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Domorganist holt alles aus renovierter Orgel der Katholischen Kirche Niederuzwil heraus

Am Samstagabend fand in der katholischen Kirche ein aussergewöhnliches Konzert statt. Der St. Galler Domorganist Willibald Guggenmos spielte ausgewählte Werke von Olivier Messiaen.
Michael Hug
Der Meister fordert sein runderneuertes Instrument: Domorganist Willibald Guggenmos. (Bild: Michael Hug)

Der Meister fordert sein runderneuertes Instrument: Domorganist Willibald Guggenmos. (Bild: Michael Hug)

Die Orgel in der katholischen Kirche von Niederuzwil ist seit knapp einem Jahr renoviert und hat seit der Wiederinbetriebnahme schon manchen Test erlebt. Doch die härteste aller Prüfungen stand ihr am Samstagabend bevor. Kein geringerer als der Organist der Kathedrale St. Gallen, Willibald Guggenmos, versuchte sich am revidierten Instrument. Das Instrument hielt dem weit gereisten, äusserst kompetenten Organisten stand, mehr noch, es wurde richtiggehend erweckt. Für eine derart apodiktische Prüfung bedurfte es natürlich auch eines fordernden Inhalts. Guggenmos wählte den französischen Komponisten und Organisten Olivier Eugène Prosper Charles Messiaen (1090 - 1992).

«Fürchterlicher Lärm» und «verrückt»

Guggenmos führte eingangs des rund einstündigen Konzerts selber in die Stücke ein. Der Deutsche verwendete dazu im bayrisch gefärbten Hochdeutsch Begriffe wie «fürchterlicher Lärm», «schräg», «verrückt» oder «Mut». Es brauchte schon etwas Mut – oder Unbedarftheit – um sich dieses Konzert statt der Tagesschau im TV anzuschauen.

Dafür dankte Guggenmos dann auch dem Publikum: «Für den Mut, den sie gehabt haben sich das anzutun.» Messiaen komponierte schwere, tiefgründige, emotionelle Werke, zugleich aber auch schwer zu spielende, mathematisch-algebraisch unterlegte Sätze ohne Herz, aber mit viel Kopf. So zum Beispiel den 9. Satz aus «Livre du Saint-Sacrement», das «Les ténèbres» (Die Dunkelheit).

Guggenmos dazu: «Messiaen malte die Szene mit grauenhaften Akkorden, aber man hat nicht das Vergnügen, einfach mit der Hand draufzutatschen, sondern er notierte Cluster, dass man darauf stundenlang üben muss, bis man spielen kann, was er eigentlich will. Klingt sehr einfach, ist es aber nicht.» Dem die düstere Stimmung auf dem Hügel Golgatha beschreibenden Satz stellte der Organist den gewaltigen, schmetternden 10. Satz aus ebendiesem Werk entgegen, «La Résurrection du Christ» (Die Auferstehung Christi).

Schräge Stücke

spielen, weil es gehört zu den Höhepunkten der messiaen’schen Willenskraft», stellte Guggenmos dann das nach eigenen Worten «schräge» Stück «Offrande au Saint Sacrement» vor. Der Komponist schrieb es im Alter von 22 Jahren und man darf sich fragen, in welcher Stimmung er sich bei der Arbeit an diesem meditativ-dumpf schwebenden, unfertig anmutenden Werk befand. Es wurde für das recht spärlich anwesende, aber neugierige Publikum nicht leichter, den Durchblick zu bewahren. Die «Méditation VIII» aus «La Nativité du Seigneur» aus vervollständigte den Eindruck eines undurchschaubaren Komponisten. Die Orgel jedoch widerstand jeglichen Disparitäten, sie erfüllte, was ihr Meister verlangte und dabei schien sie sich fast ein wenig zu freuen: Schön, dass ich mal richtig gefordert werde!

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