«Die Stimmung war grossartig»

Das neue Jahr ist zwar bereits lanciert. Trotzdem besteht Grund, auf den St. Galler Sport zurück zu blicken. Der Wiler Patrik Baumer, Leiter kantonales Amt für Sport, liess sich dazu befragen. Er blickt auf starke Leistungen der St. Galler Sportlerinnen und Sportler zurück.

Beat Lanzendorfer
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Patrick Baumer betreibt persönlich auch viel Sport. (Bild: pd)

Patrick Baumer betreibt persönlich auch viel Sport. (Bild: pd)

Kommen Sie noch dazu, sich selber sportlich zu betätigen?

Patrik Baumer: Ja, sicher. Klar muss ich mir die Zeit manchmal auch «stehlen», aber in der Regel schaffe ich es, wöchentlich mehrmals sportlich aktiv zu sein.

Wo gibt es noch Verbesserungspotenzial?

Baumer: Eigentlich mache ich gern von zu Hause aus grössere Biketouren, und die kamen im vergangenen Jahr eindeutig zu kurz. Dabei möchte ich jetzt nicht nur dem schlechten Wetter vom letzten Sommer die Schuld geben.

Wie stufen sie das Sportjahr 2014 aus Ihrer Sicht ein?

Baumer: Ich war mit dem vergangenen Jahr sportlich sehr zufrieden. Obwohl ja beispielsweise der Winter 2013/2014 nicht gerade als ausserordentlich schneereicher Winter bezeichnet werden kann, hatte ich für mich persönlich so viele Skitage zur Verfügung, wie schon lange nicht mehr. Auch die übrigen Sportaktivitäten konnte ich mehr oder weniger so wie gewollt durchziehen.

Was war für Sie das Schweizer Sport-Highlight des Jahres?

Baumer: Für mich sind Highlights im Sport vielfach auch Erfolge, die nicht erwartet wurden, und davon gab es im vergangenen Jahr doch einige. Ich denke dabei an die Olympischen Winterspiele in Sotschi, an die Fussball-Weltmeisterschaften in Brasilien, die Leistungen des Daviscup-Teams oder die Leichtathletik-Europameisterschaften im Letzigrund-Stadion in Zürich. Dort konnte ich übrigens vor Ort mitverfolgen, wie Kariem Hussein über 400 m Hürden zu Gold lief. Die Stimmung war natürlich grossartig.

Das Gegenteil dürfte auch der Fall sein. Gibt es ein Ereignis, das für Sie enttäuschend verlief?

Baumer: Enttäuschungen und Niederlagen gehören zum Sport. Ich versuche, diese Ereignisse jeweils rasch zu vergessen und im Sinne der Sportlerinnen und Sportler nach vorne zu schauen.

Sportpolitische Enttäuschungen waren für mich die «Absage» der Kandidatur für die Olympischen Winterspiele 2022 in Davos und St. Moritz sowie die Tatsache, dass das Nationale Schneesportzentrum definitiv nicht ins Obertoggenburg kommen wird.

Und dieselben Einschätzungen nur auf den Kanton St. Gallen bezogen?

Baumer: Die Sportlerinnen und Sportler aus dem Kanton St. Gallen zeigen immer wieder grossartige Leistungen. Ich denke dabei beispielsweise an das äusserst erfolgreiche Jahr von Belinda Bencic. Weitere Topleistungen aus St. Galler Sicht waren der erste Schweizer-Meister-Titel des Badmintonclubs Uzwil, die Titelverteidigung der EM-Goldmedaille von Giulia Steingruber, die wiederum ausgezeichneten Leistungen unserer OL-Läuferinnen und -Läufer oder der Voltige-Damen aus Lütisburg auf nationalem und internationalem Parkett. Absolut aussergewöhnlich ist für mich der steile Weg des ehemaligen FC Wil-Spielers Fabian Schär an die Fussball-Weltspitze.

Haben Sie sich für das neue Jahr auch den einen oder anderen Vorsatz genommen?

Baumer: Ich bin kein Mensch, der sich Anfang Jahr viele Vorsätze nimmt, die er dann kaum einhalten kann. Vielmehr versuche ich mir – auch während des Jahres – immer wieder kleinere Ziele zu setzen, die ich dann mit einem konkreten Plan umgehend angehe.

Gibt es einen Schwerpunkt, der für das Amt für Sport in den kommenden Monaten erhöhte Aufmerksamkeit geniesst?

Baumer: Beim Amt für Sport des Kantons St. Gallen beschäftigen wir uns zurzeit neben unserem «Hauptgeschäft» Jugend+Sport sehr intensiv mit der Überarbeitung des Hochbegabten-Konzepts (Sporttalentförderung). Ein weiteres Thema ist die Qualitätssicherung im Schulsport. Daneben wird sich in diesem Jahr eine speziell dafür ins Leben gerufene Arbeitsgruppe dem Bereich Bewegungs- und Sportförderung im Erwachsenenalter widmen.

Welche Sportart leistet Grossartiges und kommt aus Ihrer Sicht in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit aber zu schlecht weg?

Baumer: Da gäbe es einige aufzuzählen, da die Wahrnehmung sehr stark durch das Fernsehen geprägt ist und dort bekanntlich Fussball, Eishockey, Tennis, Automobil- und der Skirennsport bei weitem am meisten Sendezeit beanspruchen. Zum Glück wird jedoch in der regionalen Presse auch von grösseren und kleineren Erfolgen verschiedener anderer Sportarten berichtet, die im Fernsehen trotz ihrer beachtlichen Leistungen nur wenig oder überhaupt keine Beachtung erhalten.

Für welche Schlagzeile entscheiden Sie sich: St. Gallen ist Cupsieger 2015 oder die Frauen holen in Kanada sensationell den Weltmeistertitel?

Baumer: Der FC St. Gallen als Cupsieger 2015 würde mir sehr gut gefallen. Den bevorstehenden Viertelfinal gegen Buochs aus der 2. Liga interregional müssten sie eigentlich gewinnen und nachher ist alles möglich. Natürlich drücke ich auch unserer Frauen-Fussballnationalmannschaft an der Weltmeisterschaft in Kanada im Juni die Daumen, aber sie haben definitiv ein schwieriges Los. Der WM-Titel würde dann schon eine kleine Sensation darstellen.