Die SP Flawil ist überzeugt: «Das Spital Flawil wird gebraucht»

Die SP Flawil verlangt die Stärkung des Spitalstandorts Flawil in der Spitalregion 1 und betont, ein Verzicht sei heute gar nicht möglich.

Hans Suter
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Das Spital Flawil ist Teil der Spitalversorgungsregion 1. Es ist nicht mehr eigenständig, denn alle Leistungen werden durch das Zentrumsspital zugeteilt.
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Mit der Schliessung des Spitals Flawil per Ende 2021 würden 75 stationäre Betten aufgehoben.

Das Spital Flawil ist Teil der Spitalversorgungsregion 1. Es ist nicht mehr eigenständig, denn alle Leistungen werden durch das Zentrumsspital zugeteilt.

Bild: Ralph Ribi

Für die Flawiler Sozialdemokraten ist klar: Angesichts der chronischen Überbelegung und der noch lange anhaltenden Bauphase am Kantonsspital St.Gallen (KSSG) kann auf das Spital Flawil gar nicht verzichtet werden. Als betriebswirtschaftlich und organisatorisch sinnvollste Lösung erachtet die SP Flawil ein Modell mit einer Klinik mit planbaren und stationären Eingriffen am heutigen Standort in Flawil. Die Partei erachtet auch einen Ausbau mit stationären Angeboten wie Palliativmedizin als möglich.

Diese und weitere Vorschläge unterbreitet die SP Flawil dem Gesundheitsdepartement des Kantons St.Gallen in einer Stellungnahme. Diese erfolgte im Rahmen der Vernehmlassung zur Weiterentwicklung der Strategie der St.Galler Spitalverbunde.

Künftig nur noch vier statt neun Spitäler im Kanton St.Gallen

Die neue Strategie der Regierung sieht vor, sich künftig auf die vier Spitalstandorte Grabs, Uznach und Wil sowie St.Gallen als Zentrumsspital zu konzentrieren. Den Landspitälern Wattwil, Flawil, Rorschach, Altstätten und Walenstadt droht dadurch die Herabstufung auf eine – noch nicht näher bestimmte – Notfallstation oder gar die Schliessung. Als Grund wird der zunehmende Kostendruck angeführt. Ein aktuelles Beispiel: Die Spitalregion 1 mit dem Spitälern Wil und Wattwil müsste ohne Notkredit des Kantons St.Gallen Konkurs anmelden.

Das Spital Flawil bildet zusammen mit Rorschach und dem Zentrumsspital St.Gallen die Spitalregion 1. Die Spitäler haben im Kanton St.Gallen den Auftrag, mindestens 80 Prozent der Einsatzorte mit dem Rettungsdienst in 15 Minuten zu erreichen.

Stadt-Land-Graben verhindern in der Gesundheitsversorgung

Marco Lüchinger Flawil

Marco Lüchinger Flawil

Bild: PD

In Flawil macht sich Widerstand breit gegen die drohende Spitalschliessung. Angesichts der grossen Bedeutung des Spitals für die Gemeinde Flawil sah sich die SP Flawil veranlasst, sich in der Vernehmlassung mit einer eigenen Stellungnahme einzubringen. Und sie spart darin nicht mit Kritik. «Die Vernehmlassungsunterlagen der Regierung zeigen, dass die Berechnungen auf den negativsten Entwicklungen und Zahlen basieren», schreibt Parteipräsident Marco Lüchinger. Dies zeige sich etwa bei den eklatanten Unterschieden zwischen den Budgetzahlen und den effektiven Abschlüssen der Spitalverbunde. Damit werde auch klar, dass die hochgesteckten betriebswirtschaftlichen Ziele bei keiner Variante erreicht werden könnten. Insbesondere die hohen Investitionen im Umfang von etwa zwei Milliarden Franken, die zur Amortisation unrealistisch hohe Betriebsergebnisse verlangten, müssten reduziert werden. Das heutige Modell der stationären Gesundheitsversorgung berücksichtige die Interessen aller Regionen durch wohnortnahe und regional verankerte Angebote. Lüchinger ist überzeugt:

«Dank der Leistungskonzentrationen und Aufgabenteilung zwischen Zentrums- und Grundversorgung ist sie kostengünstig.»

Erst die nach einem langen Moratorium beschlossene Erneuerung der Spitalinfrastruktur und vor allem die Umwandlung der Ausgabenbeschlüsse von 2014 in Darlehen setzten die Spitäler jetzt unter Druck. «Dies darf jedoch nicht dazu führen, dass durch die Schliessung von Standorten in den Regionen und durch den Ausbau des Kantonsspitals St.Gallen in der stationären Gesundheitsversorgung ein Graben zwischen Stadt und Land entsteht», warnt Lüchinger eindringlich.

Verzicht auf das Spital Flawil ist gar heute nicht möglich

Die Grundversorgung der Bevölkerung sowie planbare ambulante und stationäre Eingriffe liessen sich auch in kleineren Spitälern kostengünstig und betriebswirtschaftlich sinnvoll anbieten. Dies zeige das Interesse eines privaten Anbieters, der das Spital Flawil übernehmen möchte. Marco Lüchinger in seiner Stellungnahme an das Gesundheitsdepartement fest:

«Die stationäre Gesundheitsversorgung ist ein bedeutender Teil des Service Public und muss für alle Menschen zugänglich sein.»

«Für das Spital Flawil steht damit das Modell mit einer Klinik mit planbaren stationären und ambulanten Eingriffen im Vordergrund.» Möglich wäre in den Augen der SP auch der weitere Umbau des Angebots in Richtung eines Mehrspartenstandortes mit planbaren Eingriffen und stationären Angeboten wie Palliativmedizin. «Im derzeitigen Umfeld ist das Spital Flawil für die stationäre Gesundheitsversorgung der Spitalregion 1 notwendig. Es entlastet das Zentrumspital und verhindert, dass zusätzliche Bettenkapazitäten und damit Investitionen in St.Gallen notwendig werden.»

Fazit der SP: «Spitalstandort Flawil hat seine Berechtigung»

«Die Verunsicherung in der Bevölkerung ist gross. Dies auch, weil die Informationen durch Regierung und Verwaltungsrat der Spitalverbunde nur eine Sicht präsentieren», bedauert Lüchinger. «Die Bevölkerung muss aber beispielsweise wissen, dass die direkten Kosten des Kantons St.Gallen für die stationäre Gesundheitsversorgung auch nach einer Schliessung von fünf Standorten gleich bleiben würden.» Das sei eine Folge der seit 2012 eingeführten neuen Spitalfinanzierung. «Es geht damit bei der neuen Strategie ausschliesslich um die betriebswirtschaftliche Sicht der Spitalverbunde, ohne Berücksichtigung volkswirtschaftlicher Aspekte.»

Obwohl das Spital Flawil vollständig durch die Verantwortlichen des KSSG gesteuert wird, drängen sich angesichts der Verhaltensweisen der Verantwortlichen klare Vorgaben der Politik auf. Zur Disposition stehen folgende Varianten: Standort einer Klinik, Mehrspartenstandort ohne Geburten, Verkauf an einen privaten Anbieter.

Das Fazit der SP Flawil: «Der Spitalstandort Flawil hat seine klare Berechtigung und die Weiterführung im Kontext der Spitalversorgungsregion 1 ist gerechtfertigt. Im Vordergrund steht das Modell mit einem Standort einer Klinik mit planbaren stationären und ambulanten Eingriffen.»

Hinweis: Am 16. Januar 2020 führt die SP Flawil eine öffentliche Veranstaltung zum Thema Gesundheitsversorgung durch.