Disco schlug ein wie eine Bombe

Seit 20 Jahren feiern die «Oldies» aus Flawil und Umgebung ihre goldenen Musikjahre an der Oldies-Disco. Zum Jubiläum blicken die Organisatoren auf die ereignisreiche Geschichte ihrer Erfolgsparty zurück.

Michael Hug
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Das «Green Team» freut sich auf die 20. Ausgabe ihrer Oldies Party, die wiederum im Flawiler Lindensaal stattfinden wird. (Bild: Michael Hug)

Das «Green Team» freut sich auf die 20. Ausgabe ihrer Oldies Party, die wiederum im Flawiler Lindensaal stattfinden wird. (Bild: Michael Hug)

FLAWIL. Niemand jener Flawiler Neo-Oldies hätte damals je einen Gedanken daran verloren, dass ihr Projekt 20 Jahre überdauern würde. Und niemand hätte damals auch nur im geringsten erwogen, jemals mehr als 500 Leute dafür begeistern zu können. Es ging dem Ende des Jahres 1996 zu, einem Jahr, in dem etwas fehlte: Das «503», die Kultstätte vieler hiesiger Kulturgänger, die dem Abbruch der Hubatka-Liegenschaft (heute Migros-Supermarkt) zum Opfer fiel. Zwar fehlte es Flawil schon damals nicht an Veranstaltungskultur, doch das Programm, das im «503» für die Generation, die in den wilden Beat- und Rock 'n' Roll-Jahren aufgewachsen war, geboten wurde, fehlte schmerzlich.

Im «Rebstock» fündig geworden

«Was kann man machen?», fragte sich die heimatlos gewordene Szene der Passiv-Rock-Veteranen. Dani Müller erinnert sich: «Eigentlich brauchte es nicht viel, ein paar Platten, eine Soundanlage, ein paar Lichtorgeln.» Aber vor allem brauchte es einen adäquaten Raum. «Irgendwie kam dann der <Rebstock> in Alterschwil zur Sprache», so Müller. Es war die Geburtsstunde der ersten Oldies-Disco, die am zweiten Samstagabend des Januars 1997 in Saal und Gaststube des «Rebstocks» abgehalten wurde. Die Party der Oldies schlug ein wie eine Bombe.

Die rund 100 verkauften Eintritte der ersten Disco verdoppelten sich innert weniger Jahre. Ueli Siegenthaler: «Wir mussten bald die Kasse um neun Uhr schliessen, obwohl es erst um acht Uhr begann.» 200 Menschen bekamen Zutritt, mehr liess der «Rebstock»-Saal nicht zu. Der Ruf der Oldies-Disco sprach sich so schnell in der Region herum, dass die Fans schon um sieben Uhr erschienen, nur um sicher noch ein Ticket zu erhalten.

So ergab es sich, dass viele in der Januarkälte vor der Wirtshaustüre standen und abgewiesen werden mussten. «Es gab jedes Mal ein paar Frustrierte», erinnert sich Thomas Fritsche.

Schweiss und Bier flossen

Drinnen aber hatte die Stimmung schon längst diverse Höhepunkte überschritten. Schweiss und Bier flossen in Strömen, man tanzte und rockte wie ehedem in Jugendjahren. Zwischen stampfend hartem Rock und süssen Disco-Balladen traf man Jahrgänger und Schulfreundinnen, die man schon lange nicht mehr gesehen hatte. Man flirtete ungeniert mit Menschen, die man früher schon gerne angesprochen hätte.

Man erschien in Jeans und T-Shirt, wie einst in den einschlägigen Pfarrkeller-Discos von Uzwil bis Gossau, und man trug erste Falten im Gesicht sowie Ansätze an bestimmten Körpergegenden, die von einem wohl verlaufenden Leben zeugten. Man sprach über Kind und Kegel, über gebaute Einfamilienhäuser und gescheiterte Ehen, über Strafstunden in der Sek und frisierte Töfflis. Jede Stunde wurden die Plattenspieler angehalten und der Saal gelüftet. Nicht nur wegen des Zigarettenqualms, auch und vor allem wegen der angestauten Hitze.

Über zehn Jahre war die Party ausverkauft – und trotzdem war das «Greenteam» nicht ganz zufrieden. Man sah, dass man jedes Mal viele Fans abweisen musste und damit das Risiko bestand, dass diese und vielleicht noch mehr eines Tages nicht mehr kommen würden.

Doch dann kam der Lindensaal. Nicht so groovig wie die Alterschwiler Bauernbeiz, doch komfortabler. Dani Müller: «Wir dachten, es kämen vielleicht 300, und stellten Sitzgruppen und Tische in den Saal, damit es nicht so leer aussieht.» Doch es kamen 550. «Es war ein kleines Chaos», lacht Markus Graber heute.

Überraschung zum Jubiläum

Der Saal schluckte die Masse problemlos, aber diese Masse schluckte nicht eben wenig, so dass die Gastronomie einbrach. Heute hat sich der Zuschauerstrom auf 400 bis 450 eingependelt, meint Dani Müller, «und der Bierkonsum bei etwa 550 Litern», lacht Ueli Siegenthaler.

«Zur Geburtstags-Disco gibt es eine Überraschung», verspricht er, und Roger Dieckmann ergänzt: «Die Leute sagen stets, an der Flawiler Oldies-Disco gäbe es extrem geilen Sound. Diesmal gibt es extrem, extrem geilen Sound.»

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