Diese geschichtsträchtige Liegenschaft am Wiler Nieselberg ist eng mit der Geschichte der ehemaligen Fürstabtei St.Gallen verbunden

Die Bischofsburg wurde im 18.Jahrhundert von der Familie von Thurn errichtet. Der 1629 in Wil geborene Fidel von Thurn Zeit gilt unter Historikern gar als einflussreichster Beamter des Fürstabtes.

Adrian Zeller
Drucken
Teilen
Die Bischofsburg am Nieselberg.

Die Bischofsburg am Nieselberg.

Bild: Adrian Zeller

Am Wiler Nieselberg fällt ein stattliches Gebäude auf, das an eine Burg erinnert. Es wurde im 18.Jahrhundert von einer einflussreichen Familie errichtet. Die von Thurns waren ein Geschlecht des niederen Adels, die sich Verdienste um die St.Galler Fürstabtei erworben hatten. Sie erhielten vom Fürstabt den Namenszusatz Valsassina verliehen. In Wil sind eine Strasse sowie ein Weg nach der Familie benannt.

Als Stammvater der in Europa weitverzweigten Familie gilt Ludwig von Thurn. Der aus Konstanz stammende Apotheker liess sich 1603 in Wil nieder und wurde 1613 eingebürgert. Er kam durch Tuchhandel zu einigem Vermögen. Ludwig von Thurn erwarb unter anderem Grundbesitz auf Neulanden. Dort errichtete er ein Herrenhaus, das als Bischofsburg bezeichnet wurde, später nannte man es Schlösschen. Mit Bewilligung des Fürstabtes wurde in ihm eine Hauskapelle eingerichtet. Es kam zudem ein stattliches Bauernhaus für einen Gutsbetrieb hinzu.

In seiner heutigen Form entstammt das Gebäude einem Umbau und einer Renovation von 1979 sowie von 2001. Es ist ein geschütztes Kulturobjekt. Gelegentlich wird es auch als Obere Neulanden bezeichnet. Heute ist es als Wohnhaus in Privatbesitz.

Einflussreicher Beamter aus Wil

Ein besonders einflussreiches Mitglied der Familie war der Sohns Ludwigs, der 1629 in Wil geborene Fidel, der von seinem Vater die obige Liegenschaft erhielt. Er lebte in der Zeit des Barock.

Fidel von Thurn.

Fidel von Thurn.

PD

1646 heiratete er Margarita Wirz von Rudenz. Ein Jahr später wurde er zum Rat des St.Galler Fürstabtes ernannt. Er amtete häufig als Abgeordneter seines Dienstherrn an den eidgenössischen Tagsatzungen. Historiker werten ihn zu seiner Zeit als einflussreichster Beamter des Fürstabtes. Fidel von Thurn leitete unter mehreren Äbten die Politik des Klosters St.Gallen und hatte eine Reihe von weiteren Ämtern inne, so war er unter anderem Hofamann von Wil, Obervogt von Rorschach sowie oberösterreichischer Geheimrat. Er trug die Titel Landeshofmeister sowie Erbmarschall.

Zudem betätigte er sich gegen grosszügiges Entgelt als Anwerber von Soldaten für Frankreich. Später stellte er sich in den Dienst des deutschen Kaisers, der ihm seinerseits Geld und Geschenke zukommen liess und ihm dem Titel eines Freiherrn verlieh. Er pflegte einen regen Briefwechsel mit führenden Persönlichkeiten der Eidgenossenschaft sowie Österreichs und Spaniens.

Geschickter Taktierer mit eigennützigen Zielen

1676 kaufte er das Schloss Wartegg bei Staad sowie die Gerichtsherrschaft und das Schloss in Berg TG. Die bekannte Dichterin Annette von Droste-Hülfshoff hat diesem ein langes Gedicht gewidmet. 1701 verehelichte sich Fidel von Thurn ein zweites Mal, diesmal mit Eleonara von Heidenheim.

Von Thurn verstarb 1719 hochbetagt in Lindau. Er wurde ein Rorschach beigesetzt, wo er sich noch zu Lebzeiten ein Grabmal errichten liess. Er galt als geschickter Taktierer, der dabei auch sehr eigennützige Ziele verfolgte.

Das Grabmal von Fidel von Thurns.

Das Grabmal von Fidel von Thurns.

Bild: PD