Die SVP will in der Wiler Regierung mitmischen und zur stärksten Fraktion im Stadtparlament aufsteigen

Die SVP nominiert Ursula Egli für den Stadtrat und Nathanael Trüb für den Schulrat. Auch im Parlament will die Partei zulegen - und macht den Erhalt des Kathi zu einem ihrer Schwerpunkte im Wahlkampf.

Gianni Amstutz
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Die SVP macht die Erhaltung des Kathi zu ihrem Wahlkampfthema. Im Bild Stadtratskandidatin Ursula Egli bei einem SVP-Anlass im Gespräch mit Kathi-Stiftungsratspräsident Armin Eugster.

Die SVP macht die Erhaltung des Kathi zu ihrem Wahlkampfthema. Im Bild Stadtratskandidatin Ursula Egli bei einem SVP-Anlass im Gespräch mit Kathi-Stiftungsratspräsident Armin Eugster.

Bild: Gianni Amstutz (20.Februar 2019)

Der kurze Bericht von Nationalrätin Esther Friedli über ihre ersten Sessionen in Bundesbern dürfte bei vielen der anwesenden SVP-Stadtparlamentariern ein Déjà-vu ausgelöst haben. Anlässlich der Nominationsversammlung der Wiler SVP schilderte Friedli ihre Eindrücke und Erfahrungen aus Bundesbern.

In ihrer Zwischenbilanz berichtete sie davon, dass die SVP bei über 80 Prozent der Abstimmungen in der Minderheit sei. Dies nicht nur, weil es bei den Wahlen im vergangenen Herbst zu einem Linksrutsch gekommen ist, sondern auch, weil die anderen bürgerlichen Parteien der SVP oft die kalte Schulter zeigten.

Ein Szenario, das auch die Vertreter der Wiler SVP aus dem Stadtparlament nur zu gut kennen. Während in finanzpolitischen Fragen der bürgerliche Schulterschluss mit FDP und CVP teilweise noch gelang, stand die SVP beispielsweise mit ihrem Ansinnen, zusätzliche Stellen nicht zu bewilligen oder bestehende zu streichen, oft alleine da.

Auch ihre Vorstösse brachte sie selten durchs Parlament und wählte deshalb manchmal den Weg einer Volksabstimmung.

SVP will stärkste Fraktion werden

Soweit die Parallelen zwischen der Orts- und der Bundespartei. Im Unterschied zur SVP Schweiz ist die Wiler Sektion jedoch nicht die stärkste Fraktion im Parlament. Die CVP steht ihr mit zehn Sitzen – die SVP hat eine Fraktionsstärke von neun Mandaten – noch vor der Sonne.

Das wollen die Vertreter der Schweizerischen Volkspartei nun aber ändern. Gelingen soll dies mit einer 17er-Liste. Darauf finden sich sieben Bisherige.

Von den derzeitigen Fraktionsmitgliedern tritt Thomas Hinder nicht mehr an, Hans-Jörg Höpli trat bereits kurz nach den letzten Wahlen aus der Partei aus, fand aber als EDU-Politiker Unterschlupf bei der SVP-Fraktion.

Mit den Abgängen von Hinder und Höpli steht die SVP vor der Herausforderung, zwei Bisherige zu ersetzen. Will sie zulegen müssen sogar drei Neue den Sprung ins Parlament schaffen.

Wobei das Attribut neu nicht auf alle Kandidierenden zutrifft. Mit Klaus Rüdiger findet sich nämlich ein bekannter Name auf der Liste. Er war ab 2005 für zehn Jahre Mitglied des Stadtparlaments, fünf Jahre davon präsidierte er die Geschäftsprüfungskommission.

Dank der Abgänge dürfen sich aber auch die neun weiteren Kandidaten, die als neue antreten, Chancen auf einen Sitz ausrechnen.

SVP will endlich in die Exekutive

Die SVP weiss, dass ihr Potenzial bei den bürgerlichen Wählerinnen und Wählern liegt. Wohl auch deshalb nimmt sie die CVP ins Visier. Mit dem Wahlslogan «Wil mit Kathi» reklamiert sie ein Thema für sich, das auch zu den Kernanliegen der Christdemokraten gehört. Das Kalkül: Kathi-Befürworter für die SVP zu gewinnen.

Doch selbst wenn der Coup gelingen sollte und die SVP die jahrzehntelange Vormachtstellung der CVP in Wil beendet, ist damit nur die Hälfte der selbst gesteckten Ziele erreicht.

Eine starke Stimme in der Legislative ohne Mitsprache in der Exekutive zu sein, reicht der SVP nicht mehr. Die Partei möchte Verantwortung in der Stadtregierung übernehmen.

Egli will Klassengrössen anheben, um Kosten zu sparen

Dafür hat sie Parteipräsidentin Ursula Egli für den Stadtrat nominiert. Sie sagt:

«Es ist höchste Zeit, dass die SVP im Stadtrat vertreten ist.»

Man dürfe nicht jammern, dann aber niemanden zur Wahl aufstellen, so wie dies vor vier Jahren der Fall gewesen sei.

Die Kandidatensuche gestaltete sich allerdings auch heuer schwierig. «Ursula Egli hat sich schliesslich als einzige bereit erklärt, den Kampf aufzunehmen», sagte Fraktionspräsident Benjamin Büsser.

Egli nannte das Bildungs- sowie das Sozialdepartement als mögliche Optionen – und hat bereits erste Ideen im Köcher. So kann sie sich vorstellen, die Klassengrössen anzuheben, denn «damit könnte man enorme Kosten sparen», sagte sie.

Die SVP will zudem auch Einzug in den Schulrat halten. Dafür wurde Stadtparlamentarier Nathanael Trüb nominiert. Gelingt es der SVP, sowohl im Stadtrat als auch im Schulrat einen Sitz zu erobern, wäre sie ihrem Ziel einen Schritt näher und plötzlich mittendrin statt – wie bisher – nur dabei.