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Die Zukunft des Spitals Wil ist nicht gesichert – auch wenn der St.Galler Kantonsrat dem Notkredit zustimmen sollte

Am Dienstag entscheidet der Kantonsrat über einen Notkredit für die Spitalregion Fürstenland Toggenburg. Gerettet ist damit aber wenig.
Hans Suter
In das Spital Wil wurden zwar unlängst knapp 10 Millionen Franken investiert. Dennoch der Bau von 1970 ist in die Jahre gekommen. Um das Jahr 2025 steht ein Totalumbau oder Neubau an. (Bild: Mareycke Frehner)

In das Spital Wil wurden zwar unlängst knapp 10 Millionen Franken investiert. Dennoch der Bau von 1970 ist in die Jahre gekommen. Um das Jahr 2025 steht ein Totalumbau oder Neubau an. (Bild: Mareycke Frehner)

Um die Spitalregion Fürstenland Toggenburg (SRFT) mit den zwei Spitälern Wil und Wattwil steht es schlecht. Seit fünf Jahren werden die finanziellen Ziele nicht erreicht. Schlimmer noch: Die Spitalregion 4, wie sie auch genannt wird, befindet sich in einer akuten Liquiditätskrise, aus der sie ohne Hilfe von aussen kaum mehr herausfinden wird. Allein für das laufende Jahr droht ein Verlust von 6,7 Millionen Franken. Und auch in den nächsten zwei, drei Jahren drohen Millionendefizite. Die unweigerliche Folge wäre der Konkurs. Soweit wird es aber nicht kommen.

Der Verwaltungsrat der Spitalregion hat bereits Sparmassnahmen eingeleitet. Der einschneidendste Entscheid ist, dass ab November in Wattwil keine Operationen mehr durchgeführt werden. Das hat zur Folge, dass in Wil mit rund 780 zusätzlichen Operationen pro Jahr zu rechnen ist, wie SRFT-Mediensprecherin Barbara Anderegg auf Anfrage mitteilt. Diese Massnahmen reichen nach Ansicht der St.Galler Regierung aber nicht aus, um das finanzielle Gleichgewicht herzustellen. «Ohne finanzielle Unterstützung wäre die SRFT zahlungsunfähig. Der Betrieb und die medizinische Versorgung wären akut gefährdet», hiess es im August in einer Medienmitteilung der Regierung. Daran hat sich nichts geändert.

2. Juni 2018: Bei der Einweihung des neuen Bettentrakts war die Freude gross, die Angst aber bereits spürbar. Heute herrscht Ernüchterung. (Bild: Ralph Ribi)

2. Juni 2018: Bei der Einweihung des neuen Bettentrakts war die Freude gross, die Angst aber bereits spürbar. Heute herrscht Ernüchterung. (Bild: Ralph Ribi)

Notkredit wohl nur 9,7 statt 12,7 Millionen Franken

Die Regierung will die Spitalregion Fürstenland Toggenburg deshalb mit einem Darlehen von 12,7 Millionen Franken bis Ende 2021 stützen. Ein entsprechender Antrag der Regierung wird morgen Dienstag im Kantonsrat behandelt. Die vorberatende Kommission des Parlaments hat allerdings Vorbehalte. Um den Spardruck nicht zu mildern, will sie die Spitäler Wattwil und Wil vorerst nur bis Ende 2020 finanziell unterstützen und empfiehlt deshalb einen Notkredit von vorerst 9,7 Millionen Franken. Zudem soll das Geld explizit als rückzahlbares Darlehen und nicht à fonds perdu ausbezahlt werden. Wie aus dem Umfeld des Kantonsrats zu vernehmen ist, wird der Antrag der vorberatenden Kommission im Parlament wohl eine Mehrheit finden. Doch was ist damit gewonnen?

Ohne genügend Patienten braucht Wil kein Akutspital mehr

Mit dem Notkredit können die Spitäler Wattwil und Wil ihren finanziellen Verpflichtungen zwar voraussichtlich bis Ende 2020 nachkommen. Doch die Unsicherheiten bleiben, sowohl beim Personal als auch bei den Patientinnen und Patienten. Der Spitalregion droht ein Reputationsschaden, der sich in eine gefährliche Negativspirale drehen könnte: Patienten bleiben fern, Fachkräfte kündigen. Bereits heute wählen viele Patientinnen und Patienten für planbare Eingriffe weder das Spital Wattwil noch das Spital Wil, sondern ein Zentrumsspital oder eine spezialisierte Klinik. Für den Kanton ist das eine fatale Entwicklung: Einerseits muss er sich bei Patienten aus dem Kanton St.Gallen mit 55 Prozent an den Kosten für stationäre Leistungen beteiligen, anderseits bleiben in den eigenen Spitälern Betten leer. Ein Teufelskreis.

Ein Spital für 115'000 Menschen

Felix Sennhauser, Verwaltungsratspräsident der St.Galler Spitalverbunde, wehrt sich denn auch, dass immer nur über betriebswirtschaftliche Zahlen gesprochen wird. «Es geht ebenso sehr um das Fachliche, um Qualität und Sicherheit der medizinischen Versorgung», sagt er. Und auch er unterstreicht: Je mehr Personen sich im «eigenen» Spital statt anderswo behandeln liessen, desto höher sei die Existenzberechtigung und damit die Überlebenschance eines Spitals. Das Spital Wil stellt die Grundversorgung für etwa 115'000 Menschen sicher.

Neubau oder eine Totalsanierung: In Wil stehen Investitionen an

Der Verwaltungsrat der Spitalverbunde hat im Frühjahr 2018 in einem Grobkonzept vorgeschlagen, künftig nur noch vier Akutspitäler zu betreiben: St.Gallen, Grabs, Uznach und Wil. Wattwil und Flawil würden demnach ebenso geschlossen wie Rorschach und Walenstadt. Im Spätherbst wird die Gesamtregierung jedoch die Spitalstrategie auf Vorschlag des Lenkungsausschusses konkretisieren. Gehört das Spital Wil dann immer noch dazu? «Ja, davon gehe ich aus», bestätigt Felix Sennhauser. Doch die Sache hat noch Haken. Das Spital Wil ist in die Jahre gekommen. Der 1970er-Jahre-Bau bedarf um das Jahr 2025 herum einer Totalsanierung oder eines Neubaus. Dies wurde in der Spitalplanung von 2014 festgehalten; damals hatte der Souverän Investitionen von knapp einer Milliarde Franken in die St.Galler Spitallandschaft bewilligt. Auf Wil entfielen knapp 10 Millionen Franken. Ein Neubau des Spitals Wil wird unter vorgehaltener Hand mit etwa 150 Millionen Franken veranschlagt. Ob das St.Galler Stimmvolk zu gegebener Zeit ein Ja in die Urne legen wird, ist alles andere als gewiss. Somit ist weiterhin davon auszugehen, dass die Zukunft des Spitals Wil nicht gesichert ist.

SVP und SP trauen der Lage nicht und reagieren mit Vorstössen

Die SVP hat vor den Sommerferien eine Initiative angekündigt, die an allen bisherigen Spitalstandorten eine klinische Notfallversorgung garantieren will. Der Initiativtext wurde formell zur Prüfung eingereicht. Der SP und den Grünen ist das zeitlich zu langsam und zu unsicher. Deshalb lancieren sie in der Septembersession des Kantonsrats eine dringliche Motion mit dem gleichen Ziel.

Auch die von einer Spitalschliessung betroffenen Gemeindebehörden in Flawil und Wattwil sind nicht untätig geblieben und suchen nach Alternativen. Der Wattwiler Gemeindepräsident, Alois Gunzenreiner, bestätigte am Freitag erneut, das Modell «Integrierte Gesundheitsversorgung Toggenburg» stosse bei Leistungsanbietern auf Interesse. Namen dürfe er zwar noch nicht nennen, aber die Wirkungsweise: «Die Leistungserbringer würden auf eigene Rechnung arbeiten und sich in die Spitalimmobilien einmieten, die in eine Stiftung überführt würden.» Die heute rund 250 Stellen am Spital machen rund 7 Prozent der Arbeitsplätze in Wattwil aus.

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