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«Don Romano» verabschiedet sich: Der Stadtpfarrer verlässt Wil

Nach 15 Jahren tritt Stadtpfarrer Roman Giger Wil Ende dieses Monats zurück.
Gianni Amstutz
Ein Abschiedsgeschenk, das passender nicht sein könnte: Über den Weinberg «Don Romano» neben dem Pfarreizentrum freut sich der aus einer Weinbauernfamilie stammende Stadtpfarrer Roman Giger besonders.Bild: Gianni Amstutz

Ein Abschiedsgeschenk, das passender nicht sein könnte: Über den Weinberg «Don Romano» neben dem Pfarreizentrum freut sich der aus einer Weinbauernfamilie stammende Stadtpfarrer Roman Giger besonders.Bild: Gianni Amstutz

Wenn Roman Giger von seiner Zeit in Wil spricht, ist ihm die Freude anzusehen. Er kommt richtiggehend ins Schwärmen. Gleichzeitig sind die glänzenden Augen, die Giger beim Erzählen seiner Erlebnisse bekommt, nicht nur Ausdruck der Freude, sondern auch mit Wehmut verbunden. Denn nach 15 Jahren – zehn davon als Stadtpfarrer – verlässt Roman Giger die Stadt Wil Ende Monat.

Eine Stadt, die Giger bei seiner Berufung als Kaplan unter dem damaligen Stadtpfarrer Meinrad Gemperle noch überhaupt nicht kannte. Aus Heiligkreuz bei Mels stammend sei für ihn Wil, am Ende des Bistums gelegen, unbekanntes Terrain gewesen, erzählt er.

Ein Pfarrer, der auch schon Hofnarr war

Lange dauerte es aber nicht, bis Roman Giger, der sich während seines Studiums in Rom selbst scherzhaft «Don Romano» nannte, die Stadt und vor allem ihre Bewohner ins Herz schloss. «Die Stadt Wil hat eine gute Grösse. So ist sie zwar urban, trotzdem ist sie überschaubar und die Leute kennen sich auf der Strasse.» Auch das aktive Vereinsleben schätzte der heute 50-Jährige. Dieses habe ihm zahlreiche Türen geöffnet und Begegnungen ermöglicht. Mit den Leuten ins Gespräch zu kommen und immer ein offenes Ohr für ihre Anliegen zu haben – auch ausserhalb der Kirche–, war Giger stets ein besonderes Anliegen. Denn etwas steht für ihn fest: «Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts.»

So war der Stadtpfarrer oft zu Gast bei den Wiler Vereinen. Er war sich auch nicht zu schade, 2013 an der Fastnacht das Amt des Hofnarrs zu bekleiden. Solche Auftritte und seine zugängliche Art verschafften ihm denn auch Sympathien weit über kirchliche Kreise hinaus. Doch auch im Rahmen seiner Aufgabe in der Kirche war ihm der persönliche Kontakt stets wichtig. Rund 40 Taufen und 30 Hochzeiten pro Jahr habe er durchgeführt – und dabei unzählige Familien und Paare persönlich besucht. «Diese Nähe zu den Leuten erleben zu können, war ein Traum.» Auch in schwierigen Situationen, wie etwa dem Verlust eines Angehörigen, begleitete Roman Giger viele Leute. Das waren für ihn herausfordernde Situationen, und doch sagt er: «Jemandem mit Rat in schwierigen Situationen zur Seite zu stehen, war eine bereichernde Erfahrung.»

Freiwilliges Engagement als modernes Wunder

Giger sieht darin denn auch eine der Hauptaufgaben der Kirche in der Gesellschaft. «Die Kirche ist ein Wertegarant. Sie steht ein für Schwache, Kranke, Einsame und Arme.» Als Beispiel nennt Giger die Krankenbesuchsgruppe der katholischen Kirche. Die 23 Frauen und Männer machen pro Jahr 180 Nachtwachen und 1400 Stunden an den Krankenhausbetten tagsüber. Dieser selbstlose Einsatz Freiwilliger nennt Giger ein «Wunder». Überhaupt sei die katholische Kirche in Wil mit 1300 freiwillig Engagierten gesegnet.

Offenheit lebte Roman Giger aber nicht nur durch seine Präsenz an zahlreichen Anlässen in der Stadt und der Kirchgemeinde vor, sondern auch durch seine Wertvorstellungen. Seine Aussagen zu gewissen Themen dürfen durchaus als progressiv bezeichnet werden. Etwa, dass die Katholische Kirche Geschiedenen offiziell den Empfang der Eucharistie verbiete oder dass Frauen die Priesterweihe verweigert werde, seien Eigentore.

Giger sagt:

«Will die Kirche eine Zukunft haben, muss sie mutiger sein»

Denn Angst sei ein schlechter Ratgeber, innerkirchliche Veränderungen unabdingbar, wolle man der gesellschaftlichen Realität gerecht werden. Auch das Pflichtzölibat hinterfragt der Pfarrer kritisch. Er selbst haderte aufgrund des Zölibats mit der Entscheidung, Priester zu werden. Denn auch der Wunsch, eine eigene Familie zu gründen, sei in jungen Jahren stark gewesen. Heute sieht Roman Giger das anders. «Ich habe mich in meinen bald 20 Jahren als Priester nicht einen Moment lang einsam gefühlt.» Seine Familie, das sei heute die Glaubensgemeinschaft, sagt er. Dass er persönlich gut mit dem Zölibat leben kann, ändert aber nichts an seiner Meinung. Es sind weltoffene Werte wie diese, die den Stadtpfarrer zu einer Persönlichkeit machten, die von grossen Teilen der Bevölkerung geschätzt wurde – egal ob katholisch oder nicht.

Gleichzeitig machte sich Roman Giger bei einigen Kirchgängern durch seine Offenheit auch angreifbar. Als der Stadtpfarrer beispielsweise bei der Eröffnung der Wiler Moschee eine Rede hielt, kam das nicht bei allen Katholiken gut an. Doch Giger ist überzeugt, dass es einen Dialog zwischen den Religionen brauche. In einer globalisierten Welt, wo verschiedene Religionen miteinander lebten, müsse die Kirche sich um ein gutes Verhältnis bemühen. «Ich glaube, ein Hirt einer Glaubensgemeinschaft muss bei solchen Fragen vorausschreiten.»

Dass er sich damit auch Kritik aussetzte, kümmert Giger nicht gross. Wenn man den Weg erkenne und für richtig befinde, müsse man zu seinen Überzeugungen stehen. Das habe auch Jesus seinerzeit getan, sagt er.

«Ich werde Wil vermissen»

Am Samstag leitet Roman Giger seinen letzten Gottesdienst in der Kirchgemeinde Wil. Am 1.Advent wird er seine neue Stelle in der Seelsorgeeinheit St.Gallen-Gaiserwald antreten und dort seine Erfahrungen einbringen. Obwohl ihm Wil ans Herz gewachsen ist, war es für ihn Zeit weiterzuziehen. Es ist ein Abschied, der ihn mit Freude und Traurigkeit gleichermassen erfüllt. Er könne heute aus Überzeugung sagen: «Mein Herz ist voller Dankbarkeit für die vergangenen 15 Jahre. Ich werde Wil vermissen.»

Hinweis: Abschiedsgottesdienst, Samstag, 31.August, um 17 Uhr, Kirche St.Peter, anschliessend Apéro und italienischer Abend mit Livemusik.

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