Die Ursprünge der Menschen in Wil: Was heute noch von der Anwesenheit der Kelten und Alemannen zeugt

Wil wurde um 1200 gegründet. Bereits zuvor lebten Menschen in der Region. Wer waren sie?

Adrian Zeller
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Eine alemannische Gewandschliesse wie diese wurde auch bei der Wiler Rudenzburg gefunden.

Eine alemannische Gewandschliesse wie diese wurde auch bei der Wiler Rudenzburg gefunden.

Bild: PD

Vom Hofberg mit seinen 714 Metern fällt der Blick auf eine kleinere Erhebung, auf den Moränenhügel, auf dem die Altstadt thront. Beide Hügel sind Zeugen der Gestaltungskräfte, die die Landschaft um Wil einst geschaffen haben.

Zu ihnen gehörten vor allem der Säntis- und der Thurgletscher. Mindestens viermal haben sie sich ausgedehnt und wieder zurückgezogen. Dabei haben sie Hügel aufgeschoben und Geländemulden hinterlassen und auch Findlinge und Kies transportiert.

Dank dieser Ablagerungen kann beispielsweise in der Thurau Trinkwasser für die Äbtestadt gefasst werden. Der Untergrund ist dazu prädestiniert.

Sprachliche Hinterlassenschaften früherer Siedler

Vor rund 15'000 Jahren wurde das Klima in der Region allmählich wärmer, das Eis schmolz. Irgendwann danach tauchten die ersten Menschen in der damals sehr waldreichen Gegend auf.

Archäologische Funde in der Region

Verschiedene archäologische Funde belegen die frühe Anwesenheit von Menschen in der Region. Spuren bei der Glattburg in Oberbüren, bei der Iddaburg in Gähwil sowie beim Schloss Sonnenberg belegen ihre Präsenz vor 5000 und mehr Jahren vor Christus.

Ab ungefähr 2000 vor Christus scheint die Region um Wil allmählich dichter besiedelt worden zu sein. Dieser Zeitraum wird als Bronzezeit bezeichnet. Im Jahr 2006 wurde beispielsweise beim Aushub der Baugrube der Siedlung Fürstenau am Wiler Ostrand in einer archäologischen Notgrabung Anzeichen früher menschlicher Anwesenheit festgestellt. Es wurden Pfeilspitzen, Keramikscherben sowie Überreste, die auf eine Brandrodung hindeuten, gefunden. Möglicherweise stand dort ein Haus.

Bereits früher wurden in der Region Gärtensberg ein Bronzeschwert und eine Pfeilspitze gefunden. In Jonschwil und in Schwarzenbach waren es Bronzenadeln. Bei der Wiler Rundenzburg wurde eine Gewandschliesse ausgegraben und in Maugwil waren es ein Bronzebeil, eine Schnalle, eine Riemenzunge (Endverstärkung eines Gürtels) sowie eine Fiebel. Damit ist ein Vorläufer einer grossen Sicherheitsnadel gemeint, mit der die Menschen in der Frühzeit ihre Kleidung zusammenhielten. Ihre Form und ihre Ornamente liefern Archäologen und Kunsthistorikern Hinweise über die hierarchische Stellung und die ethnische Zugehörigkeit der einstigen Trägerin.

Ab Mitte des 5. Jahrhunderts vor Christus wanderten von Osten her die Kelten ins Mittelland der heutigen Schweiz ein. Ihre einstige Anwesenheit manifestiert sich in Flurnamen: Der Flussnamen Murg ist vom keltischen Wort «Mora» abgeleitet, es bedeutet Grenze. Die Thur wurde von den Kelten als «Dura» bezeichnet, damit ist Wasser gemeint.

Ungefähr im selben Zeitraum liessen sich von Norden kommend Alemannen in der Ostschweiz nieder. Sie lebten bevorzugt in Höfen und kleinen Siedlungen. Einige heutige Ortsbezeichnungen haben ihre Wurzeln bei ihnen.

Die Schlusssilbe «-ingen» deutet auf eine Siedlung in der Eben hin, die Weiler Hittingen und Beckingen der Gemeinde Braunau dürften daher alemannischen Ursprungs sein. Auch Niederbüren und Oberbüren wurden mutmasslich von den Alemannen gegründet, in ihrer Sprache bedeutet «Bur» Haus.

Mit «Wang» bezeichneten sie ein gewölbtes Gelände, dies trifft auf Oberwangen sowie auf Möriswang bei Wängi zu. Mit der Silbe «Au» wurde Land an einem Gewässer bezeichnet, etwa in Henau sowie in Thurau.

Ersterwähnung in der Henauer Urkunde

«Villare» nannten die Vorfahren Rodungsgebiete sowie Siedlungen am Rande eines Hügelzugs. Für die Region Wil sind aus Aufzeichnungen in der Zeit zwischen 754 und 1244 die Namen Wila, Vila und Wile bekannt.

In der sogenannten «Henauer Urkunde», die als Ersterwähnung Wils gilt, vermacht der Bauer Rotpald 754 seine Besitze dem Kloster St. Gallen, im Schriftstück ist unter anderem von «Wila» die Rede.

Bestimmte kulturelle Merkmale sind typisch für die Alemannen. Für ihre Kleiderstoffe und für ihre Seile, mit denen sie das Vieh anbanden, benötigten sie Fasern. Diese zogen sie in einer genannten «Bündt», wo sie faserreicher Flachs und Hanf anbauten. Ein Gebiet an der Tonhallestrasse wird noch heute so bezeichnet.

Typisch für die Alemannen ist auch der Drei-Felder-Ackerbau, bei der im Wechsel immer ein Feld brach liegt. Diese Felder wurden «Zelg» genannt, an der Wiler Zelghalde dürfte demnach einst Getreide kultiviert worden sein.