Die Strafe ist ein XXL-Shirt

REGION. Wie kleidet man sich angemessen für die Schule? An den Oberstufenschulen BuGaLu, Sproochbrugg und Lerchenfeld wird dieses Thema auf drei unterschiedliche Arten gehandhabt.

Vanessa Meier Linero
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Verständlich visualisiert: Die Kleiderordnung der Oberstufe Lerchenberg. (Bild: zVg)

Verständlich visualisiert: Die Kleiderordnung der Oberstufe Lerchenberg. (Bild: zVg)

In knapp zwei Wochen beginnen die Sommerferien an den Schulen im Kanton St. Gallen. Diese markieren für den Grossteil der Schüler der dritten Oberstufe den Eintritt ins Arbeitsleben. Dort gelten andere Regeln – oft herrschen Kleiderordnungen am künftigen Arbeitsplatz. In der Bank ist ein Anzug Pflicht, in einer Bäckerei eine Uniform. Im Spital wird ein Kittel vorgeschrieben, auf der Baustelle sind es Stahlkappenschuhe und Arbeitshosen.

Auf Beginn dieses Schuljahres hat die Schulleitung der Oberstufe Lerchenberg Kirchberg ebenfalls eine Kleiderordnung erlassen. «Sie soll unter anderem dazu dienen, die Schülerinnen und Schüler zu sensibilisieren, zwischen Freizeit und Arbeit zu unterscheiden», erklärt Schulleiter Donat Ledergerber.

Dokument unterschreiben

Im Sommer sei es in der Oberstufe Lerchenfeld vermehrt störend zu «zu kurzen» Hosen, ärmellosen Shirts und tiefen Ausschnitten gekommen. Doch nicht nur Mädchen seien der Auslöser für den Erlass der Kleiderordnung gewesen: «Viele Jungs trugen die Hosen so weit unten, dass jedem die Unterwäsche offenbart wurde», sagt Ledergerber. Dies sei nicht nur unangenehm für Mitschüler und Lehrpersonen gewesen, sondern auch mühsam für die Lehrpersonen, die diese Schüler darauf aufmerksam machen mussten. Die Oberstufe sei ein Ort des Lehrens und Lernens, an dem freizügige oder provokative Kleidung keinen Platz habe.

«Im Team gab es viele Diskussionen, bis schliesslich die Kleiderordnung stand. Sie wurde gemeinsam mit dem Elternrat entwickelt, der vollkommen dahinter steht», sagt Ledergerber. Jede Schülerin und jeder Schüler habe ein Blatt mit dem Dresscode der Oberstufe Lerchenberg erhalten, auf dem visuell dargestellt ist, was akzeptiert wird und was ein absolutes No-go ist. Darauf geregelt ist die Länge der kurzen Hosen, was der Ausschnitt alles verhüllen und wie lange das T-Shirt sein muss. Keinesfalls dürfen auf Print-Shirts rassistische, sexistische und drogen- oder gewaltverherrlichende Sprüche abgedruckt sein oder Trainerhosen getragen werden. Dieses Dokument musste zu Beginn des Schuljahres von den Schülern und ihren Eltern unterschrieben und in der Schule abgegeben werden. «Wer gegen die Regel verstösst, muss ein von der Schule zur Verfügung gestelltes, übergrosses, beigefarbenes T-Shirt überziehen. Bei mehrmaligem Verstoss wird mit den Eltern darüber gesprochen. Dabei gilt der Grundsatz: Die Feststellung der Lehrperson ist nicht diskutierbar», sagt Donat Ledergerber.

Hotpants legalisieren

Bis letzte Woche habe die Kleiderordnung noch keine Probleme bereitet, da vorwiegend kaltes Wetter geherrscht habe. «Letzte Woche reichten jedoch einige Schülerinnen eine Petition ein, die verlangte, dass wir immerhin die ganz kurzen Hotpants zulassen, weil es so heiss war. Ich sehe jedoch keinen Grund, den Dresscode anzupassen. Wegen einiger Zentimeter weniger Stoff wird es unserer Meinung nach nicht weniger warm», sagt Ledergerber. Bei den Jungs sei die Kleiderordnung kein Thema – sie würden sie sogar unterstützen und darauf plädieren, dass die Lehrer sie endlich bei den Mädchen durchsetzen.

Genauere Körperpflege

Anders als an der Oberstufe Lerchenfeld ist es im Schulhaus BuGaLu in Bütschwil geregelt. «In unserer Schulordnung stehen seit einigen Jahren zwei Abschnitte zum Thema Kleidung: Die Oberstufe verlangt angemessene Kleidung, zu freizügig wird nicht akzeptiert. Uniformen, Springerstiefel oder ähnliches wird nicht geduldet», erklärt Schulleiterin Monika Rösinger. Wer dagegen verstosse, werde zurechtgewiesen oder sogar nach Hause geschickt. An der BuGaLu gebe es momentan keine Probleme.

Auch die Oberstufe Sproochbrugg in Zuzwil besitzt keine offizielle Kleiderordnung. «Wir setzen voraus, dass sich jede Schülerin und jeder Schüler an unserer Schule anständig anzieht», erklärt Freddy Noser. Es werde bereits beim Schuleintritt thematisiert. Wer sich unangemessen kleidet, muss nach Hause und die Eltern werden benachrichtigt – das sei bisher sehr selten der Fall gewesen. Vermehrt seien jedoch Schüler diskret angehalten worden, es mit der Körperpflege etwas genauer zu nehmen. «Überhaupt nicht erlaubt ist das Tragen von Schirmmützen im Schulzimmer», sagt Noser.

Sichtlich gekennzeichnet: Wer gegen die Kleiderordnung verstösst, muss ein von der Schule zur Verfügung gestelltes T-Shirt tragen. (Bild: vml)

Sichtlich gekennzeichnet: Wer gegen die Kleiderordnung verstösst, muss ein von der Schule zur Verfügung gestelltes T-Shirt tragen. (Bild: vml)