Die teuersten Bäume der Stadt: Sie sind dem Parlament 130 000 Franken wert

130000 Franken: So viel ist der Mehrheit des Stadtparlaments die Erhaltung zweier alter Bäume wert. Ein Preis, der unter den Parteien zu emotionalen Diskussionen führte.

Gianni Amstutz
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Zwei der Bäume beim Reservoir Unterer Hofberg können gerettet werden. (Bild: Gianni Amstutz)

Zwei der Bäume beim Reservoir Unterer Hofberg können gerettet werden. (Bild: Gianni Amstutz)

Es hätte ein Traktandum werden können, das binnen Minuten abgehakt ist. Denn eigentlich ging es lediglich um die Sanierung des Reservoirs und Stufenpumpwerks Unterer Hofberg. Der Stadtrat beantragte dem Parlament dafür einen Kredit von 1,4 Millionen Franken. Da der Sanierungsbedarf erwiesen ist, war dies unbestritten.

Die Diskussion im Parlament drehte sich aber schnell einmal um geschützte Bäume, die im Zuge der Sanierung hätten gefällt werden müssen. Insgesamt handelte es sich um vier geschützte Bäume. Zwei von ihnen hätten aber ohnehin nicht gerettet werden können. Ein Spitzahorn und eine über 100 Jahre alte Rot­buche hingegen schon. Dafür war allerdings eine Aufstockung des Kredits um 130000 Franken nötig. Die Frage, die das Parlament beschäftigte: Darf der Erhalt zweier Bäume so viel kosten?

Kommissionsmehrheit will Bäume retten

Die Werkkommission, welche das Geschäft vorberaten hatte, sprach sich mehrheitlich für den Erhalt der Bäume aus. Das Stimmenverhältnis war mit 4:3 allerdings denkbar knapp. Überhaupt war es der Kommission geschuldet, dass die Bäume zum Thema wurden. In Bericht und Antrag des Stadtrats war davon keine Silbe zu lesen. Der zuständige Stadtrat Daniel Meili gestand diesen Fehler ein und entschuldigte sich für die Unterlassung. Das knappe Stimmverhältnis in der Kommission widerspiegelte sich auch in der Debatte.

SVP und FDP stellten sich dagegen. 130000 Franken für die Erhaltung von zwei Bäumen sei schlicht zu viel, so der Tenor der Fraktionen. «Es wäre schade, wenn man die Bäume fällen müsste, aber 130000 Franken für zwei Bäume stehen in keinem Verhältnis», hiess es von Seiten der FDP. Das sah auch die SVP so. Beide Parteien machten sich stattdessen für eine Kompensation im Sinn eines ökologischen Ausgleichs stark.

Eine Mehrheit aus CVP, SP und Grüne Prowil war bereit, den Preis von 130000 Franken zu bezahlen. Brigitte Gübeli (CVP) sagte dazu:

«130000 Franken sind zwar viel Geld, aber verkraftbar.»

Nicht hinnehmbar seien dagegen Abstriche bei der Natur. Auch Kompensationsmassnahmen würden nur bedingt Abhilfe schaffen. Wie SP und CVP betonte auch Guido Wick (Grüne Prowil), dass die Stadt sich auch an die Regeln der Schutzverordnung zu halten habe. Auch das Argument, dass bei einer geplanten Fällung der Bäume mit Einsprachen zu rechnen sei, trug letztlich dazu bei, dass sich eine Mehrheit für die Erhöhung des Kredits um 130000 Franken aussprach. 20 Ja-Stimmen standen 18 Nein-Stimmen gegenüber.