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Zuzwiler Dorfbach: In Sachen Gefährdung unter den Top 20 im Kanton

Der Zuzwiler Dorfbach ist eine Gefahr. Ob und wie diese gebannt wird, entscheidet das Volk am 20. Oktober an der Urne. Am Mittwoch wurde neuerliche informiert. Rund 350 Interessierte hatten sich hierfür in der Turnhalle eingefunden.
Andrea Häusler
Der Gemeinderat hatte keine Mühen gescheut, die Auswirkungen der Bachsanierung an den jeweiligen Standorten zu visualisieren. (Bilder: Andrea Häusler)

Der Gemeinderat hatte keine Mühen gescheut, die Auswirkungen der Bachsanierung an den jeweiligen Standorten zu visualisieren. (Bilder: Andrea Häusler)

Gerinneausbau, Stollenvariante oder gar nichts. Am Mittwoch stellten sich Befürworter, Gegner und Planer der Bevölkerung. Die imaginären Stahlhelme hätten Gemeindepräsident Roland Hardegger sowie die Verfasser der Hochwasserschutzprojekte allerdings nicht aufzusetzen brauchen. Trotz andersgearteter Ansichten über die Art der Dorfbachsanierung hielten sich die Gegner der Abstimmungsvorlagen vom 20. Oktober zurück, argumentierten besonnen, fragten sachlich. An ihrer Meinung änderte die zweieinhalbstündige Informationsveranstaltung hingegen nichts. Im Schlussvotum empfahl der Vertreter des Ad-hoc-Komitees, Peter Link, neuerlich die Ablehnung beider Ausbauvarianten. Obwohl er feststellte: «Niemand zweifelt daran, dass der Bach 33 m3/s aufnehmen muss, er heute – etwa beim Nadelöhr Postbrücke – nur 3 m3/s ableitet.» Link stellte jedoch die in der Machbarkeitsstudie genannten Kosten in Frage. Er glaubt ferner, dass der vom Komitee initiierte, zur Entlastung des Bachs bei Hochwasser dienliche Stollen zu gross dimensioniert und daher teuer ist.

Das Misstrauensvotum traf den Gemeinderat nicht unvorbereitet. Mit der Gruner & Wepf AG hatte dieser ein drittes, unabhängiges Ingenieurbüro mit der Prüfung der Projekte Brühwiler AG (Gerinneausbau) und Amberg Engineering AG (Stollenvariante) beauftragt. Das Ergebnis: Beide Varianten sind technisch korrekt und die Kostenberechnungen plausibel.

«Schmörzelen» rechnet sich nicht

Ein sanfterer Gerinneausbau und ein kleinerer Stollen: Der Wunsch ist nachvollziehbar, laut dem Chef Wasserbau im Kantonalen Amt für Wasser und Energie, Heinz Meier, jedoch keine Option. Er warnte explizit davor, zu «schmörzelen». Eine reduzierte Bachbreite, ein kleinerer Stollen, etwas weniger Sicherheit, darauf habe man einst in Luzern gesetzt. Jetzt baue man den Stollen weiter aus.

Auf dem Podium: Gemeindepräsident Roland Hardegger, Markus Brühwiler (Brühwiler AG) und Christoph Rüegg (Amberg Engineering AG)

Auf dem Podium: Gemeindepräsident Roland Hardegger, Markus Brühwiler (Brühwiler AG) und Christoph Rüegg (Amberg Engineering AG)

Den Hochwasserschutz mit der Ablehnung beider Sanierungsvarianten am 20. Oktober auf die lange Bank zu schieben, beurteilt er als riskant. «Von den 1400 überprüften Bächen im Kanton gehört der Zuzwiler Dorfbach in Sachen Gefährdung zu den Top 20», sagte er. Auch weil dieser nicht tief genug liege: Bei Hochwasser fliesse das Wasser vom Gerinne weg und nicht ins Bachbett zurück.

Grundeigentümer fühlen sich übergangen

Nichtsdestotrotz blieb die Skepsis der Grundeigentümer. An der Kirchstrasse unterquert der 500 Meter lange Stollen eine Liegenschaft. Fünf Meter sei die minimale Überdeckung der Rohre, sagte Christoph Rüegg, Projektverantwortlicher der Amberg Engeneering AG. Die Angst des Hausbesitzers bleibt. Mit ihm gesprochen wurde bisher nicht. Mit allen anderen Grundeigentümern entlang des Bachs auch nicht. Erst brauche es den Volksentscheid, sagte Roland Hardegger. Erst dann stehe fest, ob, und wenn ja, mit wem verhandelt werden müsse. Nach einem Ja zum Gerinneausbau/der Stollenvariante werde mit jedem einzelnen Grundeigentümer nach Lösungen gesucht, Vereinbarungen getroffen und allenfalls Entschädigungen festgelegt. Hernach folge die öffentliche Projektauflage.

Und wenn ein Grundbesitzer keine Kompromisse eingehen will, «keinen Quadratmeter Land hergeben wird», wie ein Anwesender ankündigte. Dann stehen ihm die üblichen Rechtsmittel offen, sagte Hardegger. Und Heinz Meier ergänzte, dass, wenn das öffentliche Interesse am Projekt überwiege, auch eine Enteignung möglich sei.

Zeit bringt keinen (besseren) Rat

Wie hoch die Schäden beim Hochwasser 2015 waren, wollte jemand wissen. Roland Hardegger kennt die Zahl nicht, weiss nur: «140000 Franken waren es bei einem einzigen Objekt.»

Schliesslich warnte George Flammer, Präsident der Wasserkorporation Zuzwil, vor Kostenerhöhungen beim Wasser, weil die Umlegung bestehender Leitungen teurer zu stehen käme als veranschlagt. Markus Brühwiler bestritt dies allerdings in Berufung auf Erfahrungen mit vergleichbaren Projekten.

Heinz Meier vom kantonalen Amt für Wasser und Energie (links) und Peter Link, Vertreter des Ad-hoc-Komitees.

Heinz Meier vom kantonalen Amt für Wasser und Energie (links) und Peter Link, Vertreter des Ad-hoc-Komitees.

Was geschieht, wenn das Volk zweimal Nein stimmt und damit beide Vorlagen verwirft? «Das bedeutet, dass unser Auftrag, die Bevölkerung vor Hochwasser zu schützen, länger unerfüllbar bleibt», sagte Roland Hardegger. Fünf Jahre Planung und rund eine halbe Million Franken würden vernichtet. Hardegger machte noch einmal klar: «Wir haben fünf Varianten geprüft, drei mangels Realisierbarkeit oder aufgrund der Kosten verworfen.» Bei einem Aufschub des Hochwasserschutzes änderten sich die Parameter nicht: «In zehn Jahren dürften Ausgangslage und Lösungsvarianten kaum anders sein.»

Von zweien die Wahl

Der Gemeinderat schlägt der Stimmbürgerschaft vor, das Gerinne des Dorfbachs zu verbreitern und teilweise die Sohle abzusenken. Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf 8,1 Millionen Franken, wobei die Gemeindekasse, nach Abzug der Beiträge von Bund und Kanton, noch mit 3,3 Millionen Franken belastet wird. Die Ausbaulösung bezieht sich auf die 2,5 Kilometer lange Strecke zwischen der «Thur» und «Im Hag». Der Niederwasserspiegel wird nach dem Ausbau durchschnittlich 20 bis 120 cm, örtlich im Maximum bis zu 1,7 m tiefer sein als heute. Das Querprofil wird je nach Abschnitt ein bis viereinhalb Meter breiter als heute. Der Ausbau im ortsgeschützten Bereich des Zentrums von Zuzwil ist gemäss der Denkmalpflege des Kantons St.Gallen ortsbildverträglich.

Alternativ kann sich das Stimmvolk für einen Hochwasser-Entlastungsstollen durch den Kirchenhügel entscheiden. Mit der Machbarkeitsstudie war der Gemeinderat im Frühjahr vom Volk beauftragt worden. Die Studie sieht ein Stahlbetonrohr von rund 500 Metern Länge und einem Durchmesser von 2,5 Metern vor. Im Bereich «Im Hag» würde ein Einlaufbauwerk und im Gebiet «Mettlen» ein Auslaufbauwerk realisiert. Bei normaler Wasserführung würde das Wasser durch den Dorfbach abfliessen. Erst bei einem Hochwasser-Ereignis käme der Entlastungsstollen zum Einsatz. Die Kosten: 17,7 Mio. Franken, wobei 12,5 Mio. Franken auf die Gemeinde entfielen. (ahi)

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