«Die Situation ist für alle schwierig»: Kitas der Region Wil und Toggenburg sind auf Unterstützung angewiesen

Der Kanton St.Gallen verlangt, dass die Kindertagesstätten geöffnet bleiben. Für viele bringt dies finanzielle Unsicherheiten mit sich.

Miguel Lo Bartolo
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Die Kitas sind bemüht, den Kindern eine heile Welt zu suggerieren und die Eltern zu entlasten.

Die Kitas sind bemüht, den Kindern eine heile Welt zu suggerieren und die Eltern zu entlasten.

Bild: Pius Amrein

Während auf Anweisung des Bundes reihenweise Geschäfte schliessen müssen, halten einige wenige die Stellung. Zu letzteren gehören unter anderem Arztpraxen, Lebensmittelhändler und Kindertagesstätten. Diese Zeitung hat bei diversen Kitas in der Umgebung nachgefragt, wie sie mit der aktuellen Situation umgehen.

Dabei hat sich gezeigt, dass die einzelnen Kitas mit sehr unterschiedlichen Problemstellungen zu kämpfen haben. Laut den jeweiligen Leitern haben einige Kitas ihr Belastungslimit bereits erreicht. Andere wiederum betonen, ihr Verhältnis von Mitarbeitenden und zu betreuenden Kindern sei alles andere als lukrativ.

Auslastung der Kitas variiert

«Aus rein finanzieller Sicht wäre es eigentlich am sinnvollsten, die Kita zu schliessen und Kurzarbeit anzumelden», sagt etwa der Leiter der Kita Mühleli in Bazenheid. Dies ist allerdings nicht möglich. Der Kanton verlangt nämlich, dass die Kinderbetreuungsangebote – wo möglich – zugänglich bleiben.

Sylvie Hinterberger, Vorstandsmitglied der Kita Bärehuus in Wattwil, sagt:

«Solange der Betrieb professionell geführt werden kann, also die Qualität des Betreuungsangebots und die Gesundheit des Personals gewährleistet sind, müssen wir geöffnet bleiben.»

Der Entscheid der Regierung beruht auf dem derzeitigen Mangel an Alternativen zur Kita. Die Grosseltern sind bekanntlich eine schlechte Adresse – ganz besonders für jene Kinder, die zeitweise die Kita besuchen. Die Ansteckungsgefahr wäre zu gross. Darüber hinaus verlangt der Bundesrat ohnehin, dass man den Kontakt zur Aussenwelt auf ein Minimum reduziert.

Die Kitas scheinen unter diesen Voraussetzungen die einzig mögliche Anlaufstelle für Kinder zu sein, deren Eltern auch weiterhin zur Arbeit gehen müssen. Es gibt mehrere Kitas, welche die Obhut ebendieser Kinder künftig priorisieren möchten. Aus einigen Einrichtungen hört man:

«Die Eltern sollen ihre Kinder nur dann in die Krippe bringen, wenn sie denn wirklich keine andere Möglichkeit haben.»

Voraussetzung: Alle müssen sich an die Massnahmen halten

«Die Situation ist für alle schwierig», sagt Edith Goetz von der Kita Wil. Oft können die Kitas aus Sicherheitsgründen keine neuen Kinder aufnehmen. Nur vollkommen gesunde Kinder dürfen dazustossen, wie Goetz sagt. Und selbst dann seien die Chancen auf einen Platz gering. Die Auslastung der Kita Wil halte sich zurzeit zwar noch im Rahmen. Weiterhin sei dies aber nur möglich, wenn sich alle an die Massnahmen halten.

Gleichzeitig verzeichnet eine Vielzahl von Kitas eine Auslastungsabnahme. «Wir betreuen im Schnitt nur mehr sieben Kinder», heisst es auf Anfrage bei der städtischen Kinderkrippe Wil. Es sei zu vermuten, dass dies damit zusammenhängt, dass diejenigen Eltern, die von zu Hause aus arbeiten können, nicht mehr auf die Dienste der Kinderkrippe angewiesen sind. Auch die Kita Bärehuus hat laut Sylvie Hinterberger viele Abmeldungen notiert. Hinterberger versucht aber, das Glas halb voll zu sehen:

«Wir können jetzt immerhin mehr Zeit in die Ausbildung unserer Lehrlinge und Praktikanten investieren.»

Ungewissheit bezüglich finanzieller Unterstützung

Der Aufschrei der Bevölkerung nach einer stärkeren Unterstützung der Kindertagesstätten ist gross. Er kommt plötzlich und verwundert nicht wenige. Goetz beispielsweise wünscht sich, die Kitas würden auch ausserhalb solcher Notlagen geschätzt und finanziell mitgetragen werden. Damit steht die Leiterin der Kita Wil nicht alleine da.

Auch der Leiter der Kita Mühleli in Bazenheid betont: «Gerade jetzt wäre eine finanzielle Unterstützung seitens Staat das Wichtigste.» Das würde den zahlreichen Betreuerinnen und Betreuern, die in dieser Zeit der Ungewissheit um die Zukunft ihrer Arbeitsplätze bangen, enorm entlasten. Dass nämlich selbst jene Kitas, bei denen ein starker Rückgang der zu betreuenden Kinder zu verzeichnen ist und die schlicht nicht mehr wirtschaftlich sein können, auf Anweisung des Kantons offen bleiben müssen, erschwert ihre ohnehin schon schwierige Situation.

Für den derzeitigen Einsatz ihrer Mitarbeitenden finden die Kitas jeweils klare Worte. Edith Goetz etwa sagt:

«Sie machen einen grossartigen Job. Einige von ihnen haben selbst Kinder, bei denen sie in dieser Situation lieber wären.»

Den Kindern geht es sehr gut

«Früher sind wir bei schönem Wetter auf den Sport- oder Spielplatz gegangen. Das ist jetzt leider nicht mehr möglich», sagt eine Betreuerin der Städtischen Kinderkrippe Wil. Das Angebot sei zwar aktuell etwas eingeschränkt, aber man versuche dennoch das Beste aus der Situation zu machen.

In der Kita Mühleli stellt man fest, dass die Kinder jeweils die angespannte Stimmung von zu Hause wahrnehmen. Die Betreuerinnen und Betreuer versuchen aber, die Eltern so gut wie möglich zu entlasten. Auch ist man zusammenfassend überall darum bemüht, den Kindern zumindest innerhalb der jeweiligen Kita eine heile Welt zu suggerieren. «Den Kindern geht es sehr gut», sagt der Leiter der Kita Mühleli. «Das ist die Hauptsache.»