Dieses Radteam sitzt seit 20 Jahren fest im Sattel

Mittwoch für Mittwoch sind sie mit dem Stahlross unterwegs, erklimmen Höhen, durchrollen Tiefen, die Frauen des Radelteams Wolfertswil. Diese Saison feierten sie das 20-jährige Bestehen: mit einer Mallorca-Reise.

Andrea Häusler
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Priska Kessler schwelgt nach wie vor gern in den Ferienerinnerungen, die Mallorca ihr und dem Radteam beschert hat. (Bild: Andrea Häusler)

Priska Kessler schwelgt nach wie vor gern in den Ferienerinnerungen, die Mallorca ihr und dem Radteam beschert hat. (Bild: Andrea Häusler)

Priska Kessler macht keinen Hehl daraus, dass auch leidenschaftliche Radfahrerinnen zuweilen gegen den inneren Schweinehund kämpfen.

«Manchmal ist es schon hart, braucht es Überwindung, die warme Stube zu verlassen.»

Einmal draussen und mit der Gruppe vereint, habe sich jedoch der Fokus jeweils schon wieder auf das bevorstehende Erleben und das gemeinsame Meistern von Herausforderungen gerichtet.

Unverbindliche Mitgliedschaft

Wie sie denken wohl die meisten des Radelteams Wolfertswil. Von den zwölf aktiven Frauen sind durchschnittlich zehn dabei, wenn es mittwochmorgens auf eine Tour in die nähere und weitere Umgebung geht. Deren vier seien seit 1999 dabei und hätten kaum jemals gefehlt, sagt Priska Kessler. Obwohl keine «Trainingsdisziplin» eingefordert wird, die Mitgliedschaft im «Club» unverbindlich und kostenlos ist.

Denn das Radelteam kein Verein ist, sondern ein loser Zusammenschluss gleichgesinnter Frauen, die ein gemeinsames Hobby haben und sich regelmässig mit ähnlich Gesinnten physisch und psychisch etwas Gutes tun möchten.

Auf Hügel und durch Talschaften

«Treffpunkt ist jeweils, vom Frühjahr bis in den Herbst, um 8.30 Uhr auf dem Kirchplatz», sagt Priska Kessler.

«Und um halb 12, rechtzeitig aufs Kochen, sind wir wieder zurück.»

Nicht vom Kafischwatz in einer benachbarten Beiz, sondern von einer Tour, die jeweils zwischen 30 und 40 Kilometer lang ist und auf unterschiedlich anspruchsvollen Routen quer durch die Region führt. Da wird schon einmal der Winzenberg erklommen, der Wild- oder Eppenberg. Aber auch Oberhelfenschwil und die Wasserfluh sind Ziele, die auf der Vormittagsrundfahrt angepeilt werden; genauso wie der Raum Herisau-Gübsensee.

Den Kafischwatz gibt’s gleichwohl. «Irgendwo unterwegs», sagt Priska Kessler, welche die Touren jeweils organisiert. Wobei auch im Sattel geplaudert werde. Obwohl die meisten Frauen mit mehr oder weniger herkömmlichen Bikes unterwegs sind. Eine Teilnehmerin sei in der vergangenen Saison aufs E-Bike umgestiegen, sagt Priska Kessler, und dieses Jahr sei eine weitere dem Beispiel gefolgt.

Täglich 60 Kilometer quer über die Insel

Das Radelteam ist ein reiner Frauenclub. Allerdings nicht bewusst, wie Priska Kessler betont. Eine Zeitlang sei auch ein Mann mitgefahren. Gepasst habe es jedoch nicht:

«Ihm wurde wahrscheinlich zu viel getratscht.»

Priska Kessler lacht und schlägt den liebevoll gestalteten Fotoband auf, der Bilder von der «Jubiläumsreise» nach Mallorca zeigt. Zu neunt seien sie im April gereist. Nicht um im Sand das Meer und die Sonne zu geniessen, sondern täglich rund 60 Kilometer auf dem Fahrrad abzuspulen.

Blauer Himmel, sommerliche Temperaturen und eine reizvolle Landschaft: die Wolfertswiler Radlerinnen auf Mallorca. (Bild: PD)

Blauer Himmel, sommerliche Temperaturen und eine reizvolle Landschaft: die Wolfertswiler Radlerinnen auf Mallorca. (Bild: PD)

Die fünf Tage seien quasi zum Trainingslager geworden, sagt Priska Kessler. Wenngleich nebst dem Sport auch Zeit für Besichtigungen und die Pflege der Geselligkeit geblieben sei.
Für sie war die Reise ein persönlicher Höhepunkt, der – nicht nur der zahlreichen Fotos wegen – noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Radeln über die Schlusstour hinaus

Mit den fallenden Blättern und Temperaturen neigt sich das Radlerjahr 2018 dem Ende zu. Die Schlusstour, die an den Walensee geführt hatte, liegt bereits zurück. Dennoch treffen sich die Wolfertswiler Radlerinnen weiterhin zur wöchentlichen Rundfahrt: «Des schönen Wetters wegen», wie Priska Keller sagt. Ohnehin habe man dieses Jahr viel Wetterglück gehabt:

«Nicht einmal musste die Tour wegen Regens abgesagt werden.»

Im Dezember treffen sich die Damen – übrigens alle zwischen 53 und 65 Jahre alt – zum Weihnachtsessen. Bis dahin stehen die Fahrräder definitiv im Keller. Und dann, im nächsten Frühling, wird wieder die eine oder andere Frau erwägen, mit den Wochentouren aufzuhören. Um sich schliesslich eines Besseren zu besinnen. Denn ohne Radelteam würde einfach etwas fehlen.