«Diese Zeit hat auch eine unglaublich spannende Seite»: Auch für die Praktikantin der «Wiler Zeitung» ist die aktuelle Phase sehr speziell

Katja Brütsch ist Redaktionspraktikantin bei der «Wiler Zeitung». Sie beschreibt ihre von der Coronakrise geprägte Tätigkeit.

Katja Brütsch
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Seit einem Monat absolviert Katja Brütsch ein Praktikum bei der «Wiler Zeitung».

Seit einem Monat absolviert Katja Brütsch ein Praktikum bei der «Wiler Zeitung».

Bild: PD

Vor gut einem Monat bin ich zum ersten Mal in die Redaktion der «Wiler Zeitung» an der Oberen Bahnhofstrasse in Wil getreten. Nichts ahnend, dass ich nur zwölf Tage statt der geplanten vier Monate tatsächlich hier verbringen werde. Seit dem 16. März arbeite ich, wie so viele Arbeitnehmer, wegen des Coronavirus von zu Hause aus.

Auch thematisch ist das Coronavirus seit meinem Praktikumsstart allgegenwärtig. Ich beschäftige mich mit verschiedenen Aspekten des Virus und der Massnahmen gegen die Ausbreitung ebendieses. Mein erster Artikel – eine Strassenumfrage, wie stark Corona den Alltag der Passanten beeinflusst – ist bald geschrieben.

Vorteil des zweiten Praktikums

In den ersten Tagen gewöhne ich mich schnell an das Tagesgeschäft auf der Redaktion. Dabei kam mir sicher zugute, das dies schon mein zweites Praktikum im Tagesjournalismus ist. Vor gut einem Jahr war ich Praktikantin bei den «Schaffhauser Nachrichten» und konnte dort erste Eindrücke sammeln.

Richtig Fahrt nimmt meine Arbeit am 13. März auf. Ich soll einen Artikel schreiben, der die Stimmung der Schulen bezüglich des Coronavirus widerspiegelt. Die Telefone sind gemacht, der Artikel schon fast geschrieben, als die Medienkonferenz des Bundesrats beginnt. Gespannt verfolge ich die ernsten Ansprachen der Bundesräte. Schnell ist klar, dass die morgige Zeitung einschliesslich meiner Schulen-Geschichte Schnee von gestern ist.

Spontane Sitzung, neue Aufschlagseite

In einer spontanen Sitzung der Redaktion wird die Aufschlagseite über den Haufen geworfen und umdisponiert: Mein Artikel soll nun die beschlossene Schulschliessung thematisieren. Also mache ich mich an die Arbeit und versuche den merkbar unter Stress stehenden Schulleitern, Schulratspräsidenten und Kommunikationsverantwortlichen ein, zwei Statements zu entlocken. Ich erfahre so direkt wie selten, was es tatsächlich heisst, Tagesjournalismus zu machen. Solange der Tag nicht vorbei ist, kann sich alles ändern.

Über das Wochenende versuche ich, Corona in den Hinterkopf zu verdrängen, beschäftige ich mich unter der Woche doch mit fast nichts anderem mehr. Am Sonntagabend kommt dann jedoch die Nachricht, dass auch die Redaktion der «Wiler Zeitung» auf Homeoffice umstellt. Da alle meine Unterlagen, Telefonnummern und Notizen jedoch noch in Wil sind, gehe ich am Montagmorgen in die Redaktion. Ein bisschen fühle ich mich mit der Situation überfordert, da mein Praktikum erst vor zwei Wochen begonnen hat. Zum Glück kann ich auf viel Unterstützung und Verständnis von Seiten meiner Kolleginnen und Kollegen auf der Redaktion zählen. Heute sind wir noch zu dritt anwesend, alle anderen arbeiten bereits von zu Hause.

Konzentration und Effizienz im Homeoffice schwieriger

In den nächsten Tagen arbeite ich im Homeoffice. Es fällt mir deutlich schwerer, mich zu konzentrieren und effizient zu schreiben. Die Zeitung wird dünner und aufgrund des Lockdowns fehlen uns die Berichte über Veranstaltungen, Sport und das öffentliche Leben. Zwischen all der Coronathematik komme ich noch dazu, ein paar andere Artikel zu schreiben. So stelle ich die Maturaarbeit einer Eschliker Maturandin vor. Doch auch hier geht es nicht ganz ohne Corona. Das Gespräch findet nur über das Telefon statt und ich muss sie bitten, selbst ein Bild von sich zu machen.

Meine eigene Haltung gegenüber dem Coronavirus ist zwiespältig. Auf der einen Seite finde ich es beängstigend und schockierend zu sehen, unter welchen Umständen in Italien und Spanien die Spitäler knapp noch funktionieren. Die Ungewissheit, ob es in der Schweiz auch so weit kommen wird, macht sich breit.

Geschlossene Grenzen spüre ich direkt

Die Massnahmen des Bundes gewissenhaft zu befolgen, scheint mir selbstverständlich. Die geschlossenen Grenzen bekomme ich zu Hause, in der Nähe von Schaffhausen zu spüren. Spazierwege sind abgesperrt und immer wieder überfliegen Militärhelikopter die Grüne Grenze. Bekannte erzählen, dass sie ihren Partner in Deutschland nur noch über einen Zaun hinweg sehen können und dabei auch von der Polizei im Auge behalten werden. Es herrscht ein nie da gewesener Ausnahmezustand.

Auf der anderen Seite ist diese Zeit unglaublich spannend. Die Bedeutung von aktuellem und gut recherchiertem Tagesjournalismus wird mir bewusst. Auch wenn ich nur einen kleinen Einblick in dieses Metier habe, fasziniert mich die plötzlich bewusst gewordene Verantwortung. Bei jedem Artikel muss abgewogen werden, ob er schon Panik schürt oder zur Information der Bevölkerung beiträgt.

Immer wieder wird auch das Thema Kurzarbeit laut. Zahlreiche Unternehmen haben bereits beantragt und auch CH Media, zu dem die «Wiler Zeitung» gehört, folgt. Seit dem 1.April gilt nun auch bei uns Kurzarbeit: Eine neue Herausforderung, der auch ich mich nun stellen kann oder muss.