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«Die Tiere sind frecher geworden», Wildtiere im Siedlungsgebiet führen oft zu Reklamationen

Wildtiere sind nicht nur im Wald anzutreffen, auch in der Stadt leben viele Tiere. Doch wie geht man mit den wilden Tieren in der Stadt um?
Leonie Herde
Während Füchse auch tagsüber aktiv sind, trifft man Dachse meistens erst in der Nacht an. (Bild: PD)

Während Füchse auch tagsüber aktiv sind, trifft man Dachse meistens erst in der Nacht an. (Bild: PD)

Wildtiere sind in der Stadt keine Seltenheit. Oft genug finden Füchse, Dachse oder andere den Weg ins Siedlungsgebiet. Sie kreuzen stark befahrene Strassen, graben sich durch Vorgärten, entwenden Gegenstände und hinterlassen dafür ihren Kot. Matthias Müller, Wildhüter für den Wildhutkreis 7, zu dem auch die Region Wil gehört, kennt sich mit der Thematik aus. Im Sommer seien es vor allem Füchse, die im Frühling zur Welt gekommen sind, die sich in der Nähe städtischer Gebiete herumtreiben. «Sie werden langsam selbstständig und halten sich gerne mal in bewohnten Gebieten auf.»

Futterquellen locken Tiere in die Stadt

Gerade bei den jungen Füchsen sei es wichtig, dass man sie nicht füttert, auch wenn es verlockend ist. Denn sie gewöhnten sich schnell daran und nisteten sich in der Stadt ein oder kehrten immer wieder dorthin zurück. «Die Tiere kommen hauptsächlich in bewohnte Gebiete, um hier nach Futterquellen zu suchen», erklärt Müller.

Oft werden die Tiere gezielt gefüttert, doch auch sonst finden die Tiere in der Stadt ihr Futter. Sie stöbern in zu früh bereitgestellten Müllsäcken und offenen Kompostbehältern oder suchen unter der Erde nach Engerlingen. Letzteres betrifft vor allem die Dachse. Matthias Müller sagt:

«In den vergangenen Jahren waren deutlich mehr Dachse in der Stadt unterwegs als früher»

Sie können Schäden verschiedener Art anrichten. «Auf ihrer Futtersuche graben sie beispielsweise ganze Rasenflächen um, denn die begehrten Engerlinge befinden sich bis zu 40 cm unter der Erdoberfläche.» Aber auch andere Wildtiere richten Schäden an, die zu Reklamationen führen.

Mit elektrischem Zaun gegen Wildtiere

Um Füchse, Dachse und Marder vom eigenen Garten fernzuhalten gibt es verschiedene Möglichkeiten. «Es gibt Mittel mit einem starken Geruch, welche die Dachse vertreiben», sagt Müller. Diese seien jedoch in Siedlungsgebieten unbeliebt, da der Geruch nicht nur den Dachsen, sondern auch der Nachbarschaft in die Nase steigt. Eine sehr effiziente Möglichkeit sei hingegen, einen elektrischen Zaun um den Garten zu spannen. Dieser schrecke die Tiere ab und vertreibe sie. Oft versucht man auch die Tiere einzufangen und sie im Wald wieder auszusetzen.

Geschossen werde im Siedlungsgebiet nur in Notfällen, sagt Fritz Eggenberger, Jagdleiter bei der Jagdgesellschaft Flawil.

«Die Leute sehen es nicht gerne, wenn wir einen Fuchs oder einen Dachs schiessen müssen, doch sie kennen halt die Hintergründe nicht»

Auch Müller will einen Abschuss nur, wenn es nicht anders geht. «Ein Abschuss ist auch meist nicht nachhaltig, da schon nach einigen Monaten neue Tiere den Weg in die Stadt finden.» Das Einfachste sei immer noch, den Tieren gar nicht erst Futter bereitzustellen.

Verantwortung bei der Jagdgesellschaft

Unterschiede zwischen den Städten und Dörfern der Region gibt es laut Müller und Eggenberger kaum. Ob ländliches oder städtisches Gebiet kommt nicht gross darauf an. Ein wichtiger Punkt ist jedoch die Aktivität der Jäger im jeweiligen Gebiet. Wenn Füchse und Dachse zu wenig geschossen werden und sich unkontrolliert vermehren, müssen die Tiere ausweichen und kommen dabei häufig in die Stadt. «Die Jagdgesellschaft hat es in der Hand, die Bestände durch die Raubwildjagd zu regulieren und die Ausbreitung der Tiere in bewohnte Gebiete zu minimieren», sagt Eggenberger.

Zutraulicher und frecher geworden

Der Fuchs ist wohl das am häufigsten vorkommende Wildtier in der Stadt. Matthias Müller weiss, woran das liegt:

«Der Fuchs ist ein sogenannter Kulturfolger.»

Das heisst, dass der Fuchs sich mit der Zeit dem Menschen angepasst hat. Er folgt dem Menschen in dessen Kulturlandschaft und zieht daraus Vorteile. Er weiss beispielsweise genau, wo er in der Stadt seine Futterquellen findet.

Auch der Dachs wird häufig als Kulturfolger bezeichnet. Dieser nistet sich in den Gärten unter Holzhaufen ein und da er als Allesfresser gilt, ist er im Siedlungsgebiet bestens versorgt. Viele Tiere haben auch die Scheu vor den Menschen weitgehend verloren und sind dadurch zutraulicher und gleichzeitig frecher geworden.

Müller bekommt häufig Anrufe von besorgten Stadtbewohnern, die ein verletztes Tier gesehen haben. «Ich bin sehr froh um diese Hilfe aus der Bevölkerung», sagt Müller. Die betreffenden Tiere werden dann aufgespürt und es muss eingeschätzt werden, ob sie wieder selbstständig gesund werden oder erlöst werden müssen. Auch wegen jungen Vögeln, die noch nicht flugfähig sind, gehen bei Müller oft Anrufe ein. Diese jungen Vögel nennt man «Ästlinge». Sie werden noch von den Eltern umsorgt, sitzen jedoch bereits auf einem Ast und nicht mehr im Nest. Diese Vögel sehen zwar hilflos aus, seien jedoch auf bestem Weg in die Selbstständigkeit und bräuchten keine menschliche Hilfe, sagt Müller.

Tiere in der Stadt – wer ist zu alarmieren?

Im Normalfall müssen Tiere, die sich im Siedlungsgebiet aufhalten, nicht gemeldet werden. Ist jedoch ein Tier verletzt oder wurde sonst etwas aussergewöhnliches beobachtet, kann man sich direkt beim zuständigen Wildhüter melden. Bei Unfällen im Zusammenhang mit Wildtieren hingegen muss immer die Polizei alarmiert werden. Dieser obliegt es dann, einen Jäger oder eben Wildhüter aufzubieten.

Schäden gehen ins Geld

Im vergangenen Jahr wurden im Kanton St. Gallen 64716 Franken für Wildschäden ausbezahlt. Darauf entfielen 61316 Franken auf Schäden von Wildschweinen. Im Vorjahr waren es noch 23840 Franken gewesen. Für 3150 Franken wurden Wolf-, für 250 Franken Luchsrisse entschädigt. Der Fuchs taucht in der Statistik 2018 des Kantons nicht mehr auf. Letztmals wurden vor zwei Jahren Schäden erstattet (200 Franken), 240 Franken waren es im Jahr 2014. Ebenfalls bei null liegt die Auszahlung von Dachsschäden. Wobei anzumerken ist, dass kleinere Ereignisse im privaten Bereich statistisch nicht erfasst sind. (red)

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