Die Windräder sind im Aufwind

Vor allem im Sommer, wenn die Klimaanlagen auf Hochtouren laufen, kommt es in Kairo immer wieder zu Stromausfällen. So ist es keine Seltenheit, dass man im Restaurant auf einmal im Dunkeln sitzt oder sich im Supermarkt tastend den Weg nach draussen suchen muss.

Lucienne Suter
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Auf dem Weg ans Rote Meer kommt der Reisende an 700 Windrädern vorbei. (Bild: Yehia Sayed)

Auf dem Weg ans Rote Meer kommt der Reisende an 700 Windrädern vorbei. (Bild: Yehia Sayed)

Vor allem im Sommer, wenn die Klimaanlagen auf Hochtouren laufen, kommt es in Kairo immer wieder zu Stromausfällen. So ist es keine Seltenheit, dass man im Restaurant auf einmal im Dunkeln sitzt oder sich im Supermarkt tastend den Weg nach draussen suchen muss. Aber zum Glück dauern die Stromausfälle in der Regel nur ein paar Minuten.

Schneisen für Zugvögel

Nichtsdestotrotz funktioniert die Stromversorgung in Ägypten praktisch flächendeckend. Über 97 Prozent der Haushalte sind ans Stromnetz angeschlossen. Dies, obwohl sich die Bevölkerung Ägyptens in den letzten dreissig Jahren mehr als verdoppelt hat. Alleine im Grossraum Kairo leben heute schätzungsweise 25 Millionen Menschen. Der Strom stammt zum grössten Teil aus thermischen Kraftwerken, welche mit Gas und Schweröl betrieben werden. Dies ist nicht nur eine grosse Belastung für die Umwelt, die Erdöl- und Erdgasvorkommen nehmen zudem auch stark ab. Dabei hat Ägypten die idealen Voraussetzungen für die Produktion von erneuerbaren Energien. Laut Schätzungen verfügt das Land über das enorme Windkraftpotenzial von 20 000 Megawatt, was etwa der Leistung von 16 Atomkraftwerken entspricht. Auf den flachen Wüstenflächen sollen bis im Jahr 2020 so viele Windräder aufgestellt werden, dass rund 20 Prozent des Strombedarfs durch Windkraft gedeckt werden.

Wenn man ans Rote Meer fährt, kann man sie bereits sehen – die 700 Windräder, welche in acht Einzelwindparks aufgeteilt sind. Der gesamte Windpark ist im Jahre 2011 in Betrieb gegangen und liefert insgesamt 550 Megawatt. Die Hälfte der Investitionssumme für dieses Projekt lieferte dabei die deutsche KfW-Entwicklungsbank.

Die Anordnung der Windräder in den Windparks zeigt, dass besonders auf die lokalen Gegebenheiten eingegangen werden musste. So ist die Küstenregion am Roten Meer nicht nur ein beliebtes Ferienziel, sondern auch eine der Hauptrouten für Zugvögel.

Deshalb wurde nicht nur eine über 300 Kilometer breite Schneise freigelassen, der Windpark ist auch mit einem hochmodernen Radarsystem ausgestattet. Dieses schaltet die Windräder automatisch ab, sobald ein Vogelschwarm gemeldet wird.

Sauberen Strom exportieren

Das Potenzial Ägyptens, erneuerbare Energien zu produzieren, ist aber noch viel grösser. In einem Land, in dem praktisch das ganze Jahr die Sonne scheint, wird natürlich auch über Solarstrom nachgedacht.

Die Vision ist klar: Mit den geplanten Windkraftprojekten, zusammen mit Photovoltaik und thermischen Solarkraftwerken, will man nicht nur die eigene Bevölkerung gänzlich mit sauberen Energien versorgen, sondern irgendwann sogar sauberen Strom exportieren.

Lucienne Suter aus Wil lebt in Kairo. Für die Wiler Zeitung berichtet die 26-Jährige über Erlebnisse in der ägyptischen Hauptstadt.