Dimitri-Schüler und Freigeister

Heute Abend eröffnet die «Bühne am Gleis» mit dem Liedermacher Linard Bardill die Saison 2016/17. Im nächsten Jahr feiert die Kleinkunstveranstalterin mit der zehnten Spielzeit ein kleines Jubiläum.

Philipp Haag
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Das Duo Les Diptik hängt in seinen Mänteln und wartet auf seine Wiedergeburt. So auch am 19. November in Wil. (Bild: Philipp Haag)

Das Duo Les Diptik hängt in seinen Mänteln und wartet auf seine Wiedergeburt. So auch am 19. November in Wil. (Bild: Philipp Haag)

Er sieht die Welt mit den Augen seines Sohnes. Es handelt sich um eine Welt, die sich entschleunigt, die kleine und feine Alltäglichkeiten zu Tage fördert, denen der Durchschnittsbürger keine Beachtung (mehr) schenkt. Eine Welt, die lebenswert, sinnlich und faszinierend ist, für ein Kind mit Down-Syndrom und dessen Eltern aber auch Herausforderungen und Einschränkungen bereithält. Linard Bardill erzählt heute Abend auf der «Bühne am Gleis» vom Hier-und-jetzt-Leben seines Kindes. Der Churer Liedermacher eröffnet mit «Der kleine Buddha» die Saison der Kleinkunstveranstalterin. Eine Spielzeit, in welcher der Vorstand Bewährtes mit auf den «Bühne am Gleis»-Brettern noch nicht Dagewesenem mischt. Ein Programm, bei dem Verlässliches auf Unbekanntes trifft, bei dem der Vorstand bei den Engagements nicht nur auf Nummer sicher geht, sondern auch ein Wagnis mit kalkulierbarem Risiko eingeht. Ein Beispiel sind Les Diptik. Ein junges Duo, zwei Newcomer, Absolventen der Dimitri-Theaterschule im Tessin, die sich in «Hang up» durch ihr Programm hangeln, ein Mix aus Clownerie und Theater mit einer poetischen Note. Oder Zugluft, drei musikalische Freigeister, die mit einer nicht einordnebaren Instrumentierung auftreten und in ihrem «Brotrock» mutig der Improvisation die Reverenz erweisen.

Verschmelzen von verschiedenen Disziplinen

Auch das Programm der neunten Saison ist auf die seit Anbeginn der Kleinkunstbühne bestehende Philosophie ausgerichtet: das Verschmelzen von verschiedenen Disziplinen in einer Performance, sei es Musik, Tanz oder Theater. Das Spartenübergreifende, die Fertigkeit, unterschiedliche Elemente ineinander zu verweben, «zu sehen, wie und mit welchen Facetten die Künstlerinnen und Künstler den Übergang realisieren», gehört für Michael Fischer, Präsident der «Bühne am Gleis», zum Spannenden an den Auftritten. Dass dabei eine reine Wohlfühlblase im Keller an der Churfirstenstrasse entsteht, ist nicht Sinn der Sache. Kritische und skeptische Töne dürfen durchaus angeschlagen werden. Doch die Haltung soll humorvoll und respektvoll sein. Das Bejahende, das Aufbauende und das Inspirierende sollen die Darbietung tragen.

Ein Grundgedanke, der auch in der Jubiläums-Spielzeit verfolgt wird. Nächstes Jahr geht die «Bühne am Gleis» in die zehnte Spielzeit. «Ein kleiner Meilenstein», wie Michael Fischer sagt, der gefeiert werden soll. Wie, das ist noch nicht bestimmt.