Diese Chance gibt es nur alle vier Jahre – Die Analyse vor den Kantonsratswahlen im Wahlkreis Wil

Am spannendsten wird die Frage, wer die Nachfolge des zurücktretenden Peter Hartmann (SP) antritt.

Hans Suter
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Hans Suter, Stellvertretender Redaktionsleiter.

Hans Suter, Stellvertretender Redaktionsleiter.

Bild: PD

Am Sonntag in einer Woche können die Stimmberechtigten des Wahlkreises Wil an der Urne bestimmen, von welchen 18 Personen sie sich in den nächsten vier Jahren im 120-köpfigen St.Galler Kantonsrat vertreten lassen wollen. Dass der Wahlkampf ausgesprochen ruhig – um nicht zu sagen: zum Einschlafen langweilig – verlaufen ist, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es um wichtige Mandate geht.

Wohl deshalb will auch niemand von den Bisherigen Platz machen. Bis auf den weit über die Parteigrenzen hinaus geachteten Flawiler SP-Kantonsrat Peter Hartmann, der nach 20 Amtsjahren nicht mehr antritt. Ob die SP diesen Sitz verteidigen kann, wird sich weisen: Es buhlen neun Parteien mit acht Listen und 171 Kandidierenden um die 18 Sitze in der Pfalz.

SVP will ihre Sitze halten

Seit den Wahlen von 2016 ist die SVP mit einem Wähleranteil von 30 Prozent und sechs Sitzen die stärkste Partei im Wahlkreis Wil. Und sie möchte es bleiben. Mit einem Sitzgewinn rechnet die Schweizerische Volkspartei aber nicht. Die Devise lautet nüchtern: Halten. Kämpferischer gibt sich die CVP, mit 20 Prozent Wähleranteil die zweistärkste politische Kraft. Sie hat sich einen Zugewinn von einem auf neu fünf Mandate zum Ziel gesetzt und will dazu den Wähleranteil auf 23 Prozent steigern.

Die FDP gibt sich bescheidener: Sie möchte ihre vier Sitze verteidigen und den Wähleranteil von knapp 19 auf 20 Prozent steigern. Mehr dürfte für die Freisinnigen in der aktuellen politischen Stimmungslage auch nur schwerlich möglich sein. Im Gegensatz zu den Sozialdemokraten, die sich zumindest nach aussen kämpferisch geben: Sie streben an, die Zahl ihrer Mandate von einem auf vier und den Wähleranteil von 15,7 auf 18 Prozent steigern. Der frei werdende Sitz von Peter Hartmann erschwert dieses Unterfangen allerdings. Möglicherweise kann die SP aber von der aktuellen Klimadebatte zu Lasten bürgerlicher Parteien profitieren.

Grüne wollen ihre Sitzzahl verdoppeln

Darauf hoffen wohl auch die Grünen, die seit den nationalen Wahlen Dauerhöhenflug fühlen. Ihr Ziel ist, ihre Sitzzahl auf zwei zu verdoppeln und den Wähleranteil von 8,5 auf 10,5 Prozent auszubauen. Auch die Grünliberalen melden sich zurück. Nach dem Wahlerfolg von 2012 mit einem Wiler Sitzgewinn ist die GLP bei den Wahlen 2016 völlig untergegangen. Der Wähleranteil brach von 8 auf noch 2,85 Prozent ein. Während die Wiler GLP-Kantonsrätin 2016 nicht zur Wiederwahl antrat, kämpft sie diesmal um eine Rückkehr. Das Ziel lautet: Einen Sitz gewinnen und einen Wähleranteil von mehr als 5 Prozent erreichen.

Ebenfalls auf einen Sitz hoffen die EVP und die BDP mit ihrer gemeinsamen Liste. Da Listenverbindungen von verschiedenen Parteien bei den St.Galler Kantonsratswahlen nicht erlaubt sind, haben sie sich zu diesem Schritt entschieden. Der Wähleranteil der Evangelischen Volkspartei und der Bürgerlich-Demokratischen Partei betrug bei den Wahlen von 2012 noch 8 Prozent, brach 2016 aber auf 2,8 Prozent ein, weil die EVP nicht zu den Wahlen antrat. Die BDP verlor damals ihren Wiler Sitz (Patrick Hilb) im Kantonsparlament. Um einen Sitz zu erreichen, muss der Wähleranteil wieder auf leicht mehr als 5 Prozent gesteigert werden. Das ist zwar nicht ausgeschlossen, dürfte aber nicht einfach werden. Keine Hoffnung auf einen Sitz macht sich die EDU mit der Flawilerin Rosa Fässler als einziger Kandidatin.

Wenige Frauen für den Wahlkreis

Mit 14 Mandaten dominieren die Bürgerlichen (SVP, FDP) und die Mitte (CVP) gegenüber der Linken (SP, Grüne) mit nur vier Sitzen den Wahlkreis Wil in der Pfalz deutlich. Der Frauenanteil ist mehr als bescheiden: Mit Ursula Egli-Seliner (SVP, Wil) und der für Franz Mächler (FDP, Wil) 2019 nachgerückten Caroline Bartholet-Schwarzmann (Oberuzwil) sind nur zwei der 18 Sitze mit Frauen besetzt. Bis zu einem ausgeglichenen Abbild der Bevölkerungsstruktur liegt noch ein weiter Weg vor Mitte-rechts.

Auffallend ist bei den diesjährigen Kantonsratswahlen: Nur wenige der 2016 Gewählten haben ihr Mandat vor Ablauf der vierjährigen Legislaturperiode niedergelegt. Sepp Sennhauser (CVP, Wil) konnte für Martha Storchenegger (CVP, Jonschwil) und Caroline Bartholet (FDP, Oberuzwil) für Franz Mächler (FDP, Wil) nachrutschen. Sie haben nun den Vorteil, mit dem Status «bisher» zur Wiederwahl antreten zu können.

Obwohl die Chance, seine Volksvertreter selber zu wählen, nur alle vier Jahre kommt, war wenig von Wahlkampf spürbar. Wären nicht einige Plakate herumgestanden und hätten die Parteien nicht ein paar Inserate geschaltet, hätte man kaum etwas davon gemerkt. Mit welcher Beteiligung die Wählerinnen und Wähler den flauen Wahlkampf quittieren, darüber werden wir am Sonntag, 8. März mehr wissen.

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