Interview

Die schüchterne Rampensau: Fabio Landert aus Oberbüren startet als Komiker durch

Das SRF findet ihn genauso gut wie die Deutschen: Fabio Landert, Comedy-Nachwuchstalent aus Oberbüren.

Tobias Söldi
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Mit seinen Auftritten will Komiker Fabio Landert die Leute aus ihrem Alltag reissen.(Bild: Tobias Söldi)

Mit seinen Auftritten will Komiker Fabio Landert die Leute aus ihrem Alltag reissen.(Bild: Tobias Söldi)

Fabio Landert, wie geht es Ihrer Tochter?

Sehr gut (lacht). Sie ist sehr pflegeleicht, weil sie ja bloss imaginär ist.

Die Tochter ist Teil einer Ihrer Nummern. Um von Ihrer mässigen Arbeitsleistung abzulenken, teilen Sie Ihren Arbeitskollegen kurzerhand mit, Sie seien Vater geworden. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Ein Kollege von mir ist Vater geworden – und ich habe es ihm zuerst gar nicht geglaubt. Diese Pointe habe ich dann stetig weiterentwickelt und zu einer Geschichte ausgebaut. Die Nummer ist sicher schon ein Jahr in meinem Programm.

Und zu einem regelrechten Running Gag, einem Ihrer Markenzeichen, geworden.

Ja. Aber je bekannter ich bin, desto schlechter kann ich die Nummer bringen. Die Leute wissen, dass ich gar nicht Vater bin. Lustig war, als ein Komiker, der nach mir aufgetreten ist, tatsächlich Vater geworden ist. Als er das dem Publikum sagte, haben die Leute gelacht und gedacht, es sei ein Scherz.

Sind Sie als Komiker ständig witzig und gut drauf?

Nein. Es ist nicht so, dass ich einen Witz nach dem anderen raushaue.

Ich bin eher ruhig und zurückhaltend gegenüber Leuten, die ich nicht kenne, und überhaupt nicht extrovertiert.

Das strahlen Sie auch auf der Bühne aus. Sie wirken sehr ruhig. Sind Sie nicht nervös?

Eine Grundnervosität ist immer da. Aber es ist nicht mehr so schlimm wie am Anfang meiner Karriere. Wenn ich eine neue Nummer aufführe, bin ich aber immer noch nervös.

Wie sind Sie eigentlich zur Comedy gekommen?

Das ist im Grunde eine traurige Geschichte. Ich habe einen Job in der Westschweiz angenommen und war alleine, ohne jemanden zu kennen. Ich brauchte ein neues Hobby. Und da Comedy schon immer eine Leidenschaft war, habe ich angefangen, Nummern zu entwickeln. Mittlerweile bin ich seit eineinhalb Jahren dran.

Wie äusserte sich diese Leidenschaft?

Ich habe immer viel Stand-Up- Comedy geschaut. Mit der Bühne aber hatte ich nichts am Hut. Ich konnte mir nie vorstellen, im Rampenlicht zu stehen. Bei Schulaufführungen habe ich mich immer ganz weit hinten versteckt.

Spätestens seit Sie im September den «SRF3 Comedy Talent»-Award gewonnen haben, ist mit Verstecken aber Schluss.

Das war ein grosser Schritt. Dass ich einige Wochen davor freigestellt wurde, war privat nicht optimal. Ich habe mit der Auszeichnung zwar einen riesen Push erfahren, bin aber aktuell noch auf Stellensuche. Mein Traum ist, irgendwann ganz von der Kunst leben zu können.

Und schon schauen Sie über die Grenze nach Deutschland. Sie sind bereits in Berlin im «Quatsch Comedy Club» und bei «Nightwash» in Köln aufgetreten. Werden Sie die Schweiz bald hinter sich lassen?

Ich versuche, Deutschland, Österreich und die Schweiz abzudecken. Der Sieg bei «Nightwash» ist für mich eine Riesenchance. Dadurch habe ich auch Angebote in Deutschland erhalten. Aber vorerst werde ich in der Schweiz bleiben und schauen, wie ich von hier aus alles unter einen Hut bringen kann.

Ist das Publikum in Deutschland anders als in der Schweiz?

Ja, sehr. Das Publikum ist etwas jünger in Deutschland. Und das Interesse an Stand-Up-Comedy ist grösser.

Warum ist das so?

Die Schweiz hinkt ein paar Jahre hinterher. In Deutschland hat Stand-Up-Comedy schon vor fünf Jahren einen Boom erlebt. Hierzulande ist die Szene gerade am Aufkommen. Dadurch ist in Deutschland die Konkurrenz grösser und das Niveau höher. Ausserdem gibt es mehr Formate und Plattformen für Comedians.

Ist es nicht schwierig, Ihre Nummern auf Hochdeutsch zu präsentieren?

Nein. Ich probiere zwar, möglichst stilsicheres Deutsch zu sprechen, aber das Publikum wird immer raushören, dass ich Schweizer bin. Und den Leuten scheint das zu gefallen. Für mich ist es darum auch eine Chance. Ausserdem schreibe ich meine Nummern ohnehin zuerst auf Hochdeutsch.

Sie kommen ursprünglich aus Oberbüren, vom Land. Hat das Ihren Humor beeinflusst?

Ja. Ich bin in Oberbüren mit lustigen Leuten aufgewachsen. In unserer Clique haben wir ständig Sprüche geklopft und versucht, uns gegenseitig zu übertrumpfen. Wir sind heute noch gut befreundet.

Ist der Humor in Oberbüren anders als in Zürich?

Ich würde schon sagen, dass es einen ländlichen und einen städtischen Humor gibt. In der Stadt muss man etwas besser Acht geben, was man sagt. Auf dem Land können der Humor und die Sprache auch mal etwas rauer sein.

In Ihren Nummern erzählen Sie oft von sich selber. Wie viel davon ist erfunden?

Meine Geschichten basieren immer auf Alltagssituationen, die ich selber erlebt habe. Das will ich zu meinem Markenzeichen machen. Natürlich schmücke ich die Pointen aus, mache sie brisanter und statte sie mit einer Prise Selbstironie aus.

Wichtig ist aber, dass das, was ich erzähle, zu meinem Typ passt. Es muss authentisch sein. Sonst funktioniert es nicht.

Wo stossen Sie auf ihre Geschichten?

Ich erlebe viel im Zug, weil ich oft unterwegs bin. Manches basiert auch auf früheren Erlebnissen. Ich gehe mit einem Blick fürs Detail durch die Welt. Abends im Bett rattert es manchmal ordentlich. Ich bin auch schon mehrmals aufgestanden, um Ideen zu notieren.

Darf man über alles Witze machen?

Ich bin dieser Meinung, ja. Denn ein Thema, über das man keine Witze machen darf, wird ausgegrenzt. Je heikler, je schwieriger aber ein Thema, desto besser muss der Witz sein. Er darf nicht einfach beleidigend sein, sondern muss einen Denkanstoss geben, die Leute dazu bringen, eine andere Perspektive einzunehmen.

Zur Person

Fabio Landerts Komikerkarriere nimmt gerade Fahrt auf: Im September hat der 30-Jährige den «Swiss Comedy Award» in der Kategorie «SRF 3 Comedy Talent» erhalten. Im November siegte er als erster Schweizer im deutschen Comedy-Format «Nightwash». Ausserdem trat er kürzlich im Berliner «Quatsch Comedy Club» auf. Der Oberbürer hat das KV absolviert. Am 17. März ist er im Rahmen von «Gas gibt Kultur» im Kino City in Uzwil zu sehen. Weitere Daten: www.fabiolandert.ch. (tos)