Die Zukunft des Jonschwiler Jahrbuchs ist ungewiss

Markus Egli, Herausgeber des Jahrbuchs, präsentiert nächstes Jahr die dreissigste und letzte Ausgabe.

Philipp Stutz
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Markus Egli vor einem Regal mit Jahrbüchern, die zu seinem Lebenswerk zählen.

Markus Egli vor einem Regal mit Jahrbüchern, die zu seinem Lebenswerk zählen.

Bild: Philipp Stutz

Die Herstellung des Jahrbuchs ist mit viel Aufwand verbunden. «Wir rechnen mit rund 400 Arbeitsstunden», sagt Markus Egli und fügt hinzu: «Ohne treue Inserenten und einem namhaften Beitrag der Gemeinde wäre die Produktion gar nicht möglich.» Denn Gewinn wirft die Publikation nur wenig ab. Wichtigster Verkaufspunkt war jeweils die Chilbi. Da der Anlass nun zeitlich verschoben wurde, fällt diese Einnahmequelle dahin. Heute liegt die Auflage bei 700 Exemplaren, nachdem sie zwischenzeitlich auf 1000 angestiegen war. Die Leserschaft umschreibt Egli mit «fünfzig plus», bei Jüngeren lasse das Interesse sichtlich nach.

Aussichten für Weiterführung sind intakt

Nächstes Jahr wird Markus Egli, längst pensioniert, die dreissigste und letzte Ausgabe des Jahrbuchs präsentieren. Ob die Publikation eine Fortsetzung finden wird, steht noch nicht fest. Egli würde dies begrüssen und hat seine Unterstützung angeboten. Gemeindepräsident Stefan Frei betrachtet das Jahrbuch als historisches Werk.

«Für die Gemeinde ist
es äusserst wertvoll.»

Der Gemeinderat sei an einer Weiterführung interessiert. «Wir stehen in Verhandlungen, und es sieht gut aus.»

«Ich war schon immer an Geschichte interessiert», sagt Markus Egli. Der gelernte Schriftsetzer hat zum Abschluss seiner Ausbildung eine Broschüre verfasst, die den Fussballclub SC Brühl St.Gallen zum Inhalt hatte. Martin Furgler, damals Redaktor der CVP-nahen Tageszeitung «Die Ostschweiz», hat ihn dabei unterstützt.

Erster Auftrag war das «Gmeindsblättli»

Nach Arbeitsstellen als typografischer Gestalter und Werbeleiter wagte Markus Egli den Schritt in die Selbstständigkeit. Gründete mit Gattin Ursi den Thur-Verlag. «Es war immer mein Wunsch, mein eigener Herr und Meister zu sein.» Der erste Auftrag bestand darin, das Jonschwiler «Gmeindsblättli» zu drucken. Doch dazu mussten erst die nötigen Maschinen beschafft werden. «Reich wird man mit einem Betrieb in dieser Grösse nicht», bekennt Egli. Seine Frau unterstützte ihn nach Kräften und arbeitete zusätzlich in Teilzeit als Lehrerin.

Zum Jubiläumsjahr «700 Jahre Eidgenossenschaft» erschien 1991 das erste Jahrbuch. Inhaltlich wurde schon damals die Geschichte aufgearbeitet. Aktualitäten des laufenden Jahres werden beschrieben und ein Blick in die Zukunft gewagt. Auch Korporationen kommen zu Wort, dazu Schulen und Kirche. Das Vorwort hat Markus Egli während der ersten Jahre selbst geschrieben. «Ich beschäftigte mich unter anderem mit der hoch subventionierten Landwirtschaft, worauf ich prompt mit Reklamationen von Landwirten konfrontiert wurde», erinnert er sich. Später kam das Verfassen des Vorworts prominenten Persönlichkeiten zu. Dazu zählten Regierungsräte, aber auch der Industrielle Urs Bühler, der Politologe Silvano Moeckli sowie der damalige «Starbanker» Pierin Vincenz.

Von Bettenau nach Toronto

Ein Redaktionsteam bestimmt jeweils die Themen. Markus Brändle und Theres Germann waren von Anbeginn dabei. Hinzu kommen Autoren, die ehrenamtlich arbeiten und ein symbolisches Honorar erhalten. Dazu zählten der ehemalige «Volksfreund»-Redaktor Christian Jud, der seine Berichte jeweils mit Gedichten bereicherte. Oder Edwin Schweizer, profunder Kenner der Schriften des Dichters Heinrich Federer, der das Dorf, in dem er als Kaplan wirkte, in seinen «Lachweiler Geschichten» verewigt hat.

Das Jahrbuch wird von einem Hauptthema bestimmt. Dazu zählten beispielsweise Jugend und Schule, das Jahr des Waldes oder die Bautätigkeit. Selbst mit dem Ausland befasste sich die Redaktion. So widmete sich ein Beitrag dem deutschen Ort Schwarzenbach an der Saale, mit dem Jonschwil partnerschaftlich verbunden ist. Unter dem Titel «Von Bettenau nach Toronto – vom Bauern zum Farmer» wurden Auswanderer porträtiert.

Das Jahrbuch ist ein wichtiger Zeitzeuge. «Vielleicht werden unsere Nachfahren in hundert Jahren einmal nachlesen, dass dem Frauenchor ein Auftritt in der Kirche verwehrt wurde», schmunzelt Egli.

Bundesrätin und Ortsbürgerin

Schwerpunkt der diesjährigen 29. Ausgabe des Jonschwiler Jahrbuchs bildet ein gesellschaftlich-wirtschaftliches Thema: die Arbeitsplatz- und Einwohnerentwicklung. Fünf Firmenchefs kommen in Interviews zu Wort. Nicht fehlen darf der Besuch von Bundesrätin Karin Keller-Sutter, Bürgerin von Jonschwil, die sogar einen eigenen Marsch als Geschenk erhielt. Persönlichkeiten aus der Gemeinde werden ebenfalls vorgestellt: Toni Weibel vom Fribyhof, Monika Rütsche, die Freiwilligenarbeit für den Seniorentreff leistet, und Valérie Wacker, Leiterin der Nachrichtenredaktion im SRF-Studio Bern. Auch gewichtige Veranstaltungen haben Platz im Jahrbuch gefunden: das traditionelle Grümpeli und der Neustart der Chilbi. Nicht fehlen dürfen auch die Chronik, die Geburtenliste und die Ehrung der Verstorbenen. (stu)

Bezogen werden kann das Jahrbuch beim Dorfbeck Kobelt in Jonschwil, bei der Raiffeisenbank in Schwarzenbach, bei der Gemeindeverwaltung Jonschwil und beim Thur-Verlag selber.