Die Suche nach Wasser beginnt

Degersheim beschloss vergangene Woche, das Hallenbad Sennrüti Ende Juni 2014 zu schliessen. Gruppen, die das Bad belegen, suchen jetzt nach Alternativen. Und: Die Hoffnungen auf einen privaten Weiterbetrieb sind noch nicht begraben.

Mario Fuchs
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DEGERSHEIM. Am 30. Juni 2014 ist Schluss. An diesem Tag – es wird ein Montag sein – wird das Hallenbad Sennrüti zum letzten Mal geöffnet haben. Zumindest voraussichtlich. Denn: Befürworter des Bads hoffen weiterhin darauf, eine Lösung zu finden, wie es auch ohne finanzielle Unterstützung der Gemeinde weiter geöffnet bleiben kann. Zur Diskussion stehen etwa ein Verein oder eine Genossenschaft. Dafür braucht es aber genügend Interessenten – und die müssen zuerst gefunden werden (siehe Text «Im Wechselbad der Gefühle»).

Kein einziges Hallenbad rentiert

Fakt ist: Kein Hallenbad in der Schweiz kann seine Kosten einspielen. Sogar erfolgreiche Bäder wie der Säntispark in Abtwil würden für sich allein genommen nicht rentieren. Die Migros baute den Säntispark einst als Abschreibungsobjekt. Das Problem sind die hohen Unterhalts- und Betriebskosten. Wie die Wiler Zeitung von einem Experten erfuhr, müssen die Komponenten von Lüftung und Wasseraufbereitung alle 15 bis 20 Jahre ersetzt werden – und dies sogar bei bester Ausführungsqualität der entsprechenden Anlagen.

Die Gruppen, die in Degersheim Wasser belegen, können deshalb ihre Kraft nicht allein in die Suche nach einer Lösung für den Weiterbetrieb stecken. Sie benötigen auch einen Plan B – und dessen Erstellung hat in diesen Tagen Priorität.

Gemeinsam oder alleine?

Einer der Betroffenen ist Peter Stalder. Seit Jahren trainiert er die Schwimmgruppe Degersheim. Als Mitglied der Geschäftsprüfungskommission der Politischen Gemeinde hielt er sich im Vorfeld der Bürgerversammlung an das Kollegialitätsprinzip – und äusserte sich nicht zu den geplanten Sparmassnahmen. Jetzt, da die Schliessung beschlossen ist, muss aber auch er nach Lösungen suchen. Stalder sieht drei Optionen.

• Option 1: Die Schwimmgruppe tut sich mit den anderen Gruppen zusammen, um bei den umliegenden Hallenbädern anzuklopfen. «Gemeinsam würden wir mehr Stunden belegen, mehr Leute bringen. Das könnte ein Vorteil sein», sagt Peter Stalder. Mögliche Hallenbäder sind für ihn Herisau, Gossau oder Oberuzwil. Bütschwil käme allenfalls auch in Frage.

Die Bäder in Wuppenau, St. Gallen oder Wil, wo derzeit im Sportpark Bergholz gebaut wird, seien «eher zu weit entfernt». Dass der St. Galler Stadtparlamentarier Fabian Koch diese Woche die Frage nach einem regionalen Hallenbad in der Mitte zwischen Gossau und St. Gallen aufgeworfen hat, spielt für Peter Stalder keine Rolle. «Wir müssen uns an dem orientieren, was wir haben.»

• Option 2: Stalder würde Kontakte zu anderen Schwimmclubs vermitteln, seine Schwimmerinnen und Schwimmer könnten danach aussuchen, wo sie künftig trainieren wollen.

• Option 3: Die Gruppe in einen anderen Club integrieren.

Transport als Problem

Bewegungstrainerin Caroline Ligterink leitet im Hallenbad Sennrüti Aquamed- und Aqua-Trainings. Auch für sie ist die Suche nach Alternativen prioritär. «Ich habe bereits andere Hallenbäder angefragt. Bis jetzt bin ich immer nur auf ein <Nein> gestossen», sagt sie. Die Stunden, zu denen noch freie Bahnen zu haben sind, sind offenbar überall knapp. Bei Caroline Ligterink kommt ein anderes Problem hinzu: Ihre Kursteilnehmenden sind in einem Alter zwischen 55 und über 80 Jahren. «Der Transport für ältere Leute ist nicht immer einfach zu organisieren und verbunden mit Kosten.»

Den Betroffenen bleiben acht Monate Zeit, um Wasser zu finden. Sonst bleiben sie auf dem Trockenen sitzen.

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