DISPUT: Keine Ruhe um die Moschee

Anwohner des Wiler Südquartiers stören sich an der Lärmbelastung durch Besucher der neuen Moschee. Die Islamische Gemeinschaft möchte entgegenwirken, in dem sie grössere Feste künftig in Säle auslagert.

Ursula Ammann
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Die Wiler Moschee am Tag vor dem Eröffnungsfest Mitte Mai. Nur kurze Zeit später begann der Fastenmonat Ramadan. (Bild: Hans Suter)

Die Wiler Moschee am Tag vor dem Eröffnungsfest Mitte Mai. Nur kurze Zeit später begann der Fastenmonat Ramadan. (Bild: Hans Suter)

Ursula Ammann

ursula.ammann@wilerzeitung.ch

«Nach Sonnenuntergang ist hier der Teufel los», sagt Urs Etter. Der im Südquartier wohnhafte FDP-Stadtparlamentarier spricht von der Lärmbelastung durch das islamische Begegnungszentrum an der Rosenstrasse. Bereits während des Baus seien Ruhezeiten und Parkordnungen nicht eingehalten worden. Damals hätten die Anwohner aber noch eher ein Auge zugedrückt. Doch nach der Fertigstellung der Moschee habe das Problem keineswegs abgenommen, sagt Urs Etter. Seit der Eröffnung herrsche Hochbetrieb und seit Beginn des Ramadan erst recht. «Die Besucher fahren auch nach Mitternacht noch mit heulenden Motoren durchs Quartier, manchmal hupen sie sogar», so der FDP-Stadtparlamentarier. «Die Anstösser fühlen sich einfach hinters Licht geführt», ergänzt er.

Als diese vor dem Bau ihre Bedenken angebracht hätten, habe man ihnen zugesichert, dass die Gläubigen hauptsächlich zu Fuss oder mit dem öffentlichen Verkehr anreisen würden. Zudem habe die Islamische Gemeinschaft im Wissen darum, dass sie in einem Wohnquartier baue, versprochen, auf die Anstösser Rücksicht zu nehmen. Das sei jetzt aber nicht der Fall.

Erschliessung der Moschee überdenken

Da der Polizei die Hände gebunden seien, habe er einen Vorstoss eingereicht, sagt Urs Etter. Von der Stadt erwartet er, dass sie Spielregeln aufstellt. «Wir verstehen nicht, dass sich die Islamische Gemeinschaft an keinerlei Auflagen zu halten hat», so Etter. Auch muss seiner Ansicht nach die Erschliessung der Moschee noch einmal diskutiert werden. Eine Zufahrt übers Quartier sei unsinnig. Eine Alternative wäre für ihn die Erschlies­sung von der Glärnischstrasse her über eine Parallelstrasse zur Autobahn. Doch diesen Vorschlag habe die Stadt damals abgewiesen.

Urs Etter betont, dass sich die Anwohner aufgrund ihres Widerstands oftmals anhören müssten, sie seien islamophob oder rassistisch. Dies sei aber nicht der Fall. «Es geht uns einzig darum, dass es Regeln gibt und den Bedürfnissen der Bewohner Respekt entgegen gebracht wird.»

Anwohner um Geduld gebeten

Der Ramadan sei ein Höhepunkt im Jahresprogramm der Muslime, sagt Imam Bekim Alimi. Die Gläubigen treffen sich zum Gebet und essen nach Sonnenuntergang gemeinsam. «Diese Aktivitäten können zu Mehrverkehr und einer höheren Lärmbelastung führen», so Alimi. Etwas unglücklich sei zugegebenermassen, dass die Eröffnung der Moschee, die auch Tage danach noch viele Leute aus andern Städten der Schweiz angezogen habe, nur kurz vor dem Ramadan stattgefunden habe.

Die Belastung für das Quartier werde nach Ende der Fastenzeit auf jeden Fall abnehmen. Die Islamische Gemeinschaft könne es durchaus verstehen, dass sich die Nachbarn gestört fühlen und sei auch bereit zu Alternativen, sagt Alimi. Er ist im Gespräch mit den Behörden, um das grosse Bajramsfest in den Ebnetsaal auszulagern. Auch in Zukunft kann sich Bekim Alimi vorstellen, die grossen islamischen Festtage vom Quartier wegzunehmen und in einem Saal durchzuführen – im Stadtsaal etwa.

«Mit den Anwohnerinnen und Anwohnern haben wir das Gespräch gesucht und sie um etwas Geduld gebeten», sagt Bekim Alimi. Er betont aber auch, dass die Reklamationen immer von jenen kämen, die das islamische Begegnungszentrum seit vier Jahren bekämpften. Dass es bis 2 Uhr in der Nacht Lärm gebe, wie im Vorstoss von Urs Etter erwähnt, ist aus Alimis Sicht etwas übertrieben.

Was die Erschliessung der Moschee angeht, zeigt er sich aber mit dem FDP-Parlamentarier einig. «Wir haben die Idee einer Zufahrt von der Glärnischstrasse her während des ganzen Baubewilligungsprozesses unterstützt», sagt Bekim Alimi. Und man stehe nach wie vor hinter dieser Option. Natürlich sei klar, dass der Bau einer solchen Zufahrtsstrasse für die islamische Gemeinschaft weitere Kosten verursache, fügt der Imam an. «Doch auch für uns hat es absolute Priorität, dass die Anwohner ihre Ruhe haben.»