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Dieser Porsche kostete den Wiler Philippe Weder viele Nerven

Am liebsten setzt sich Philippe Weder ans Steuer eines Porsche und fährt los. Seit einigen Jahren vertieft er sich auch ins Innenleben eines Porsche-Oldtimers.
Daniela Huijser
Nächsten Frühling will Philippe Weder seinen Porsche-Oldtimer bereit für die «Jungfernfahrt» haben. (Bild: Lisa Jenny)

Nächsten Frühling will Philippe Weder seinen Porsche-Oldtimer bereit für die «Jungfernfahrt» haben. (Bild: Lisa Jenny)

Die Karosserie, die da aufgebockt in der Garage steht, glänzt zwar in edlem Irish Green, doch ansonsten ist ihr nicht viel abzugewinnen. Lediglich vier Räder deuten darauf hin, dass daraus mal ein Auto werden könnte. Alles andere fehlt: Armaturenbrett, Getriebe, Scheiben, der Motor. Immerhin lässt die schöne, sportliche Form erkennen, dass hier ein Porsche in Arbeit ist.

Wer sich an dieses Projekt wagt, ist bestimmt ein leidenschaftlicher Mechaniker mit viel Erfahrung. Könnte man meinen. Aber nein: Philippe Weder, der Besitzer dieses «Bausatzes», hatte bis vor kurzem noch keine grosse Ahnung vom Innenleben eines Autos. Der Unternehmensberater setzte sich lieber hinters Steuer eines fertigen Wagens und begab sich auf lange, genussvolle Ausfahrten.

Immer mehr Schwachstellen

Doch dann, 2015 an einer Automesse, entdeckte er einen orangefarbenen Porsche 912 aus dem Jahr 1969. Der war zwar als «Restaurationsobjekt» angeschrieben, doch das hinderte den Wiler Porsche-Fan nicht daran, den Wagen zu kaufen. «Ich habe mir nicht viel überlegt», gesteht er rückblickend.

«Das rächte sich nach und nach. Zuerst brachte ich ihn kaum in die Schweiz, denn das Auto hatte einen versteckten Motorenschaden.»

Eins gab das andere: immer mehr Schwachstellen und Rost, so weit das Auge reichte.

Philippe Weder liess aber noch nicht locker und schabte den orangen Lack in stundenlanger Feinarbeit ab. Denn mittlerweile wusste er, dass der 912er im Original in Irish Green lackiert war. Im Dezember 2017 nahm er den Oldtimer bis auf die letzte Schraube auseinander, legte alle Einzelteile in Kisten, Schachteln und Plastiksäcke. Dann, vier Wochen später, kam der Wagen ins Laugenbad. Und das war der Moment, in dem Weder die Nase voll hatte.

«Extrem viel gelernt»

«Ich war damals sehr nahe dran, den Porsche als Abbruchobjekt zu verkaufen», erinnert sich der 38-Jährige und schüttelt den Kopf. Doch dann lernte der leidenschaftliche Porschefahrer einen Karosseriespengler kennen, der ihm die Chance gab, gemeinsam am Oldtimer zu arbeiten. Weder, der sich als «Bürogummi mit zwei linken Händen» bezeichnet, packte diese Chance. Seine Partnerin Bonny, notabene eine ausgebildete Automechanikerin – allerdings eine Ford-Fachfrau –, unterstützte ihren Liebsten ebenfalls. Einerseits moralisch, aber auch aktiv in der Garage.

Langsam ging es aufwärts. Während Philippe Weder für den Arbeitsweg und für Passfahrten in der Freizeit einen seiner «fertigen» Porsches fuhr, ging es in der Werkstatt mit dem 912er ganz langsam vorwärts. «Ich habe bei diesem Auto extrem viel gelernt. Und vor allem gemerkt, dass ich mehr kann, als ich ursprünglich dachte», erzählt Weder mit einem Schmunzeln und einem stolzen Blick auf die dunkelgrün glänzende Karosserie.

«Zwar kam ich schon öfters an den Anschlag. Aber ich kannte meine Grenzen und liess zum Beispiel die Aufhängung sowie Bremsen und Lenkung von einem Vollprofi machen.»

Dazwischen konnte er sich über Lichtblicke freuen: So entdeckte er zum Beispiel einen Satz extrem seltener Fuchsfelgen am 912er. Schon zu Beginn stellte sich heraus, dass das Fahrzeug «Matching Numbers» hat, einen Nachweis, dass besagtes Fahrzeug mit eben jenem aktuell montierten Motor und Getriebe ursprünglich vom Band lief. Stundenlange Recherchen im Internet führten ihn sogar zu früheren Besitzern. Zu denen versucht er nun, Kontakt aufzunehmen.
Und so geht es nach und nach vorwärts. So gut, dass Philippe Weder den Zeitpunkt der «Jungfernfahrt» vom Sommer 2021 auf den Frühling 2020 vorgezogen hat. Aber er ist sich völlig darüber im Klaren, dass er sich nie mehr ein solches Projekt antun wird.

Philippe Weder restauriert einen 912 Porsche. (Bilder: Lisa Jenny)Philippe Weder restauriert einen 912 Porsche. (Bilder: Lisa Jenny)
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Philippe Weder

Auch Saab begeistert ihn

Als sich Philippe Weder kurz nach der bestandenen Autoprüfung seinen ersten Wagen kaufte – einen Opel Kombi – hätte er sich eh nie träumen lassen, dass er sich jemals derart in ein Auto vertiefen würde. Auch sein zweites Auto, ein Saab 9000 CSE, verleitete ihn nicht gross zum Schrauben unter der Motorhaube. Aber es steckte ihn mit dem Saab-Fieber an, mit dem er nach wie vor infiziert ist: Neben dem Porsche-«Bausatz» steht ein leuchtend gelbes Saab-Cabriolet und zudem ist Philippe Weder stolzer Besitzer eines «echten» Saab 900 Aero, Jahrgang 1993. «Die ‹Schweden-Panzer› waren genau richtig für mich, denn ich liebe grosse Autos», schwärmt er.

Mit 23 entdeckte er dann seine Liebe zu Porsches und kaufte sich einen 911er. «Der war in einem Topzustand, aussen blau, innen grün mit gelben Gurten – ein geiles Auto», ist Weder auch heute noch begeistert. Jenes «geile Auto» behielt er zwei Jahre und legte danach die Porsche-Liebe zu Gunsten eines Töffs für einige Jahre auf Eis, bis sie 2013 bei der Probefahrt mit einem luftgekühlten Modell neu erwachte – und fortan nicht mehr erlosch. Mittlerweile engagiert sich Philippe Weder beim Papillon Porsche Club St. Gallen sogar als Präsident
und schätzt den Austausch mit Gleichgesinnten.

Ab ins Mittelalter

In diesen Wochen müssen allerdings die Clubkollegen wie auch die Porsche und Saab etwas zurücktreten. Denn Philippe Weder ist vollauf mit einem Trip in die Vergangenheit beschäftigt: Als OK-Präsident trägt er die Verantwortung für das Hof-Spektakel, das die Stadt Wil vom 6. bis 8. September zurück ins Mittelalter versetzt. «Zum Glück sind wir ein geniales Organisationskomitee mit eingespielten Topleuten», schwärmt Weder.

Seine Vorfreude ist gross, auch wenn sich die Suche nach Sponsoren immer schwieriger gestaltet. Und dies, obwohl das Hof-Spektakel bereits zum siebten Mal durchgeführt wird und einen Ruf als «authentischstes Mittelalter-Spektakel» weit über die Schweizer Grenze geniesst. Authentisch wird auch Philippe Weder teilnehmen, als Krieger gewandet. Und sich während des Spektakels mit einzelnen Pferdestärken zufriedengeben: als Zuschauer bei den Ritterturnieren. Danach geht’s aber wieder zurück in die Garage, denn der Frühling 2020 rückt rasch näher.

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