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Falsch berechnet und Kosten manipuliert: Zuzwiler Dorfbach-Opposition misstraut Planern und Behörden

2× Nein sagt das «Ad-hoc-Komitee zur Rettung des Dorfbachs» zu den Zuzwiler Hochwasserschutzprojekten. Peter Link und George Flammer, beide Mitglieder des elfköpfigen Komitees, begründen, weshalb sie den Bau eines Entlastungsstollens und erst Recht den vom Gemeinderat, der FDP, CVP sowie der SP zur Annahme empfohlenen Gerinneausbau bekämpfen.
Andrea Häusler
Der Dorfbach entlang der Oberdorfstrasse, wie er sich heute präsentiert. (Bild: Andrea Häusler)

Der Dorfbach entlang der Oberdorfstrasse, wie er sich heute präsentiert. (Bild: Andrea Häusler)

Der Entlastungsstollen durch den Kirchhügel wurde vom AHK initiiert. Warum bekämpft es nun die eigene Idee?

Peter Link: Wir bekämpfen nicht die Idee, sondern die geplante Umsetzung. Der Stollen wurde doppelt so gross geplant, wie er sein müsste. Entsprechend überdimensioniert sind auch die Ein- und Auslaufbauwerke sowie das Tosbecken.

Wer plante denn fehl? Das Büro Amberg Engineering AG wurde ja von Euch empfohlen.

Link: Das stimmt so nicht. Wir sagten nur, dieses habe den Uze-Stollen gebaut. Die Machbarkeitsstudie der Amberg AG basiert jedoch auf falschen Grundlagen. Auf jenen, die das Büro Brühwiler AG für den Gerinneausbau erhoben hatte.

Peter Link

Peter Link

Und was ist falsch an diesen?

Link: Der Bach leitet heute 3 m3/s ab, soll künftig aber 33 m3/s ableiten. Das Büro Brühwiler legte den Stollen und die zugehörigen Bauwerke auf eine Kapazität von 30 m3/s aus. Dabei braucht der Stollen nur abzuführen, was das (gereinigte) Bachgerinne, welches bis 20 m3/s ableiten könnte, nicht schluckt. Also maximal 15 m3/s.

Und worauf stützt sich diese Behauptung?

Link: Wir haben im Komitee mehrheitlich Leute mit technischem Know-how und langjähriger Projekterfahrung. Eine Studie in Auftrag zu geben, hätte die finanziellen Möglichkeiten gesprengt.
Fachleute aus drei Ingenieurbüros sowie des Kantons und Bundes, welche das Projekt bearbeitet/geprüft haben, sind aber zu einem anderen Schluss gekommen.

George Flammer: Das Büro Brühwiler AG ist nicht auf Hochwasserprojekte spezialisiert, Amberg plante auf falschen Grundlagen und dem kurzfristig verpflichteten Büro Gruner Wepf blieb für eine eingehende, seriöse Prüfung zu wenig Zeit.

Kritik übt das Komitee nicht nur am Projekt, sondern auch an den hohen Kosten.

Link: Einerseits wurde, wie erwähnt, zu gross geplant und das Stollenprojekt mit x Reserven hochgerechnet. Anderseits haben wir dem Gemeinderat früh die Sonntag GmbH Baugesellschaft(ein auf Microtunneling spezialisiertes Unternehmen mit Sitz im rheinland-pfälzischen Dörth (Anm. d. Red). empfohlen. Diese ist quasi Hoflieferant der Stadt Zürich. Wir sind überzeugt, dass die Stollenvariante mit dieser Firma in etwa gleich teuer käme wie die Variante A, «Gerinneausbau».

Damit unterstellt das AHK den Planern und Fachleuten indirekt, beim Stollen kostenmässig hoch- und beim Gerinneausbau bewusst tiefgestapelt zu haben.

George Flammer

George Flammer

Flammer: Tatsächlich sind wir überzeugt, dass der Gerinneausbau letztlich nicht 8, sondern eher 12 Millionen Franken kosten wird. Was die Verlässlichkeit von Kostenberechnung bei Abstimmungsprojekten betrifft, haben wir ja die Erfahrung mit der Turnhalle, die laut Machbarkeitsstudie gut 8 Millionen ­kosten sollte, jetzt aber knapp 11 Millionen kostet.

Folgte die Bürgerschaft der Empfehlung des AHK und schickte beide Projekte bachab, würde die Verbesserung des Hochwasserschutzes in der Gemeinde weiter verzögert. Ein kalkulierbares Risiko?

Link: Ich bin überzeugt, dass ein redimensionierter Stollen in zwei Jahren fertiggestellt sein könnte. Im Gegensatz zum Gerinneausbau, wo in den nächsten fünf bis acht Jahren kein Bagger auffahren würde. Der vielen einspracheberechtigten Bachanstösser wegen.

Obwohl es für den neuen Stollen erst einen Kredit/eine Planung bräuchte und die Einsprachen – der Landbesitzer beim Einlaufbauwerk hat seine bereits angekündigt – erledigt werden müssten?

Link: Es ist höchstens mit drei Einsprachen zu rechnen: Bei den Ein- und Auslaufbauwerken sowie bei der Hausuntertunnelung. Beim Erwerb von Landwirtschaftsboden liesse sich mit Geld einiges bewirken und die Linienführung des Tunnels ist auch nicht gesetzt.

Und was ist mit den Einspracheberechtigten unterhalb des Stollens, wo der Bach offen geführt wird?

Flammer: Die Sanierung der beiden Bachabschnitte muss ja nicht in einem Aufwisch erfolgen. Denkbar wäre auch eine Aufteilung in zwei koordinierte Einzelprojekte.

Ist der Ausbau des Gerinnes über die ganze Strecke weiterhin keine Alternative?

Flammer: Nein. Wir wollen keinen Kanal im Dorfzentrum. Ausser bei Hochwasser – also die meiste Zeit über – wäre der Dorfbach kein Bach mehr, sondern ein Rinnsal.

Link: Hinzu kommt, dass wir nicht von der Höhe der nicht budgetierten Folgekosten überrascht werden wollen. Die Land- und Gebäudeerwerbskosten sowie die Auslagen für die Verlegung der Werkleitungen sind nirgends ausgewiesen, müssen aber vom Steuerzahler berappt werden.

Im jüngsten Flyer formuliert das AHK seine Ziele. Weg- und Werkleitungsverlegungen, Brücken, Mauern und Landerwerbe sind zu vermeiden. Klingt das nicht nach eierlegender Wollmilchsau?

Link: Nein, das ist mit den von uns vorgeschlagenen Massnahmen zu erreichen. Für ein Jahrhunderthochwasser muss ca. die Hälfte des Wassers durch den Bach, die andere durch einen Stollen. Beim Bach werden der Zustand der 1980er-Jahre wieder hergestellt und einige sanfte Anpassungen vorgenommen. Dann gibt es bei den Werkleitungen nichts zu verlegen. Die Bachsanierung Projekt 1979 wurde für 25 m3/s gerechnet, nach heutigen Normen wären das noch 18-20 m3/s.

Nichtsdestotrotz empfehlen – mit Ausnahme der SVP – alle Ortsparteien den Gerinneausbau zur Annahme. Enttäuscht?

Link: Natürlich, wobei wir überzeugt sind, dass bei der Entscheidungsfindung neben sachlichen auch persönliche Argumente mitgespielt haben.

Flammer: Im Gemeinderat sitzen je zwei Mitglieder von CVP und FDP. Dass man bei einer Abstimmung die eigenen Leute unterstützen muss, ist selbstredend.

Und was, wenn sich am 20. Oktober doch eine Mehrheit für den Gerinneausbau ausspricht?

Link: Dann sind die Zuzwile­rinnen und Zuzwiler selbst schuld.

Flammer: Dennoch dürfen wir stolz darauf sein, dass die Gemeindebehörde aufgrund unserer Aktivität früher als geplant über die Abstimmungsprojekte informiert, die baulichen Massnahmen visualisiert und die Bevölkerung an Begehungen vor Ort informiert haben.

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