Die Wilerin Stefanie Balmer malt Bilder zwischen Kunst und Natur

Ihre Werke sind zurzeit in ihrem Atelier ausgestellt – auf dem Boden.

Tobias Söldi
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Ihre Kunst breitet sich am Boden aus: Stefanie Balmer in ihrem Atelier in Wil.

Ihre Kunst breitet sich am Boden aus: Stefanie Balmer in ihrem Atelier in Wil.

Bilder: Tobias Söldi

Wenn Stefanie Balmer den Pinsel in die Hand nimmt, dann weiss sie nicht, wo die Reise hinführt. Schicht um Schicht arbeitet sie sich vor, bis die einfachen Formen und Linien, die den Anfang bildeten, in einem dichten, unentwirrbaren Geflecht aufgehen. «Ich staune oft, was herauskommt», sagt die 68-jährige Wilerin. Mehrmals übermalt sie ihre Bilder, verbindet die unterschiedlichen Strukturen miteinander – und vergisst dabei manchmal, was sich noch alles unter der obersten Malschicht befindet.

«Fertig ist ein Bild erst, wenn ich das Gefühl habe, es geht nicht mehr weiter.»

Die Resultate erinnern ein wenig an den Biologieunterricht: an verzweigte Zellstrukturen unter dem Mikroskop, an vielgestaltige Amöben, aber auch an die Oberfläche von Teichen, an den Sternenhimmel oder an Unterwasserwelten. «Die Natur ist in der Tat ein starker Bezugspunkt und eine grosse Inspiration», sagt die gelernte Hochbauzeichnerin.

Am Boden statt an der Wand

Dabei lässt sich die Natur nicht vom Bilderrahmen einschränken. Im Gegenteil: Zwischen den Bildern, die Stefanie Balmer zurzeit auf dem Boden ihres Ateliers in Wil ausstellt (siehe Hinweis), liegen unzählige Steine und Äste, Funde von ausgiebigen Spaziergängen der Thur entlang. «Ich sammle seit meiner Kindheit Steine. In unserer Garage stapeln sich die Kisten», sagt sie lachend. Die Präsentation passt zum Inhalt: «Die Natur und die Kunst gehören bei mir zusammen.»

Balmers Bilder erinnern an Strukturen in der Natur.

Balmers Bilder erinnern an Strukturen in der Natur.

Es ist nicht das erste Mal, dass Balmer ihre Arbeiten so ungewöhnlich präsentiert. 2013 bildeten 16 Bilder gleichsam einen Teppich am Boden des Kulturpavillons in Wil – damals aber noch ohne Steine dazwischen, sondern Rahmen an Rahmen. Das hat einen besonderen Effekt: Die Gäste stehen beim Betrachten der Bilder nicht nur nebeneinander, sondern auch gegenüber. «Es entsteht eine ganz andere Dynamik, als wenn die Bilder an der Wand hängen. Es findet mehr Interaktion statt», sagt Balmer. Und ein bisschen hat es auch mit Bequemlichkeit zu tun:

«Bilder aufzuhängen ist eine mühsame Arbeit. Ich fragte mich: Gibt es da keine andere Möglichkeit?»

Möglich machte die besondere Ausstellung auch der vorhandene Platz im Atelier an der Glärnischstrasse, das Balmer vor rund zwei Jahren bezogen hat. Davor arbeitete sie in einem Atelier zu Hause. «Ich wollte den Platz, den ich hier habe, nutzen», sagt Balmer. Ihr schwebt noch mehr vor: «Ich habe Lust, etwas Grösseres am Boden zu machen.»

Vom Schreiben zum Malen gekommen

Balmer malt seit mehr als 20 Jahren in ihrer Freizeit. Das künstlerische Handwerk eignete sie sich unter anderem an einigen Semestern an der Schule für Gestaltung in Zürich an, zudem besucht sie regelmässig eine Malklasse bei einer befreundeten Künstlerin. Kreativ tätig war Balmer aber bereits davor – nur nicht mit Farben, sondern mit Buchstaben.

Die gebürtige Schaffhauserin verfasste Gedichte und war eine Zeit lang Mitglied bei den Wiler Poeten. «Ich suchte aber einen direkteren Zugang, um mich auszudrücken. So bin ich zum Malen gekommen», sagt sie. Sie versuche stets, sich selber beim Malen möglichst zurückzunehmen.

«Über die Jahre habe ich so zu einer eigenen Sprache gefunden.»

Stefanie Balmers Atelier an der Glärnischstrasse 13 ist noch bis am Sonntag, 8. Dezember, jeweils von 14 bis 18 Uhr geöffnet, ausgenommen Montag, 2. Dezember.