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Die Zukunft gehört Versorgungsnetzwerken: Die Spital-Studie von PWC gilt auch für Wil

Die hohen jährlichen Gesundheitskosten zwingen zur Entscheidung: mehr bezahlen oder Kosten senken.
Hans Suter
Mit seiner Entscheidung, wo er sich operieren lässt, entscheidet ein Patient auch über die Zukunft eines Spitals mit. (Bild: Reto Martin)

Mit seiner Entscheidung, wo er sich operieren lässt, entscheidet ein Patient auch über die Zukunft eines Spitals mit. (Bild: Reto Martin)

Ein Spital direkt im oder nahe am Wohnort vermittelt der Bevölkerung ein Gefühl der Sicherheit. Wenngleich damit in erster Linie die akute Notfallversorgung gemeint ist, etwa für den Fall eines Herzinfarkts, Hirnschlags oder Unfalls. Für planbare Operationen wie ein neues Hüftgelenk begibt man sich dagegen gerne in eine darauf spezialisierte Klinik – zum Nachteil des Spitals am Wohnort. Dabei geht gerne vergessen, dass ein Spital gerade für Orte wie Flawil, Wil oder Wattwil auch ein Statussymbol und ein wichtiger Arbeitgeber ist.

Immer häufiger wird die zunehmende Individualisierung der Gesellschaft beklagt. «Jeder schaut nur noch für sich», lautet ein viel zitierter Ausspruch. Den Wiler kümmert das Spital in Flawil oder Wattwil wenig, dem Rheintaler wiederum ist es egal, ob Wil ein Spital hat. Hauptsache, die eigene Situation ist stimmig. Doch wie lange noch?

Zukunft gehört regionalen Versorgungsnetzwerken

Vor dem Hintergrund einer fortschreitenden Entsolidarisierung und stetig steigender Gesundheitskosten wird die St.Galler Regierung voraussichtlich Ende Oktober ihre aktualisierte Spitalstrategie vorstellen und in die Vernehmlassung schicken. Es darf angenommen werden, dass die Regierung in ihrer Beurteilung nicht nur den Kanton St.Gallen, sondern auch die Spitallandschaft Schweiz vor Augen haben wird.

Wie diese heute aussieht und in Zukunft aussehen könnte, hat unlängst eine Studie des Beratungsunternehmens PWC untersucht. Die Autoren kommen zum Schluss:

«Das Schweizer Gesundheitswesen steht vor einer Trendwende. Die bisherigen Wachstumsstrategien funktionieren vielfach nicht mehr. Die Zukunft gehört regionalen Versorgungsnetzwerken, die sich an den Bedürfnissen der Patienten orientieren und wirtschaftlich langfristig tragbar sind.»

Darin eingeschlossen sind auch die Bereiche Rehabilitation, Psychiatrie sowie Alters- und Pflegeheime. Die akutsomatischen Anbieter (Akutspitäler) versorgen laut PWC die 8,5 Millionen Schweizer Einwohner mit einer umfassenden Grundversorgung und spezialisierten Gesundheitsleistungen.

163 Später mit 23'250 Betten

Der Markt für akutsomatische Einrichtungen beläuft sich gemäss den Erhebungen auf 22,8 Milliarden Franken. «Das entspricht 28,3 Prozent der viel zitierten 80 Milliarden Franken, die das Gesundheitswesen jährlich volkswirtschaftlich kostet», halten die Autoren fest. Über die letzten fünf Jahre sei der Markt im Durchschnitt um 3,8 Prozent jährlich gewachsen. Die stationären Fallzahlen lägen in der Schweiz bei rund 1,3 Millionen. In 163 akutsomatischen Spitälern (bzw. Spitalgruppen oder Netzwerken) würden mit insgesamt 23'250 akutsomatischen Betten rund sieben Millionen Pflegetage erbracht. Die Bettenauslastung liegt gemäss den Auswertungen von PWC bei durchschnittlich 82 Prozent.

Pro 1'000 Einwohner stünden 2,7 Spitalbetten zur Verfügung, wobei regionale Unterschiede bestünden. Ungeachtet der Bevölkerungsdichte zeige sich um den Genfersee, Zürichsee, in der Region Basel sowie im Einzugsgebiet der Stadt St.Gallen eine Vielzahl von Spitalstandorten.

Im Kanton St. Gallen ist die staatliche Spitälerlandschaft in vier Regionen gegliedert:

  • Das Zentrumsspital St.Gallen, Rorschach und Flawil bilden die Spitalregion 1
  • Altstätten, Grabs und Walenstadt die Spitalregion 2
  • Uznach die Spitalregion 3
  • Wattwil und Wil die Spitalregion 4

Die Institution Ostschweizer Kinderspital (OKS) ist eine privatrechtliche Stiftung unabhängig vom Verwaltungsrat der Spitalverbunde. Der Kanton Thurgau hat je ein Spital in Frauenfeld und Münsterlingen.

Fünf Hypothesen, die auch für die Region Wil-Toggenburg gelten

Die immensen Gesundheitskosten belasten die Kantone und ihre Bürgerschaft immer stärker. Der Ruf nach kostenstoppenden oder -senkenden Massnahmen wird immer lauter. Doch wie sollen diese aussehen? Aufgrund ihrer Beobachtungen stellen die Autoren der PWC-Studie die folgenden fünf Hypothesen auf:

  1. Der Trend «ambulant vor stationär» hat sich in den vergangenen Jahren verdeutlicht und hält an. Das führt zu gleichbleibenden oder sinkenden stationären Fallzahlen und Erträgen.
  2. Effiziente ambulante Prozesse mit grosser Flexibilität bei der Leistungserbringung werden immer wichtiger. Damit wollen die Versorger einerseits der steigenden ambulanten Nachfrage entsprechen und anderseits die Kostenstrukturen optimieren.
  3. Kleinere Spitäler verlieren immer mehr Fälle an Universitäts- und Zentrumsversorger. Das beschleunigt die Strukturbereinigung – und die Spitalstrukturen werden zunehmend grösser.
  4. Durch die Einführung von Mindestfallzahlen richten kleinere Häuser ihr Angebot teils neu aus. Das erfordert Zeit und schafft zusätzlichen Wettbewerbsdruck in diesem Segment, wenn die Neuausrichtung nicht über die gesamte Versorgungsregion erfolgt.
  5. Aus dem Fachkräftemangel resultiert eine anspruchsvolle Nachbesetzung vakanter Stellen und schliesslich höhere Lohnkosten, insbesondere bei kleineren Spitälern.

Wie sich die Gesamtkosten des schweizerischen Gesundheitswesens entwickeln werden, bleibe abzuwarten. Die jährlichen Pro-Kopf-Ausgaben haben mittlerweile die 10'000-Franken-Marke erreicht.

Die Resultate der Online-Umfrage

Im Rahmen der Debatte rund um das Spital Wil hat die «Wiler Zeitung» eine Online-Umfrage durchgeführt. Als erstes wurden die Leserinnen und Leser gefragt, ob sie der Meinung sind, dass es das Spital Wil braucht, wie es heute besteht. 500 Antworten gingen ein auf diese Frage. Auf dem Antworten-Tachometer fanden sich 50 Prozent der Stimmen auf der Seite, die das Spital in seiner heutigen Form befürwortet. 10 Prozent zeigten sich unentschlossen und 40 Prozent waren der Meinung, dass Wil kein Spital braucht.

Die zweite Frage wollte in Erfahrung bringen, wie viele der Umfrageteilnehmerinnen und Umfrageteilnehmer sich – Notfälle ausgenommen – schon einmal im Spital Wil hatten behandeln lassen. 50 Prozent der rund 300 Antworten lauteten Nein, während 40 Prozent angab, schon einmal in Wil behandelt worden zu sein.

Auf die letzte Frage, warum man sich bisher nicht in Wil behandeln lassen hat, antworteten schliesslich noch gut 160 Personen. Dabei machten 15 Prozent finanzielle Gründe geltend, 28 Prozent begründeten es mit dem Ruf des Spitals und 56 Prozent antworteten mit «andere Gründe».

Obwohl die nicht repräsentative Umfrage rege genutzt wurde, ist beim Betrachten der Resultate Vorsicht geboten. So war beispielsweise nicht ersichtlich, wie viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Wil oder Umgebung wohnen.

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