Die Umsätze schrumpfen weiter

Die historisch einzigartige Tiefzinsphase hält noch längere Zeit an, im Detailhandel setzt sich der Preiszerfall fort und die Arbeitslosigkeit nimmt zu. Dies ist das Fazit des Branchenspiegels an der Herbsttagung der AGV Region Wil.

Hans Suter
Merken
Drucken
Teilen
Die Herbsttagung der Arbeitgebervereinigung Region Wil ist eine beliebte Networking-Plattform für Unternehmer und Geschäftsführer. Von links Urs Rutishauser (Rutishauser/Häberli, Züberwangen/Egnach), AGV-Präsident Bruno Jäger (Larag/Liga, Wil), Stefan Frick (Auto Zollikofer, Rickenbach) und Leonhard Grämiger (Gremolith, Bazenheid). (Bilder: Hans Suter)

Die Herbsttagung der Arbeitgebervereinigung Region Wil ist eine beliebte Networking-Plattform für Unternehmer und Geschäftsführer. Von links Urs Rutishauser (Rutishauser/Häberli, Züberwangen/Egnach), AGV-Präsident Bruno Jäger (Larag/Liga, Wil), Stefan Frick (Auto Zollikofer, Rickenbach) und Leonhard Grämiger (Gremolith, Bazenheid). (Bilder: Hans Suter)

REGION. «Wenn wir für jedes neue Gesetz mindestens ein bis zwei bestehende abschaffen, werden wir in fünf bis zehn Jahren fit statt konkurrenzlos sein», prophezeite Bruno Jäger, Präsident der Arbeitgebervereinigung (AGV) Region Wil an der diesjährigen Herbsttagung bei Aldi in Schwarzenbach. Zugleich warnte er vor der steigenden Staatsquote. Das neue Parlament habe es in der Hand, den Wirtschaftsstandort Schweiz durch tiefere Belastungen bei Gebühren und Steuern sowie weniger regulatorische Zwänge zu stärken.

Grösster Rückgang seit 35 Jahren

Aldi-Schweiz-Geschäftsführer Oliver Wulkan sieht ein schwieriges Jahr auf Wiederverkäufer (Retailer) zukommen. «Der Detailhandel erlebt zurzeit den stärksten Umsatzrückgang der vergangenen 35 Jahre», sagte er. «Der starke Franken verstärkt den Druck weiter.» Als Markttrends sieht er steigende Auslandeinkäufe und eine deflationäre Preisentwicklung, was zu einem stagnierenden oder gar rückläufigen Markt und stark wachsendem Wettbewerb führen werde. Aldi hat laut Wulkan den Preis von jedem dritten Produkt im Sortiment gesenkt, was beim Discounter automatisch zu einem Umsatzrückgang führe. Marktanteile und Umsatzzahlen gibt Aldi indes nicht bekannt. Die Gesellschaft für Marketing (GfM) schätzte den Marktanteil von Aldi für das Geschäftsjahr 2014 in der Schweiz auf 5,5 Prozent. Oliver Wulkan sagte, mit dieser Schätzung könne man sich bei Aldi einverstanden erklären. Den Marktanteil von Migros beziffert GfM mit 38,5 Prozent, es folgen Coop mit 34,5 Prozent, Denner mit 9,9 und Lidl mit 2,4 Prozent.

Tiefe Zinsen, keine Inflation

Für die Finanzbranche prophezeit Christian Kauer, Geschäftsstellenleiter der Credit Suisse Wil, ein weiterhin anspruchsvolles Umfeld. «1992 gab es in der Schweiz 482 eigenständige Banken, 2014 waren es noch 275. Diese Entwicklung wird weitergehen», sagte er. Krauer geht davon aus, dass die Negativzinsen der Nationalbanken und die historisch tiefen Zinsen länger anhalten als erwartet. Bei den zehnjährigen und noch längerfristigeren Hypotheken erwartet er indes einen leichten Anstieg. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) sieht man bei der Credit Suisse bis Ende Jahr bei einem Plus von 0,8 Prozent, 2016 gar bei 1,2 Prozent. Die Inflation 2016 wird auf null geschätzt, während die Arbeitslosigkeit von 3,3 auf 3,7 Prozent zunehmen werde. Der Immobilienmarkt in der Region ist für Christian Kauer nach wie vor intakt. Was in der Stadt Wil an neuen Wohneinheiten geplant sei, könne der Markt aufnehmen.