auf dem Bike und noch schneller auf den Ski. «Und auf den Langlaufski», ergänzt Christian Tschumper. «Der Michi ist der einzige, der den Engadiner Skimarathon auch bei Minustemperaturen kurzärmlig läuft.»

Viel Anerkennung gibt es in Nassen auch für Rhyners Trainingspartner und SC Flawil-Trainer Martin Knechtle. Der Ganterschwiler ist ebenfalls mit einem Kranz aus Wald zurückgekehrt und hat damit, als Siebtklassierter, die Kranzbilanz des Toggenburger Schwingerverbands auf sechs erhöht.

Zu wenig Sitzgelegenheiten

Die Sonne ist untergegangen, der Empfang inzwischen zum Volksfest geworden. Mit rund 100 Besuchern haben die Organisatoren um Michael Rhyners Bruder Christoph gerechnet. Es sind mehr geworden. Die Festbänke vor der «Traube» sind längst besetzt, Tische und Stühle werden aus der Gaststube gefugt. Und Michael Rhyner? Er ist kein Mann der grossen Worte. «Schön», sagte er, «wenn ihr nun öfter an Schwingfeste kommt. Und, vielleicht motiviert mein Sieg ja den einen oder anderen Buben dazu, selbst in die Hosen zu steigen.» Sprach's und mischte sich unters Volk.

In den Startlöchern für die grossen Schwingfeste: Die Jungschwinger.

In den Startlöchern für die grossen Schwingfeste: Die Jungschwinger.

Über 100 Besucher feierten vor der «Traube» ihren Schwingerkönig.

Über 100 Besucher feierten vor der «Traube» ihren Schwingerkönig.

Kranzschwinger unter sich: Martin Knechtle (l.) und Michael Rhyner.

Kranzschwinger unter sich: Martin Knechtle (l.) und Michael Rhyner.

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