Die Revolution ist fünf Jahre alt

Vergangenen Montag vor nun bereits fünf Jahren hat die ägyptische Revolution begonnen. Vor fünf Jahren sind die ersten Demonstranten in verschiedenen ägyptischen Städten auf die Strasse gegangen, um gegen den damals amtierenden Innenminister Habib el Adly zu protestieren.

Lucienne Suter
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Der Tahrir-Platz am vergangenen Montag: Die Präsenz von Sicherheitskräften, Polizei und Militär ist gross. (Bild: Yehia Sayed)

Der Tahrir-Platz am vergangenen Montag: Die Präsenz von Sicherheitskräften, Polizei und Militär ist gross. (Bild: Yehia Sayed)

Vergangenen Montag vor nun bereits fünf Jahren hat die ägyptische Revolution begonnen. Vor fünf Jahren sind die ersten Demonstranten in verschiedenen ägyptischen Städten auf die Strasse gegangen, um gegen den damals amtierenden Innenminister Habib el Adly zu protestieren. Der brutale Mord an Blogger Khaled Saaed durch die Geheimpolizei in Alexandria hatte das Pulverfass gezündet. Die Bilder des zu Tode geprügelten jungen Mannes hatten sich im Internet so rasch verbreitet, dass er zur Ikone der Revolution wurde.

Keine Alternative

«Wir alle sind Khaled Saaed», schrien die Demonstranten. Sie forderten den sofortigen Rücktritt des Innenministers, Nahrung für die Hungrigen, soziale Gleichheit und Freiheit. Da die Forderungen der Demonstranten stets mit Tränengas und Gewalt beantwortet wurden, wuchs die Wut in der Bevölkerung weiter an, bis schliesslich der damals amtierende Präsident Hosni Mubarak selbst gestürzt werden konnte.

Heute, fünf Jahre später, stehen viele Ägypter der Revolution vom 25. Januar skeptisch gegenüber. Nach der Euphorie fand eine grosse Ernüchterung statt. Einige wünschen sich gar die alten Zeiten unter Mubarak zurück. Das Hauptproblem mit der ägyptischen Revolution ist vor allem, dass es keine wirkliche Alternative, keine richtige Opposition zur Regierung Mubaraks gab. Die Gruppen, die die Revolution vorangetrieben hatten, hatten keine starke Führung und keinen organisierten Plan, was mit dem Machtvakuum nach dem Sturz Mubaraks passieren sollte. Die Revolution vollzog sich grösstenteils im Chaos. Viele Menschen – vor allem Teenager – haben darin ihr Leben verloren.

Geteilte Meinungen

Eine verbreitete Meinung ist, dass sich zu wenig verändert habe, als dass es die Kosten von so vielen Menschenleben wert gewesen sei. Man ist sich jedoch nicht einig. Einige lehnten die Revolution von Anfang an ab und stehen der Militärregierung in einer patriotisch verklärten Sicht gegenüber. Andere sagen, dass die Revolution ein Erfolg war, denn schliesslich sei man Mubarak losgeworden, und nun sei es Zeit weiterzukämpfen, bis auch die anderen Forderungen erfüllt würden. Aber die Ägypter sind müde vom Kämpfen und enttäuscht über ihre Situation. Ob die Revolution die Situation für das Land auf längerfristige Sicht verbessert oder verschlechtert hat, kann man wohl erst zu einem späteren Zeitpunkt sagen. Zwar werden die Strassen und Häuserfassaden unter der neuen Regierung verschönert. Was die Ägypter aber brauchen, ist soziale Sicherheit, Wohlfahrt und Perspektiven für die junge Generation.

Lucienne Suter aus Wil lebt in Kairo. Für die Wiler Zeitung berichtet die 26-Jährige über Erlebnisse in der ägyptischen Hauptstadt.

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