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Die SP Wil-Untertoggenburg hofft auf einen Linksrutsch

Die Regionalpartei will einen Sitz hinzugewinnen. Das könnte aber aus mehreren Gründen schwierig werden.

Gianni Amstutz
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Die SP hat im Kantonsrat einen schweren Stand. Gemeinsam mit den Grünen bildet sie eine Fraktion mit 26 Mitgliedern. Um Mehrheiten zu bilden, ist sie also nicht nur auf die CVP/GLP-Fraktion angewiesen, sondern braucht zusätzlich Stimmen der FDP-Fraktion. «Klassisch linke Anliegen lassen sich in der aktuellen Zusammensetzung kaum je durchsetzen», sagt Raffael Sarbach, Präsident der Regionalpartei Wil-Untertoggenburg. Das Ziel für die bevorstehenden Wahlen sei deshalb, die Mitte- rechts- in eine Mitte-links-Mehrheit zu ändern.

Präsident der SP Wil-Untertoggenburg

Präsident der SP Wil-Untertoggenburg

Die SP Wil-Untertoggenburg hofft, ihren Teil dazu beitragen zu können. Sie hat sich das ambitionierte Ziel gesetzt, den Wähleranteil um mehr als zwei Prozentpunkte auszubauen und einen vierten Sitz hinzuzugewinnen. Dies, obwohl der dritte Sitz bei den Wahlen 2016 nur dank eines Restmandats zu Stande gekommen war. Erschwerend kommt hinzu, dass Peter Hartmann nicht mehr antritt. Er habe jeweils bis weit in die Mitte Stimmen für die SP geholt, sagt Sarbach. «Die Frage wird sein, wohin diese Stimmen nun gehen.»

Wechselt die Tendenz von rot auf grün?

Trotzdem gibt sich der Präsident der Regionalpartei zuversichtlich: «Es könnte eng werden, aber wir geben Vollgas.» Dass ein Sitzgewinn für die SP im Wahlkreis Wil eine hohe Hürde darstellen könnte, liegt nicht nur an der bürgerlich geprägten Politiklandschaft. Konkurrenz droht auch aus den eigenen Reihen. Die Fraktionspartner der SP, die Grünen, konnten im Herbst auf nationaler Ebene stark zulegen – auch auf Kosten der SP. Dass sich ein ähnliches Szenario am 8.März wiederholt, sei natürlich eine Möglichkeit, auch wenn sich nationale nur bedingt mit kantonalen Wahlen vergleichen liessen, sagt Sarbach.

«Am schönsten wäre es, wenn sowohl SP als auch Grüne zulegen könnten.»

Wenn nämlich beide Parteien eine eigene Fraktion bildeten, würden linke Anliegen in den Kommissionen künftig besser vertreten.

Angst vor der grünen Welle hat man bei der SP aber ohnehin keine. Auch, weil die Sozialdemokraten selbst eine ähnliche Umweltpolitik betreiben wie die Grünen. Mit Anna Miotto und Timo Räbsamen kandidieren ausserdem zwei Klimaaktivisten, die wiederholt in dieser Thematik auf sich aufmerksam machten. Auch sonst stehen auf der SP-Liste im Wahlkreis Wil auffallend viele junge Kandidatinnen und Kandidaten. Dies, weil die Liste eine Kombination aus SP, Juso und Gewerkschaften ist. Für separate volle Listen habe es zu wenig Kandidierende gehabt, erklärt Sarbach.

SP will sich für attraktiven ÖV stark machen

Thematisch bewegt sich die SP in gewohnten Gefilden. Einen Schwerpunkt wolle die Partei beispielsweise beim ÖV setzen. «Der Fahrplanwechsel 2018 war für die Region Wil eine Katastrophe», sagt Sarbach. Durch den Verlust den Bahnknotens in Wil sind für Pendler aus dem Toggenburg und dem Hinterthurgau Wartezeiten von bis zu 20 Minuten entstanden. «Da habe ich Verständnis, wenn jemand lieber ins Auto steigt.» Der Kanton müsse den ÖV möglichst attraktiv gestalten, um die Bevölkerung dazu zu bewegen, diesen auch zu nutzen.

Doch anstatt zu investieren, werde zu oft gespart, sagt Sarbach. Das habe die Forderung nach einer Steuersenkung in der Kantonsratssession von vergangener Woche gezeigt. Gespart werde dann oft im Sozialbereich. Für Sarbach ein Unding.

«Eine gute Lebensqualität ist wichtiger als ein tieferer Steuerfuss.»

In der Spitaldiskussion hat die SP eine klare Haltung. Es sei etwas vorschnell die Rede von Schliessungen gewesen, sagt Sarbach. Mit dem Leistungsabbau an einzelnen Spitälern greife der Verwaltungsrat dem politischen Prozess vor. Doch auch Sarbach sagt: «Irgendetwas muss sich ändern.» Dafür müssten aber zuerst alle Fakten bekannt sein.