Die Schokoladen-Tüftler

Schokolade gibt es in unterschiedlichen Variationen. Die Firma Maestrani AG bringt jedes Jahr neue Produkte auf den Markt. Da stellt sich die Frage: Wer erfindet diese neuen Kreationen? Die Wiler Zeitung hat nachgefragt.

Vanessa Meier Linero
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FLAWIL. «Die Geschichte der Schokolade war immer auch eine Geschichte des Tüftelns, des Verfeinerns, der Suche nach neuen, noch zarteren Genüssen», bringt es die Flawiler Schokoladenfabrik Maestrani AG in ihrer Präsentationsmappe auf den Punkt. Aber wer hat überhaupt die Ideen für neue Kreationen?

«Bei Maestrani sind praktisch alle Abteilungen am Entwicklungsprozess von neuen Rezepturen und Produkten beteiligt», sagt Markus Wilda, Leiter Marketing der Maestrani. Dabei kämen die Ideen aber nicht ausschliesslich von Maestrani, sondern alle verfügbaren Quellen würden dafür angezapft. Es kann also sein, dass die Ideenanstösse von den Lieferanten oder auch von den Konsumenten selbst kommen. Erste Proben würden in einem Konsumententest ausprobiert.

Nicht alle auf den Markt

Das Thema Schokolade sei dankbar, denn es lade zum Innovieren ein. Deshalb versiege die Quelle der Ideen nicht. Die Ideenvielfalt werde nur durch das Kriterium «marktfähig» eingeschränkt, sagt Wilda und fügt an, nicht alle Ideen könnten schliesslich zu Innovationen werden.

Gemäss Wilda sollen es durchschnittlich zwei umgesetzte Ideen pro Jahr sein, die überhaupt auf den Markt kämen. Grund dafür sei die Produktlancierung, die sehr teuer sei, erklärt der Marketingleiter. «Wir haben einmal eine Curry-Kokos-Schokolade ausprobiert oder auch Ingwer-Schokolade. Die Frage bei diesen aussergewöhnlichen Mischungen ist jedoch immer, ob es überhaupt genügend Liebhaber für solche Kreationen gibt, damit es sich lohnt die Maschinen anzuwerfen. Ansonsten kann so eine Kreation nicht auf dem Markt überleben.»

Maestrani orientiere sich entsprechend an Teilmärkten, in denen das Unternehmen besonders wettbewerbsfähig sei, sagt Wilda weiter. In den letzten Jahren habe sich Maestrani vor allem im Bereich Fruchtschokolade einen Namen gemacht.

Die sogenannten «Kassenschlager» seien jedoch nach wie vor die «Mainstream»-Schokoladen, wie beispielsweise Milchschokolade. «Momentan sind von Maestrani rund 220 Produkte aus etwa 100 verschiedenen Rezepturen auf dem Markt, die unter den Marken Minor, Munz und Maestrani verkauft werden», sagt Wilda. Besonders beliebt seien die weissen Munz-Prügeli, Minor-Stengel und Glückskäfer mit Praliné-Füllung. Es gebe immer wieder Trends, bei denen über eine gewisse Zeit eine Sorte speziell viel konsumiert werde. Dabei denkt Wilda an Jahre, in denen sehr viel dunkle Schokolade konsumiert wurde.

Arbeitsplatz des Erfinders

«Unser Entwicklungslabor, der Arbeitsplatz des <Erfinders>, kann man sich wie eine grössere Confiserie vorstellen. Natürlich ist das Equipment technisch noch etwas ausgefeilter, damit die richtigen Parameter für die Produktionsmaschinen gefunden werden können», sagt Wilda, doch erste Muster würden von Hand gemacht.

Verschiedene fachliche Aspekte

Hinter den «Neue-Geschmäcker-Erfinder» stecke aber mehr als nur ein Beruf, erklärt Wilda. Verantwortlich für die Produktentwicklung seien Lebensmittelingenieure, Lebensmitteltechnologen sowie Confiseure. «Von der Entwicklung bis zur Übertragung auf die Anlagen im industriellen Massstab sind verschiedene fachliche Aspekte abzudecken: Von der lebensmittelrechtlichen Einschätzung über das Schokoladen-Know-how bis hin zur technisch/technologischen Umsetzung auf den Grossanlagen muss breites Fachwissen vorhanden sein», sagt er, nebenbei müssten die ökonomischen und ökologischen Aspekte in Betracht gezogen werden. Bis in die Tiefe des Details gehe das letztlich aber nur im Team.