«Diese Aufholjagd war ein Wunder»: Die Jonschwiler Unihockeyspielerin Andrea Gämperli wurde zur besten Amateursportlerin des Kantons St. Gallen gekürt

Die Nationalspielerin Andrea Gämperli ist St.Galler Amateursportlerin des Jahres 2019. Die 25-Jährige setzte sich unter anderem gegen das Uzwiler Kunstradduo Fabienne Hammerschmidt/Lukas Burri durch. Zudem wurde der Tennisclub Wil zum Verein des Jahres auserkoren und Bruno Schöb, der langjährige Geschäftsleiter der IG St. Galler Sportverbände, verabschiedet.

Tim Frei
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Andrea Gämperli freut sich über ihre Auszeichnung.

Andrea Gämperli freut sich über ihre Auszeichnung.

Bilder: Andrin Owassapian

Das sensationelle Comeback des Schweizer Frauennationalteams an der Heim-WM 2019 in Neuenburg gegen Tschechien liegt zwar schon über neun Monate zurück. Doch als die Spielerin Andrea Gämperli in Wil an der Sportgala der IG St. Galler Sportverbände zur besten Amateursportlerin 2019 geehrt wird und Bilder der Aufholjagd sieht, bekommt sie wieder Gänsehaut: «Diese Aufholjagd vom 1:6 zum 7:6 war ein Wunder. Ich werde diesen Moment nie vergessen», sagt die Jonschwilerin und fügt an:

«Diese Rückkehr hat gezeigt, dass man als Team alles erreichen kann, wenn man daran glaubt.»

Gämperli hat mit sieben Jahren beim UHC Jonschwil Vipers mit Unihockey begonnen. Dass sie zu dieser Sportart gefunden hat, kommt nicht überraschend. Nachdem ihr ältester Bruder den Verein gegründet hatte, begannen Andrea Gämperli und ihre vier weiteren Geschwister mit Unihockey.

NLA-Topskorerin, wertvollste Spielerin und Début für das Nationalteam

Gämperli hat sich zu den besten Schweizer Unihockeyspielerinnen entwickelt. In der Saison 2016/2017, in der sie mit Kloten-Dietlikon Schweizer Meisterin, Cupsiegerin und Gewinnerin des Supercups wurde, ging der Stern der Mittelstürmerin auf: Als NLA-Topskorerin wurde sie zur wertvollsten Spielerin gekürt, zudem gab sie ihr Début im Nationalteam.

Bei diesem Leistungsausweis überrascht es nicht, spielt Gämperli seit der Saison 2019/2020 für Malmö in Schweden und damit in der besten Liga der Welt. Dazu Gämperli: «Ich habe diese Herausforderung gesucht. Das Niveau ist nochmals höher als in der Schweiz. Davon hat auch mein Spiel profitiert: Ich trete körperbetonter auf und habe auch Fortschritte in Sachen Schnelligkeit gemacht.»

Mit 1,84 m Körpergrösse immer die grösste Spielerin in ihren Teams

In mehr als einer Woche wird Gämperli ihre zweite Saison mit Malmö in Angriff nehmen. Für die Ehrung in der Wiler Tonhalle ist sie extra in die Schweiz geflogen. War das in der aktuellen Zeit nicht umständlich? «Nein, überhaupt nicht», sagt sie. «Die Coronafallzahlen in Schweden sind deutlich tiefer als hierzulande, deshalb war das alles kein Problem.»

Gämperli fällt sofort auf, wenn sie einen Raum betritt. Sie hat nicht nur immer ein Lächeln im Gesicht, sondern überragt mit 1,84 m Körpergrösse die meisten Unihockeyspielerinnen. Sie war bisher in jedem Team die grösste Spielerin. «Das ist ein grosser Vorteil, was die Reichweite betrifft», sagt sie. Es gebe aber natürlich auch Nachteile, zum Beispiel, wenn das Mannschaftsfoto gemacht wird: «Ich muss dann immer schauen, wo der beste Platz für mich ist», sagt sie und lächelt verschmitzt.

Tennisclub Wil ist Verein des Jahres

Als Verein des Jahres 2019 des Kantons St. Gallen wurde der Tennisclub Wil ausgezeichnet. Die Wiler setzten sich gegen den KTV Altstätten und den Tennisclub St.Otmar durch. Die Ehre für den TC Wil ist speziell, feiert er doch dieses Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Wobei: Das grosse Jubiläumsfest musste aus bekannten Gründen auf später verschoben werden.

Beim Tennisclub Wil herrscht Freude nach der Auszeichnung «Verein des Jahres».

Beim Tennisclub Wil herrscht Freude nach der Auszeichnung «Verein des Jahres».

Daniel Rohner, von 2013 bis Sommer 2020 Präsident des TC Wil, sagt dazu: «Diese Ehrung ist das I-Pünktchen auf diese tollen acht Jahre mit lauter Höhepunkten. Doch es gab auch einen Tiefpunkt, als wir die Tennisanlage wegen des Lockdowns schliessen mussten. Da hat mein Herz geblutet.»

Uzwiler Kunstradfahrer Fabienne Hammerschmidt und Lukas Burri unter den Nominierten

Mit den Kunstradfahrern Lukas Burri und Fabienne Hammerschmidt haben es zwei weitere Sportler unter die Nominierten in der Kategorie Amateur geschafft. Diese Wertschätzung hat sich das Zweierteam vom Verein Kunstradfahren Uzwil ohne Frage verdient: Das Duo ist viermaliger WM-Medaillengewinner und mehrfacher Schweizer Meister. Nach dieser Saison werden Burri und Hammerschmidt ihre erfolgreiche Karriere beenden – weil die WM abgesagt wurde, werden die beiden ihren letzten Auftritt wohl im Oktober an den Schweizer Meisterschaften haben.

Mit Sven Ris von Voltige Lütisburg wurde beim Nachwuchspreis ein weiterer Sportler aus der Region nominiert. Dies hatte er sich mit Silber an der Junioren-WM 2019 verdient. Zur besten Nachwuchssportlerin wurde die Skifahrerin Nicole Good ausgezeichnet.

«Ein Chrampfer für den Sport»: Bruno Schöb verabschiedet

Im Sommer war Bruno Schöb als langjähriger Geschäftsleiter der IG St. Galler Sportverbände und Initiator des Qualitätslabels «Sport-verein-t» zurückgetreten und in den verdienten Ruhestand gegangen. Weil die Delegiertenversammlung und die Sportgala während des Lockdowns nicht stattfinden konnten und in den September verschoben wurde, wurde der Gamser erst jetzt offiziell verabschiedet. Regierungsrat Stefan Kölliker war in seiner Rede voll des Lobes für den in Wil wohnhaften Schöb:

«Die Offa-Sportausstellung und die Sportgala tragen deine Handschrift und sind nicht mehr wegzudenken. Und vor allem hast du als Initiator und Projektleiter das Qualitätslabel über die Kantonsgrenzen hinweg bekanntgemacht.»

Die St. Galler Sportlandschaft und Regierung hätten über alle Jahre von seiner Expertise und seiner Begeisterung profitiert: «Bruno, du bist ein Chrampfer für den Sport gewesen. Das Qualitätslabel ‹Sport-verein-t› ist dein Lebenswerk.»

Der 65-jährige Bruno Schöb war von 2005 bis 2020 Geschäftsleiter der IG St. Galler Sportverbände. 2004 hat er das Qualitätslabel «Sport-verein-t» ins Leben gerufen.

Der 65-jährige Bruno Schöb war von 2005 bis 2020 Geschäftsleiter der IG St. Galler Sportverbände. 2004 hat er das Qualitätslabel «Sport-verein-t» ins Leben gerufen.

Schöb, der für sein langjähriges Engagement für den Sport und seine Vereine zum Ehrenmitglied ernannt wurde, sagte: «Vielen Dank für diese grosse Ehre, ich bin sehr gerührt nach diesen Worten und dieser Wertschätzung. Für mich war es eine Herzensangelenheit, mich für die Sportler, die Vereine und Verbände einzusetzen.» Zum Schluss betonte er die Bedeutung der Sport-Toto-Beträge: «Sie sind überlebenswichtig für die Vereine.»

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